Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Soziales

›Dat Ickerner Eck‹

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Kaffee, Beratung und nette Gesellschaft

Vanessa und Wajid freuen sich auf ihr gemeinsames Kind, Thomas träumt von einer Ausbildung als Fachinformatiker und Gisbert möchte einfach nur nette Kontakte knüpfen. So weit, so normal. Dabei hatten es die vier in der Vergangenheit nicht gerade einfach. Im ›Ickerner Eck‹, der Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, wird ihnen geholfen, ihren Zielen allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz ein bisschen näher zu kommen.

»Die Tür steht jedem offen!«

»Wer uns besuchen will, braucht weder ein Eintrittsticket noch eine Krankenkassenkarte«, lächelt Ansprechpartnerin Simone Thörner-Klein (Diakonie Kreis Recklinghausen). »Die Tür steht jedem offen!« Im April 2015 wurde das Projekt in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Herne und Bethel.regional aus der Taufe gehoben. Seither wird in der ehemaligen Eckkneipe an der Ickerner Straße 33 / Ecke Lakestraße kein Bier mehr gezapft. Stattdessen gibt es Kaffee, ein offenes Ohr und nette Gesellschaft!

Hilfe bei verschiedensten Problemlagen

»Ziel war es, ein niederschwelliges Angebot für Menschen in Not zu schaffen«, erläutert Simone Thörner-Klein. Dabei stehen die ›besonderen sozialen Schwierigkeiten‹ zusammenfassend für verschiedenste Problemlagen, angefangen bei Drogensucht über psychische Erkrankungen bis hin zu finanzieller Verschuldung und drohender Wohnungslosigkeit. »Wenn es jemandem nicht gut geht, dann helfen wir!« Als Anlaufstelle reicht der Einfluss des ›Ickerner Eck‹ aber noch viel weiter: »Wir schauen im Einzelfall, wie wir unterstützen können, und vermitteln den Betroffenen bei Bedarf zum Beispiel an die Suchtberatung, das Ambulant Betreute Wohnen (ABW) oder eine stationäre Einrichtung.«

Reden, frühstücken und Wäsche waschen

Davon profitiert aktuell auch Thomas. Der 23-Jährige kämpft seit rund sechs Jahren gegen seine Suchterkrankung. Ein ständiges Auf und Ab. »Die Schule habe ich noch ganz gut abgeschlossen, wollte danach eine Ausbildung im Bereich Fachinformatik oder Elektrotechnik machen, aber dann kamen die Opiate ins Spiel«, erzählt er offen. Gerade hat Thomas seine zweite stationäre Therapie abgebrochen. »Jetzt muss ich erstmal wieder stabil werden.« Im ›Ickerner Eck‹ und durch seinen Vertrauensmann beim ABW erfährt er die nötige Unterstützung. Jeden Donnerstag kommt er zum kostenfreien Frühstück, ab und zu bringt er auch seine Wäsche mit – eine eigene Waschmaschine hat er nicht. »Und es ist immer jemand da, mit dem man von Angesicht zu Angesicht reden kann!«

»Also bin ich einfach mal rein«

Dem kann Gisbert nur zustimmen: »Hier hat man noch echte soziale Kontakte – ich halte ja nichts von Facebook und dem ganzen Schrott!« Der gebürtige Ickerner lebt seit August 2016 wieder in seiner alten Heimat. Beim Spazierengehen sah er zufällig den Schriftzug der Diakonie am Gebäude. »Ich hatte Schwierigkeiten mit meinem Umzug, und die Diakonie hatte mir schon früher sehr geholfen. Also bin ich einfach mal rein und habe mich bei Simone erkundigt.« Inzwischen ist Gisbert ein engagierter Stammgast im ›Ickerner Eck‹ und hat die Beratungsstelle schon häufig weiterempfohlen.

»Meine Mama ist nicht mehr da, mit wem rede ich?«

So fand auch seine Nichte Vanessa den Weg in die Ickerner Straße 33. »Alleine weiß man oft nicht weiter. Aber seit ich herkomme, wird langsam alles besser.« Der Austausch mit den anderen Besuchern sei dabei ebenfalls hilfreich. »Ich bin schwanger, meine Mama ist nicht mehr da, mit wem rede ich? Das Schöne ist, dass hier ganz unterschiedliche Altersgruppen zusammenkommen.« Im Moment will sich die 29-Jährige voll und ganz auf ihre künftige Mutterrolle konzentrieren. »Eigentlich dachte ich, dass ich wegen der Drogen keine Kinder mehr bekommen kann. Dann hat es doch geklappt. Ich bin jetzt seit fast einem Jahr abstinent – auch dank meines Mannes Wajid.«

Liebe mit Hindernissen

Dabei hat es das junge Paar alles andere als leicht. Wajid stammt ursprünglich aus Pakistan, ist in Warstein gemeldet und darf sich daher nicht dauerhaft in Castrop-Rauxel aufhalten. Für eine Heirat fehlen die nötigen Dokumente. Trotzdem kommt er jede Woche in die Europastadt, um Vanessa beizustehen, sie zum Geburtsvorbereitungskurs zu begleiten und sein Deutsch zu verbessern. In Italien hat er einige Jahre als Autolackierer gearbeitet, würde gerne die entsprechende Ausbildung nachholen. »Wenn das Baby da ist, wird es vielleicht etwas einfacher«, hoffen die beiden.

Pakistanische Linsen und gute Freunde

Inzwischen gehören Vanessa, Wajid, Thomas und Gisbert im ›Ickerner Eck‹ schon zum Inventar. Wenn die Beratungsstelle dreimal wöchentlich ihre Pforten öffnet, bringen die vier nicht nur ihre Probleme mit, sie füllen das Haus auch mit Leben! »Vor zwei Jahren saßen mein Kumpel und ich oft allein hier«, erinnert sich Thomas. »Heute ist der Laden voll.« Zudem finden in Kooperation mit dem Ambulant Betreuten Wohnen oder dem Verein ›Mein Ickern‹ regelmäßig Aktionen statt. Beispielsweise wird alle zwei Wochen gemeinsam gekocht – zuletzt zauberte Wajid ein pakistanisches Linsengericht auf den Tisch. »An dem Tag konnte ich nicht, dabei hätte ich es so gern probiert«, bedauert Thomas. Kein Problem für Wajid und Vanessa: »Du kannst jederzeit zum Essen zu uns kommen!« Denn so viel ist klar: Im ›Ickerner Eck‹ findet man nicht nur Rat und Unterstützung, man findet auch gute Freunde!

Gut zu wissen

  • Im Ickerner Eck stehen eine Waschmaschine, ein Trockner und ein Computer mit Internetanschluss für die Job- und Wohnungssuche zur Verfügung
  • Jeden Donnerstag gibt es ein kostenfreies Frühstück, alle zwei Wochen wird gemeinsam gekocht
  • Willkommen sind auch Menschen ohne Hilfsbedarf, es lohnt sich nämlich unbedingt, einen Blick ins Ickerner Eck zu werfen. Aktuell stellt der Künstler Peter Witzik seine Werke aus. Die Termine für neue Vernissagen, Workshops und andere Aktionen werden auf der Homepage bekannt gegeben.
     

www.diakonie-kreis-re.de/beratung/angebote-fuer-menschen-mit-besonderen-sozialen-schwierigkeiten/castrop-rauxel/

›Dat Ickerner Eck‹

Ickerner Straße 33
44581 Castrop-Rauxel
Tel. 0 23 05 / 9 23 25 47
 
Öffnungszeiten
Mo. 13–16 Uhr
Di. 10–14 Uhr
Do. 10–14 Uhr

Kostenloses Frühstück
Donnerstag ab 10 Uhr

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