Stadtmagazin Castrop-Rauxel: Sport und Freizeit

Beste Freunde

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Respekt, Vertrauen, Verstehen

Beschützer, Familienmitglied, Kuscheltier, Spielkamerad, hilfreicher Gefährte – es gibt kein anderes Tier, zu dem wir seit zigtausend Jahren eine derart innige Beziehung haben. Man kennt sich, weiß um Stärken und Schwächen, hat gelernt, miteinander umzugehen – sollte man zumindest meinen. Von wegen! Immer mehr Menschen beklagen sich darüber, dass Halter ihren Pudel, Schnauzer oder Labrador nicht im Griff haben. Doch auch die Herrchen selbst sind oftmals ratlos, weil das Miteinander mit dem vierbeinigen Kameraden alles andere als kameradschaftlich ist. »Fast immer können wir davon ausgehen, dass die Ursache dafür bei uns Hundebesitzern liegt«, sagt Hundetrainer Marcus Liedschulte. »Daher macht rund 80 Prozent meines Jobs die Arbeit mit den Menschen aus.«

Komm, geh weg!
Ein Großteil der Probleme liegt seiner Erfahrung nach darin begründet, dass viele meinen, ein Hund müsse einfach nur funktionieren und gehorchen. »Dabei sind sie Individuen mit ganz eigenen Bedürfnissen. Um diese Bedürfnisse zu erkennen, müssen wir andere Wege gehen.« Dies beginnt bereits beim richtigen Verstehen der Körpersprache. »Schwanzwedeln bedeutet nicht unbedingt Freude, es kann auch Ausdruck von Erregung oder von Angst sein. Umgekehrt ist ein Knurren nicht zwangsläufig mit Aggression oder Angriffslust gleichzusetzen, sondern bildet in manchen Fällen sogar ein Symptom für Unsicherheit, eventuell sogar eine Warnung. Hier muss genau hingeschaut und
-gehört werden: Ist das Fell gesträubt? Wie ist die Ohrhaltung? Wie laut, wie intensiv sind die Knurrlaute?«, erklärt Marcus Liedschulte. Doch nicht nur bei der Interpretation, auch bei den eigenen Körpersignalen machen Frauchen und Herrchen unwissentlich Fehler. Typisches Beispiel: Der Halter ruft seinen Hund zu sich und beugt sich als ›Begrüßung‹ über ihn. »Der Hund allerdings empfindet das als Bedrohung und interpretiert es als Anordnung zurückzuweichen. Für ihn sind es daher zwei völlig widersprüchliche Signale: ›Komm!‹ und ›Geh weg!‹. Wir dürfen uns dann nicht wundern, wenn er auf Dauer gar nicht mehr den Rufen folgt.«

Familienaufstellung
Solche Missverständnisse können gravierende Folgen haben. »In vielen Familien darf ein Hund das Kind nicht anknurren. Klingt einleuchtend, ist aber nicht unbedingt richtig«, weiß Marcus Liedschulte. »Wir alle wissen, dass ein Hund bei einem sehr jungen Familienmitglied an sich schon mehr ›durchgehen lässt‹ als bei Erwachsenen. Dennoch kann es vorkommen, dass sich das Tier durch das Kind eingeengt oder bedroht fühlt. Es zeigt dieses Unbehagen auch in kleinen Warn- und Beschwichtigungszeichen, die das Kind allerdings vielleicht nicht versteht oder kindgemäß ignoriert. Das Knurren ist nichts anderes als ein stärkeres Signal: ›Hör bitte damit auf!‹ Das heißt noch lange nicht, dass gleich zugebissen wird. Die Reaktion der Eltern sollte daher in solchen Fällen sein: ›Lass Pfiffi in Ruhe!‹ – optimalerweise auch mit Erklärungen, worauf die Kinder bei Hunden achten sollen. Zu kleine Kinder, die diese Informationen noch nicht verstehen können, sollten alternativ nicht mit dem Hund allein gelassen werden. Ihm das Knurren zu verbieten, ist allerdings keine Option. Es bedeutet lediglich, dass ihm untersagt wird, Irritation und Unbehagen zu kommunizieren. Irgendwann hört er auf zu knurren, er verlernt also, vorherige Warnsignale abzugeben, und wehrt sich eines Tages – ohne Vorwarnung – vehementer, teils mit fatalen Folgen.«

Was will ich für einen Hund?
Nun sind Sprache, Verständnis und Reaktion das eine, die wesentliche Voraussetzung für eine funktionierende Beziehung zwischen Vier- und Zweibeiner aber ist, dass sie grundsätzlich vom Wesen her zueinander passen. Marcus Liedschulte: »Sie sollten sich im Vorfeld genau überlegen: Was will ich für einen Hund? Wie groß, wie aktiv, wie temperamentvoll sollte er sein? Kann ich ihn artgerecht beschäftigen? Jede Rasse bringt besondere Eigenschaften mit wie Jagd- oder Hütetrieb, die sich nun mal nicht abtrainieren lassen. Daneben gibt es Arten, die eine erfahrene Hand benötigen und sich für einen Neuling in Sachen Hundehaltung definitiv nicht eignen. Von daher dürfen Sie bei der Auswahl Ihres zukünftigen Begleiters auf keinen Fall Ihr Hirn ausschalten, egal wie drollig der Kleine gerade guckt. Und Sie sollten ihn nicht vom ›Wühltisch‹ kaufen, eventuell sogar noch eine Billigzüchtung aus Nachbarländern erwerben. Leider gibt es viele ›schwarze Schafe‹, die auf Kosten der Tiere den schnellen Euro suchen. Doch auch bei anscheinend seriösen Züchtern kommen Qualzuchten vor, zum Beispiel Möpse die kaum Luft bekommen, Shar-Peis mit ihrer zu chronischen Entzündungen führenden extremen Hautfaltenbildung, Bluthunde und Bassetts mit ihren herunterhängenden Augenliedern usw. Die Liste lässt sich leider fortsetzen.«

Vertrauen schaffen
Aber auch der Secondhand-Hund, womöglich noch aus dem Ausland wie zum Beispiel Rumänien, ist nicht unbedingt eine Alternative. »Zumindest dann nicht, wenn Sie keine Informationen zu seiner Vorgeschichte haben. Vor allem als ›Anfänger‹ sind Sie da schnell überfordert. Sie sollten sich hier unbedingt beraten lassen. Ganz wesentlich: Sie müssen außerordentlich viel Geduld mitbringen und ihn sehr behutsam sozialisieren. Wichtig ist es, zu ­sehen, ob und wann der Hund Stress empfindet. Dass Sie ihn nicht in angstauslösende Situationen bringen, sondern ihn peu à peu mit seinem neuen Umfeld vertraut machen: mit der Familie, mit der Stadt und dem Verkehr. Andernfalls ist der Gute schneller weg, als Sie gucken können. Mittlerweile leben in unseren Wäldern mehr rumänische Hunde als Wölfe.«

Angie – Liebe auf den ersten Blick
Marcus Liedschulte besitzt ebenfalls einen solchen Secondhand-Hund, wenn auch nicht aus dem Ausland, sondern aus der näheren Umgebung. »Als vor einigen Jahren mein alter Hund starb, wollte ich eigentlich so schnell keinen neuen, keinen Ersatz haben. Bis ich eines Morgens in der Zeitung diesen Rottweiler auf der Suche nach einem neuen Zuhause sah. Ein Blick auf das Foto, und es war klar: Dich nehme ich zu mir. Allerdings habe ich dann auch schnell gemerkt, dass Angie ordentlich was hinter sich hatte und ihre ersten dreieinhalb Jahre regelmäßig geschlagen wurde. Mir war sofort klar, dass ich jeden Fehler vermeiden muss, und habe mich auf die Suche nach kompetenter Unterstützung begeben. So habe kam ich zu ›Best Friends‹ in Bochum, eine gewaltfreie Hundeschule, die wirklich großartig arbeitet. Mittlerweile gehöre ich selbst zum ›Best Friends‹-Team – eine Arbeit, in der ich aufgehe und die mir sehr wichtig ist.«

Hundeführerschein
Sein Wunsch: »In anderen Ländern, wie zum Beispiel der Schweiz, aber auch in Niedersachsen muss jeder, der sich einen Hund neu anschafft, einen Hundeführerschein machen. Das fände ich für uns in NRW ebenfalls gut und wichtig. Heute weiß man, dass Hunde nicht anders lernen als wir Menschen, also mit positiver Verstärkung statt mit Druck und Strafe. Wenn jeder erfährt und begreift, wie vernünftig mit einem Hund umgegangen werden muss, könnte auf die Einteilung in ­gefährliche und ungefährlichere Hunderassen durchaus verzichtet werden so wie in Schleswig-Holstein. Hier tritt ab 2016 ein neues Hundegesetz ohne Rasseliste in Kraft.« Sein Tipp: »Lassen Sie sich noch vor dem Hundekauf beraten. Bei ›Best Friends‹ erhalten Sie für 26 Euro in einem ausführlichen Gespräch wichtige Informationen und Tipps für die Auswahl Ihres zukünftigen ›besten Freundes‹. Eine Investition, die sich für alle Beteiligten – Hund wie Herrchen – auf jeden Fall lohnt.«

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