Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Kunst und Kultur

»Grün ist das Schwarze«

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Ruhrbürger und Büchernarr

Geboren und aufgewachsen in Wanne-Eickel, zu Hause in Castrop-Rauxel, Spezialist für ›Literatur im Ruhrgebiet‹ an der Bochumer Ruhr-Uni, Redakteur der Zeitschrift ›Emscherbrücher‹, der Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel in Herne, und – auch das – Currywurstliebhaber: Dr. Joachim Wittkowski ist ein Ruhrpottler, wie er im Buche steht. Im Sommer erschien die von ihm herausgegebene Anthologie ›Grün ist das Schwarze. Das kleine Gedichtbuch des Ruhrgebiets‹.

Bücherwagen kam in die Klasse gerollt
»Das Ruhrgebiet wird, bei allen Problemen, die es hier geben mag, konstant unterschätzt und auf Klischees reduziert. Dabei haben wir weit mehr zu bieten, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Ich will das Blickfeld erweitern, eine Fahne für die Region hochhalten.« Alles begann 1959, als Joachim Wittkowski im Herzen des Ruhrgebiets das – damals noch vom Qualm der Kokereien geschwängerte – Licht der Welt erblickte. Schon als kleiner Döz entdeckte er hier seine Vorliebe für Literatur. »Alle paar Wochen kam ein Bücherwagen in die Klasse gerollt, und jeder durfte sich ein Buch ausleihen«, erinnert er sich. »Das war dann immer schnell durchgelesen, und während des Wartens auf das nächste steigerte sich die Spannung, was den Wunsch in mir weckte, auch eigene Bücher zu haben.«

»Die Zeiten, in denen man den Kohlenstaub riechen konnte, sind Vergangenheit«
Schule, Studium, Promotion. Nach und nach lernte er viele Autoren kennen, die in verschiedenster Form mit dem Ruhrgebiet in Verbindung stehen und den Strukturwandel auf ihre Weise reflektieren. »Die Zeiten, in denen man den Kohlenstaub in der Luft riechen konnte und die weiße Wäsche auf der Leine graue Schlieren bekam, sind Vergangenheit. In den letzten 40 oder 50 Jahren haben die Zechen nach und nach zugemacht. An ihrer Stelle wurden Universitäten gegründet, Industriebrachen renaturiert, neue Gewerbe angesiedelt. Dementsprechend lässt sich die Literaturlandschaft des Ruhrgebiets nicht auf Bergarbeiter- und Industrieliteratur reduzieren.« Er schmunzelt: »Natürlich gibt es auch Klischees, die zutreffen. Eines hat mit unseren Autobahnkreuzen zu tun.«

Von Heimatgedichten aus dem 18. Jahrhundert bis Eckenga und Grönemeyer
›Grün ist das Schwarze‹: Der Titel zitiert nicht nur einen Vers von Ernst Meister, er verweist zudem auf den Facettenreichtum einer Region, deren Gesicht sich in den letzten Jahrhunderten immer wieder gewandelt hat. Den Leser erwartet eine literarische und malerische Zeitreise voller Überraschungen, angefangen mit Kirchenliedern und Heimatgedichten aus dem 18. Jahrhundert über Dichtungen und Grafiken von gesellschaftspolitisch engagierten Künstlern wie Paul und Josef Reding bis hin zu aktueller Kabarettlyrik à la Fritz Eckenga. »Moderne Poesie zeigt besonders anschaulich, wie sich die Sicht der Menschen auf ihre Heimat verändert hat: Während einst noch von dumpf dröhnenden Hämmern und Rauch die Rede war, heißt es bei Herbert Grönemeyer: ›Bochum: Ich komm aus dir, ich häng an dir.‹«

Kultur und Currywurst
Woran hängt das Herz des Herausgebers? Seit 1991 lebt Dr. Joachim Wittkowski mit Ehefrau Christine in Habinghorst. »Ich sehe mich als ›Bürger des Ruhrgebiets‹ – mit Lebensmittelpunkt in Castrop-Rauxel«, erklärt er. Die ›Europastadt im Grünen‹ steht mit dem Erin-Park, dem neuen Emscher Radweg, ihrem Kunst- und Kulturangebot geradezu beispielhaft für das moderne Revier. »Wenn ich es schaffe, mich vom  Schreibtisch loszureißen, liebe ich es, Landschaften und Siedlungen zu Fuß zu erkunden.« Was würde er Besuchern von außerhalb empfehlen? »Einen Spaziergang durch Becklem – ein wunderschöner Ort, an dem historische Häuser aus dem 17. Jahrhundert Tür an Tür neben Neubauten stehen. Außerdem ein Konzert in der Lambertuskirche. Und die Currywurst in ›Willis Nord-Grill‹. In dieser griechischen Pommesbude kann man Ruhrgebietskultur pur erleben.«

»Grün ist das Schwarze«Buchtipp
Dr. Joachim Wittkowski (Hg.)
›Grün ist das Schwarze
Das kleine Gedichtbuch des Ruhrgebiets‹
Verlag Henselowsky Boschmann
9,90 Euro

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