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Karl Garbe vor ein paar Tagen – oder waren es Wochen, Monate, Jahre ???

Begegnung mit einem Schriftsteller
Karl Garbe Teil II

In der letzten Ausgabe versprachen wir Ihnen ein paar Sätze zum Autor und seinem Werdegang, geschrieben von Rolf D. Meissner (Meissner Verlag):

»Wir vom Jahrgang 27 sollten mehr zusammenarbeiten«, schrieb Günter Grass vor etlichen Jahren ins »Soldbuch«. Karl Garbe, der Verfasser jenes Romans, hat sich daran gehalten. Er steht mit vielen 27ern auf gutem Fuße: So mit dem SPD-Politiker Prof. Horst Ehmke, der nach eigenem Bekunden »immer an Garbe denkt« – so auch wenn er Kriminalromane schreibt, mit Reinhard Appel, dem ehemaligen Chefredakteur des ZDF, oder mit Hans Dietrich Genscher, Außenminister a.D., neben dem Garbe ein Dutzend Jahre in den Gremien der Mainzelmänner auf Tuchfühlung saß. Die Einsicht, dass die Macht nicht zum Schlafen da ist, gewann der Autor dieses Buches nicht zuletzt als Insider der Bonner Bannmeile. Anfang der 60er Jahre, als die Presse ihn als Chefpropagandisten der SPD bezeichnete, galt er im SPD-Hauptquartier als Intimus sowohl von Willy Brandt als auch von Herbert Wehner, der ihm eigenhändig die Rezensionen des ›Soldbuchs‹ mit der Schere ausschnitt und frohgemut präsentierte. Garbe hatte Wehner in der SPD als ›Onkel Herbert‹ vermarktet und damals den berühmten ›Genossen-Trend‹ aus der Taufe gehoben. Seine Talente schaukelten zwischen Literatur und Politik, und so saß er schließlich mit zwei satirischen Wahlfibeln zwischen den Stühlen. Denn die Posse wurde zum Skandal aufgebauscht, und noch heute zitieren Freund und Feind jenen Zweizeiler, der am meisten Furore machte: ›Vor Kaiserslautern sieht man in Getreidestiegen die weißen Wählerinnen mit den Schwarzen liegen.‹ Solche Töne passten den Federführern der Bundespressekonferenz gut in den Kram. Sie versicherten sich schon früh der Fähigkeit Garbes, mit Tinte und Worten aus der Hüfte schießen zu können. [...]
Günter Gaus, namhafter Journalist vor seiner Diplomaten-Karriere, hatte sich seinerzeit in der Süddeutschen Zeitung ein Buch gewünscht »von diesem beobachtungsstarken Verfasser: über das Bonn etwa, zu dessen Funktionären er gehört.« [...] »Die Macht ist nicht zum Schlafen da« bot mit ihren Rubriken die satirische Infrastruktur der Republik. Dabei wird deutlich, dass der Verfasser alle relevanten Kräfte von links bis rechts quasi nach dem Prinzip der Ausgewogenheit auf die Schippe nimmt. [...]
Dass seine Ratschläge vielerorts gefragt waren – von Infas über Firmen, der Film- und Fernsehbranche bis zum Berliner Senat beispielsweise –, davon zeugt auch sein unentgeltliches Engagement bei der Deutschen Welthungerhilfe, der er als Mann der ersten Stunde zu medialer Resonanz verhalf.
All diese Stationen boten für den Literaten Karl Garbe ›Anschauungsmaterial‹ in Hülle und Fülle, aus dem er augenzwinkernd seine Sprüche zapfte. Die finden auch ganz oben Anklang.
So befand der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner offiziellen Begründung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Karl Garbe (1994): »Herr Garbe hat als langjähriger Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der SPD, als Journalist und Publizist mit großem Engagement in einer Vielzahl von Veröffentlichungen dazu beigetragen, dass sich demokratisches Bewusstsein und die Fähigkeit zum fairen politischen Miteinander in der Bevölkerung der Bundesrepublik verankert haben. In seinen Büchern und Aphorismen zeigt er sich als ein sensibler wie geistreicher Beobachter des Menschlich-Allzumenschlichen in Politik und Medien. Herr Garbe ist ein Meister des Wortspiels mit reicher Detailkenntnis und wacher Ironie, mit einem feinen Humor, der nicht verletzen will. Er kennt die menschlichen Schwächen und zeigt sie auf, ohne bloßzustellen. Die von ihm redigierten Bonner Magazine haben große Beachtung gefunden.«

...und als Leckerbissen jetzt noch ein paar »Delikatessen« aus Karl Garbes Spruchbude – Tausend Aphorismen mit Senf –

Haufenwolken sind die Kissen der Himmelbetten

Eine dicke Freundschaft sollte man nicht auf Diät setzen.

Die Summe aller Rückschritte nennt man Fortschritt.

Gewichtige Ideale sind wichtiger als das Idealgewicht.

In der Politik dominieren statt der Feinschmecker die Ausgekochten.

Mit Liegenschaften erhöht sich das Stehvermögen.

Um den Steuerzahlern die Rosinen aus dem Kopf zu holen, werden vom Fiskus Korinthenkacker eingesetzt.

Etwas Gewissen steht einem Politiker besser als das gewisse Etwas.

Heavy Metal auf Berlinerisch heißt: Nachtigall, ick hör dir trapsen ...

Artikel von S. 63 in Ausgabe 41 (01.2006)

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