Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Gesundheit und Wellness

»Die größte Aufgabe des Lebens«

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Schlaganfall-Selbsthilfegruppe

Hans-Dieter Galuba ist ein lebenslustiger Mann. Er liebt das Reisen und die Sonne, erzählt gern von sich und versäumt keine Geburtstagsfete. Dass er manchmal etwas länger nach den richtigen Worten sucht und zu Fuß nur langsam von A nach B gelangt, ist für den 68-jährigen Schlaganfallpatienten kein Grund zur Klage: »Jammern hilft nicht, man muss da durch. Und mit dem Rückhalt durch gute Freunde schafft man das auch.«

»Wir teilen Freud und Leid«
Deshalb haben Hans-Dieter Galuba und seine Frau Doris im Jahr 1998 die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe am EvK gegründet. An jedem zweiten Donnerstag im Monat treffen sich Betroffene und Angehörige zu Gesprächen und Vorträgen bei Kaffee und Kuchen in der Krankenhaus-Cafeteria. Als medizinischer Experte ist Chefarzt D. Ralf Kuhlmann zugegen. Darüber hinaus gehören Ausflüge und saisonale Feste zum Programm. »Für einige ist die Selbsthilfegruppe schon so etwas wie Familienersatz. Wir teilen Freud und Leid. Wenn einer fehlt, ruft man an. Und es gibt keinen runden Geburtstag, der nicht zusammen gefeiert wird.«

Raus aus dem Rollstuhl
Es geschah im Jahr 1995: Hans-Dieter Galuba war erst 48, als ihn im Hof seines Hauses buchstäblich der Schlag traf. »Das hat uns natürlich vom Hocker gehauen«, erzählt Ehefrau Doris. »Man denkt ja immer, Schlaganfall ist eine Erkrankung der älteren Generation. Aber als ich meinen Mann da liegen sah, habe ich an seiner Körperhaltung sofort erkannt, was los ist, und den Rettungswagen gerufen.« Der Castrop-Rauxeler hatte Glück im Unglück. Ihm konnte schnell geholfen werden. Dennoch waren die gesundheitlichen Folgen schwerwiegend: Sprachverlust, Schluckbeschwerden, Lähmungserscheinungen im ganzen Körper. »Ich war an den Rollstuhl gefesselt, konnte kaum gerade sitzen und musste für jeden Toilettengang die Schwester rufen. Das war für mich das Schlimmste überhaupt. Sobald ich wieder klar denken konnte, habe ich den Entschluss gefasst: Du musst aus diesem Ding raus!

»Ich habe hart dafür gekämpft!«
Nach fünf Monaten wurde Hans-Dieter Galuba aus dem EvK in die damals neu gegründete Tagesklinik entlassen. Zu Hause umsorgte ihn seine Familie. Ein Wunder konnten die vereinten Kräfte nicht bewirken. Der linke Arm und das linke Bein blieben taub. Doch mit viel Biss und professioneller Hilfe durch erstklassige Therapeuten trainierte er sich – Schritt für Schritt – das Gehen wieder an. »Vor 20 Jahren war es keineswegs selbstverständlich, dass Menschen nach einem Schlaganfall wieder aufstanden. Ich habe sehr hart dafür gearbeitet, jeden Tag gekämpft. Das war die größte Aufgabe meines Lebens!

Trost spenden, Luft holen
Heute unterstützt er andere Patienten auf ihrem mühseligen Weg zurück in den Alltag. Der kleine Kreis aus anfänglich vier Gruppenmitgliedern ist auf 30 Personen zwischen 50 und 90 Jahren angewachsen. Vom Maurer bis zum Studienrat – alle sind per Du. »Es kamen Betroffene zu uns, die standen weinend im Flur«, erinnert sich Doris Galuba. »Wir haben sie in den Arm genommen, getröstet und ihnen gezeigt: Ihr seid nicht allein. Das gilt natürlich auch für die Angehörigen!« Ihr Mann ergänzt: »Wir Kranken können Nervensägen sein. Deshalb ist es wichtig, dass die Angehörigen zwischendurch auch mal Luft holen und sich mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen austauschen können.«

Kegeln zu dritt
Für die Schlaganfallpatienten liefert das Gruppenprogramm darüber hinaus willkommene Anreize, sich aus der Sicherheit der eigenen vier Wände hinaus in die ›freie Wildbahn‹ zu wagen. Jeder Ausflug ist eine Art Therapie. »Wir haben Kegelabende veranstaltet, bei denen Menschen, die sonst im Rollstuhl sitzen, von je zwei Mitspielern gestützt wurden, um ihre Kugel werfen zu können«, lächelt Doris Galuba. »Das war ein Spaß – und ein unglaublicher Motivationsschub!«

»Jedes Jahr 0,8 Prozent Verbesserung«
Die Ärzte können Hans-Dieter Galuba nicht mehr helfen. Er gilt seit vielen Jahren als austherapiert. Trotzdem gibt der Castrop-Rauxeler nicht auf: »Mein persönliches Ziel: Jedes Jahr 0,8 Prozent Verbesserung!« Dieses Jahr hat er seinen Gehstock zur Seite gelegt. »Das olle Ding brauche ich nicht mehr. Da halte ich mich lieber an der Wand oder an meiner Frau fest.«

Schlaganfall-Selbsthilfegruppe
Im EvK Castrop-Rauxel / Cafeteria
Jeden zweiten Do., 15.30 Uhr
Weitere Informationen:
Hans-Dieter Galuba · Tel. info [at] stadtmag.de (subject: Telefonnummer%20Hans-Dieter%20Galuba%3F) (bitte anfragen (info [at] stadtmag.de))

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