Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Kunst und Kultur

Schon wieder der Drews!

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Promi-Interview

Hallo, Herr Drews, im März findet ja die beliebte Solidarfonds-Schlagerparty in Castrop-Rauxel statt. Eine Veranstaltung, die mittlerweile Kultstatus hat und die ohne Sie gar nicht denkbar wäre. Was ist für Sie das Besondere der Solidarfonds-Schlagerparty?

Ich mache es immer wieder gerne, denn zu helfen – insbesondere in Not geratenen Menschen, die durch das Raster des sozialen Netzes fallen könnten oder gefallen sind – ist einfach toll. Ich schätze die Idee und auch ihren Initiator, Dr. Kohlmann, sehr. Durch ihn bin ich vor gefühlten 20.000 Jahren da reingeraten – ebenso wie mein Freund Roland Kaiser. Schließlich war ich bereits bei der allerersten Schlagerparty dabei. Ich bin dort so oft aufgetreten, das gibt’s ja gar nicht. Und in meinem inneren Ohr höre ich die Leute bereits rufen: Schon wieder der Drews!

Gibt es eine Ausgabe, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Unbedingt! Vor einigen Jahren hatte sich die Solidarfonds-Stiftung ein sehr schönes, besonderes Ambiente für das Event ausgesucht, ein ehemaliges Freibad (Anm. d. Red.: das Parkbad Süd). Und ich weiß noch genau: Ich steh’ auf der Bühne – es war sehr windig an dem Tag – und sing' wieder meinen herzzerreißenden Kram. Auf einmal fange ich an zu husten, dass mir die Schädeldecke abhebt, also quasi das Toupet wegfliegt. (Anm. der Red.: Was für ein Toupet? Nichts da, bis auf etwas Farbe ist alles Natur bei Jürgen Drews). Auf jeden Fall konnte ich nicht aufhören zu husten. Mir war klar, so kann ich nicht singen und ging fast schon von der Bühne ab. Doch ich merkte, es wurde ein bisschen besser und machte doch weiter. Prompt fing der Husten wieder an. Die Leute guckten mich an mit aufgerissenen Augen und dachten: Der kollabiert gleicht auf der Bühne! Dann fiel es mir auf einmal auf: Der Wind blies die ganz feinen Kohlestaubpartikelchen vom Grill der Gastronomie am Rand des Beckens mir direkt ins Gesicht und hat mich gesanglich völlig außer Gefecht gesetzt. Das werde ich nie vergessen.

Was passiert eigentlich nach der Show? Feiern Sie und Ihre Kollegen eine After-Show-Party, lassen es so richtig krachen? Geht es doch eher direkt in den Flieger beziehungsweise mit dem Auto nach Hause? Oder ganz gemütlich zum Absacker in die Pinte?

In eine Finte?

Kennen Sie das Wort Pinte?

Finze?

Nein, Pinte! Wir sind hier im Ruhrgebiet, Herr Drews. So nennt man bei uns eine Kneipe.

Ah so, dann muss ich das mal etwas aufdröseln. Ich trinke keinen Alkohol, zumindest so wenig, dass es eigentlich gar keiner ist. Somit hat es sich mit der Pinte dahingehend schon erledigt. Zweitens bin ich von Haus aus nicht unbedingt der gesellige Typ. Im Gegenteil: Ich bin eigentlich auch nur zur Bühne gekommen, weil mein Vater – er war Arzt – mich damals über diesen Weg ›therapiert‹ hat. Ich hatte mich als pubertierender 13-Jähriger völlig in mich zurückgezogen, zeigte fast autistische Anwandlungen. Mein Vater reagierte auf diese Veränderung völlig konsterniert. Da meine Eltern wussten, dass ich musikalisch war, probierten sie es darüber. Sie schenkten mir eine Gitarre und besorgten einen Gitarrenlehrer.
Wenige Zeit später hörte mein Vater, dass eine Dixielandgruppe auf meiner Schule in Schleswig einen neuen Banjospieler suchte und hat mich – einfach so ohne mich zu fragen, ich war damals stocksauer – zum Vorspielen angemeldet. Also habe ich schweißtriefend vor Angst ein Banjosolo einstudiert. Mein Vater ist übrigens fast wahnsinnig geworden in der Zeit, weil die – verdammt lauten – Banjoklänge durch alle Wände unseres Hauses auch in seine Praxisräume drangen und sich bis in sein Stethoskop übertrugen: Statt Herztöne hörte er Banjo. Nebenbei bemerkt, auch wenn ich das Vorspielen total zittrig absolvierte – ich wurde sofort genommen.
Wobei, der beste Gitarrenspieler war ich nie. Ich selbst nannte mich immer ›Django Reinhard für Arme‹. Immer mit einem etwas verkniffenen Lächeln, denn man musste ja lächeln vorm Publikum, selbst wenn man in der zweiten Reihe stand. Das machte ich und dadurch wachte ich so ein bisschen auf. Und deswegen, um noch mal auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich bin kein geselliger Mensch, das bin ich privat auch heute noch nicht. Von daher gibt es bei mir keine Pinte, kein ›was mach ich danach?‹. Ich setze mich entweder in den Wagen und fahre nach Hause oder gehe ins Hotel.

Hat sich das eigentlich verändert seit der ersten Banjo-Bühnen-Erfahrung? Leben und lieben Sie die öffentlichen Bühnenauftritte oder beinhaltet es immer noch ein Stück weit Überwindung?

Ich liebe es, obwohl (!) ich mich überwinden muss. Deshalb mache ich meine Auftritte!

Auch wenn es keiner glaubt, der Sie auf der Bühne sieht ... Andere in Ihrem Alter sind ja bereits in Rente. Wie geht es Ihnen damit?

Nun ja, ich bin ja doch eher der larmoyante Typ und stöhne schon ab und zu vor mich hin: ›Ooh, jetzt bin ich einundsiebzig, werde zweiundsiebzig, ooh ...‹ Nun habe ich zum Glück eine Frau, die eine absolute Pragmatikerin ist: Ramona, die ja um einiges jünger ist als ich, aber einen Durchblick hat ohne Ende! ›Was willst du?‹, fragt sie dann. ›Worüber beschwerst du dich? Guck dir mal andere in deinem Alter an!‹ Und ich antworte: ›Ja, da hast du ja recht, Schatz.‹ Dann bin ich wieder gut drauf! Fazit: Ich bin kein geselliger, aber ein positiver Mensch. Manchmal etwas wehleidig, aber dann haut mich Ramona immer wieder voll raus.

Auf was freuen Sie sich in Castrop-Rauxel, auf welchen Beitrag von Ihnen dürfen wir uns freuen?

Ich bin auf jeden Fall mit meinem aktuellen Hit ›Wir sind von Null auf Hundert‹ dabei, um den Leuten auch ein wenig positive Stimmung von meiner Seite rüberzubringen. Freuen tu ich mich unbedingt auf Dr. Kohlmann, aber auch auf die Kollegen. Münchner Freiheit: Geil! Michael Holm: ein ganz alter Kollege und Freund von mir. Ebenso Bernhard Brink, Olaf Henning, Jörg Bausch ... Alles bekannte Weggefährten. Harpo kenne ich persönlich noch nicht, aber hallo! Harpo! An diesem Abend werde ich übrigens doch etwas länger bleiben, denn die haben nebenbei bemerkt ein großartiges Catering, ein fantastisches Buffet!

Na, dann wünschen wir Ihnen einen tollen Abend, drücken die Daumen, dass keine etwaigen Barbeque-Qualmwolken Sie zum Husten bringen und bedanken uns herzlich für das gute Gespräch. Bis dahin, Jürgen Drews!

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