Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Menschen

»Mein Leben ist bunt und abwechslungsreich«

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

Im Gespräch mit Michael Wurst

Michael Wurst: Musiker, Bandleader, Songschreiber, Moderator, Stadionsprecher des VfL Bochum – und Spielertrainer beim FC Frohlinde. Vor gut fünf Jahren kam der Anruf: »Hättest du nicht Lust, für uns zu spielen?« Schließlich war unter Kennern bekannt, dass der Bochumer ein begeisterter Fußballer ist: wendig, laufstark, ballverliebt. Er spielte unter anderem in der Oberliga beim Wuppertaler SV, bei Westfalia Herne, Wattenscheid 09 und der Spielvereinigung Erckenschwick. Also jetzt Frohlinde, warum nicht?

»Was machst du denn hier?«
»Dabei habe ich, offen gesagt, gar nicht gewusst, wo Frohlinde genau liegt«, erinnert er sich schmunzelnd. Hingefahren und erstaunt festgestellt: Es sind gerade mal knapp 15 Minuten von seiner Heimat Langendreer aus – also, wie der Ruhrpottler sagt: direkt ›umme Ecke‹. »Eine gute Entscheidung«, sagt er. »Ich fühle mich sportlich und menschlich sehr verwurzelt. Das passt einfach.« Wobei bei seinem ersten Spiel schon der ein oder andere verwunderte Blick gewechselt wurde. »Ein Pressevertreter kam zu mir und fragte: ›Was machst du denn hier?‹« Meine lapidare Antwort: ›Ich spiele jetzt für den FC!‹« Und auch manch Frohlinder, der Michael Wurst bislang eventuell nur als Teilnehmer der SAT.1-Castingshow ›Star Search‹ oder aus der SAT.1-Dokusoap ›Die Wursts‹ kannte, war zunächst schon etwas skeptisch. »Da gab es kleine Vorurteile. Aber nach spätestens zwei Wochen, als gesehen wurde, dass ich mit der Kugel umzugehen weiß, war die Sache durch«, erzählt er augenzwinkernd.

»Ich kann überhaupt nicht verlieren!«
Schnell avancierte der Bochumer zum Stammspieler der Mannschaft und trug nicht unwesentlich zu den Erfolgen in den letzten Jahren wie dem Aufstieg von der Kreisliga A in die Bezirksliga bei. »Absolutes Highlight war das Kreispokal-Endspiel 2014 gegen Wacker-Obercastrop. Da hatten wir immerhin rund 1.800 Zuschauer, das ist schon eine Hausnummer«, gerät Michael Wurst gut anderthalb Jahre später immer noch ins Strahlen. Kein Wunder, schließlich ist der 41-Jährige durch und durch ambitioniert. »Ich kann überhaupt nicht verlieren, das fängt schon beim Training an und zieht sich so durch. Letztendlich geht man auf den Platz, um zu gewinnen!« Doch nicht nur auf dem Rasen packt ihn der Ehrgeiz, er begleitet ihn durch alle Lebensbereiche: im Studio, auf der Bühne, vor dem Mikro …

Erfolge, Highlights, Herzensangelegenheiten
»Ich komme da gar nicht gegen an. Wenn ich etwas erreiche, selbst nach einen richtig tollen Auftritt bin ich sofort im Weiterplanmodus. Was kommt als Nächstes? Wie kann ich noch einen draufsetzen?«, erzählt er mit einem kleinen Lächeln. »Meine Frau findet es etwas schade, wenn ich Erfolge nicht richtig genießen kann, weil ich sofort weiterdenke.« Und es waren und sind so einige Erfolge, die er feiern konnte. Darunter Highlights wie der gemeinsame Auftritt mit Band und den Bochumer Symphonikern bei der ›Extraschicht 2014‹ im ›Ruhrstadion‹. Wie die Filmaufnahmen zu ›Das Wunder von Bern‹, wo er in der Rolle des ungarischen Abwehrspielers

Jenö Buzánszky spielte und kickte. Wie der Nummer-Eins-Hit der Austria-Charts, den er gemeinsam mit Nino de Angelo für den österreichischen Schlagerstar Oliver Haidt geschrieben hatte. Auch Ireen Sheer, Michael Morgan oder die Neue-Deutsche-Welle-Legende Markus singen seine Songs. Wir fragen doch etwas verdattert nach: Schlager? »Meine musikalische Einstellung hat sich schon verändert in den letzten Jahren«, erklärt der Musiker. »Anfang der 2000er habe ich nur das akzeptiert, was ich selbst mochte und gemacht habe. Mittlerweile kann ich auch andere Musikrichtungen schätzen – wenn die Qualität stimmt. Wichtig ist: Alles, was ich mache, ist ein Stück weit Herzenssache.«

Der ›kleine Engel‹
Ein Projekt steht hier ganz weit vorn: der ›kleine Engel‹. Michael Wurst zur Entstehungsgeschichte: »Ich bin ein totaler Weihnachtsfan, immer schon. Und jetzt mit zwei Kindern stelle ich fest, dass man dadurch selbst wieder zum Kind wird und die Weihnachtszeit nochmals an Bedeutung gewinnt. 2009 hatte ich dann den Wunsch, hier mal etwas anderes zu machen, ein normales Konzert war mir zu wenig. Also habe ich mich hingesetzt und spontan eine Geschichte geschrieben. Ein Märchen über einen kleinen Engel, in das viel Realität einfließt. Eine Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art, die ich mit Songs verknüpfe, die mir thematisch oder emotional dazu einfallen. Mittlerweile sind es fünf bis sechs Auftritte im Advent. Auftritte in Kirchen mit Band und Livemusik, bei denen Ansgar Borgmann von Radio Bochum meine Jahr für Jahr neu entstehenden Geschichten vorliest. Das ist wirklich eine Sache, bei der mir das Herz aufgeht und die super ankommt. Die Kirche ist immer rappelvoll.«

›Anne Castroper‹
Über mangelndes Publikum kann er sich eh nicht beklagen, nicht bei Auftritten mit ›Deluxe · the radioband‹ oder mit der Familienkombo ›The Tweens‹ gemeinsam mit Vater und Onkel, nicht bei seinem ›Bermuda-Talk‹, innerhalb dessen er als Moderator prominente Gäste interviewt – und natürlich nicht beim VfL Bochum. »Ich bin jetzt immerhin seit neun Jahren Stadionsprecher an der Castroper Straße – das ist schon geil. Fußball ist halt ein Großteil meines Lebens. Von daher finde ich es einfach auch toll, beim FC Frohlinde nach wie vor aktiv zu sein. Nicht zuletzt hält mich das auch fit.« Hier ist er übrigens neuerdings statt auf dem Rasen häufiger mal auch auf der Bank anzutreffen. »Seit einem Jahr bin ich gemeinsam mit Stefan Hoffmann Spielertrainer. Und es ist natürlich unser Anliegen, die Mannschaft optimal aufzustellen und auch neuere Spieler agieren und ins Team hineinwachsen zu lassen. Da tritt man selbst schon mal zurück. Offen gesagt: Hätte mich früher ein Trainer so selten zum Einsatz kommen lassen, na, der hätte was von mir zu hören gekriegt«, grinst der sympathische Ehrgeizling.

»Ab und zu gerät man schon mal ins Grübeln«
Wie aber bekommt man all die vielen Termine, Spiele, Konzerte und Gigs unter einen Hut, interessiert uns. »Ich bin schon viel unterwegs«, gesteht er ein, »fange montags an und höre sonntags auf. Und die Tage, an denen ich komplett zu Hause bin, kann ich an den Händen abzählen. Umso wichtiger ist es, wenn man am Ende des Tages zusammenkommt und überhaupt als Familie zusammensteht. Ab und zu gerät man dann natürlich aber auch schon mal ins Grübeln. Beispielsweise, wenn man so eine Nachricht hört, dass Roger Cicero, den ich durch gemeinsame Auftritte sogar persönlich kannte, so früh verstorben ist. Andererseits: Ich liebe mein Leben. Es ist bunt und abwechslungsreich. Und es ist unbedingt ein Privileg, sein Geld damit zu verdienen, was man liebt.«

Termine in der Nähe
15. Mai · Kemnade in Flammen mit Radio Deluxe
27. Mai · Altstadtfest in Hattingen

Weitere Infos über Michael Wurst finden sich unter
www.michaelwurst.de.

© Fotos: Werner Wiegand

Facebook Logo  diese Seite auf Facebook teilen