WISSENSWERTES

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Prof. Dr. rer. nat. Günter Ewald, geb. 1929 in Hessen, verh., 5 Kinder, Studium der Mathematik, Physik, Chemie und Philosophie. Promotion Mathematik, Stipendiat der Dt. Fördergemeinschaft, Assistant Professor Michigan University und University of Southern California, 1964–1994 Professor der Ruhr-Universität, Lehrstuhl für Mathematik, Gastvorlesungen Universitäten Kabul, Rom, Santiago, Valparaiso, Vancouver, Zürich. 1973–1975 Rektor der Ruhr-Universität. 1975–1989 Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages; 1975–1995 Mitglied im Kuratorium der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen

Nahtod-Erfahrungen

Unser Leben auf diesem Planeten ist endlich, nicht unendlich. Das wissen wir alle, auch wenn wir uns nicht immer so verhalten. Allenfalls stellen wir noch Überlegungen hinsichtlich unserer Beerdigung an. Doch was passiert mit uns, wenn wir gestorben sind? Alles aus, vorbei, passé? Das war’s und damit basta? Wo bleibt der Sinn? Leben für ein paar Jahre, danach schwarzes Loch? Auch wenn wir sagen, wir leben in unseren Nachkommen weiter, fehlt die Logik. Wozu also das ganze Theater, was sich teils als Drama, teils als Lustspiel oder auch als Tragikkomödie mit unterschiedlicher Ausdehnung der Akte in Szene setzt?

So liegt es in der Natur der Sache, dass wir neugierig sind und den Vorhang gern ein Stück zur Seite schieben würden. Uns bleiben die Aussagen von Menschen, die kurz ,tot‘ waren, aber wieder reanimiert wurden, Menschen die Nahtod-Erfahrungen gemacht haben und von Nahtod-Erlebnissen berichten können. Viele Bücher wurden inzwischen darüber geschrieben*, die alle den gleichen oder ähnlichen Tenor haben: Mit dem Tod tritt die Seele / der Geist aus dem Körper, Gespräche und Handlungen der Um-stehenden können wahrgenommen und auch (nach der Wiederbelebung) dokumentiert werden, während die Lebenden sich um den ,toten‘ Körper bemühen. Dann geht es durch einen Tunnel in ein bezaubernd strahlendes Licht. Oft gibt es Begegnungen mit früher Verstorbenen und/oder einem über alle Maßen liebevollen Lichtwesen, das gelebte Leben läuft in einem von Zeit und Raum unabhängigen Raster ab, vor allem geprägt von Empfindungen und Emotionen, die wir mit unseren Taten ausgelöst haben.

Ein Paradies? Viele, die diese Erfahrungen gemacht haben, sind nur ungern wieder in das derzeit für uns reale Leben eingetreten, oft haben sie sich bzw. ihre Ansichten und Gewichtungen dadurch verändert und die Angst vor dem Sterben verloren. In den allermeisten Fällen werden diese ,Blicke über den Tellerrand‘ als sehr positiv bewertet.

Was sagt die Wissenschaft dazu? Auch wenn es schon viele Untersuchungen gab, stehen wir noch in den Anfängen. Die Meinungen gehen weit auseinander und reichen von „Im Augenblick des Todes werden Endorphine (Glückshormone) ausgeschüttet, die diese ,Halluzinationen‘ hervorrufen.“ bis zu „Tatsache ist, dass wir nach dem physischen Tod in eine andere Welt eintreten, dafür gibt es genug Fallbeispiele von Menschen aus allen Erdteilen, allen Bevölkerungsschichten und aller Religionen.“

In England findet derzeit eine groß angelegte Studie in vielen Krankenhäusern des Landes statt, die statistisch greifbare Aussagen belegen soll.

Vor ein paar Wochen hat Dr. Günter Ewald, Bochum, emeritierter Professor für Mathematik in der Martin-Luther-Kirche in Witten einen Vortrag über Nahtod-Erfahrungen gehalten mit dem Untertitel ,Irrlichter im Kopf oder Einblicke ins Jenseits?‘

Schon während seines Studiums hat sich Günter Ewald mit der Frage nach dem ,Weiterleben nach dem Tod‘ auseinander gesetzt. Seit 1998 hat er die diesbezüglichen Studien intensiviert, mit sehr vielen ,betroffenen‘ Menschen gesprochen und drei Bücher darüber geschrieben.

Warum interessiert es nur einen relativ kleinen Kreis, was mit uns nach unserem Tod passiert? Schließlich räumen wir den wenigen Jahren, die wir hier auf Erden sind – egal ob 30, 50, 80 oder mehr, angesichts der Ewigkeit eher lächerlich – einen so großen Stellenwert ein.

Dr. Günter Ewald dazu: „Mit der Annahme um ein Weiterleben nach dem Tod – in welcher Form auch immer – ist das naturalistische Menschenbild bedroht. Eine Parallelwelt zu akzeptieren, ohne dass jetzt in diesem Leben unsere Sinne dafür ausgerichtet sind, ist sicher auch nicht einfach. Doch genau wie Röntgenbilder das sichtbar machen, wozu unsere Augen nicht fähig sind, existiert sehr viel zwischen Himmel und Erde, was sich unserer Wahrnehmungsfähigkeit entzieht. Unsere Welt ist nur Teil einer umfassenderen Welt. Paranormale Phänomene sind viel dokumentiert, werden jedoch leider oft missbraucht. Abgeschirmt von den Augen der Öffentlichkeit gibt es dahingehend aber umfassende Forschungen.“

Dr. Günter Ewald ist davon überzeugt, dass der Materialismus nicht die Oberhand behalten wird. Zwar hat sich seit dem 18. Jahrhundert das Bild ,Maschine Mensch‘ durchgesetzt, doch, auch wenn es Abweichler noch schwer haben – die Gruppe derjenigen, die auch nicht greifbare Existenzen akzeptiert, wächst.

Warum haben nicht alle Komapatienten ein Nahtoderlebnis?
„Nicht jeder ist dafür sensibilisiert und prädestiniert,“ weiß Dr. Ewald. „Ge-nauso wie es Menschen gibt, die hochmusikalisch sind und das absolute Gehör haben, sind andere eher begabt, außersinnliche Wahrnehmungen erleben zu können. Unsere Talente und Begabungen sind weit gefächert.“

*Buchempfehlungen
Raymond Moody, Leben nach dem Tod, Rowohlt
Günter Ewald, An der Schwelle zum Jenseits, Grünewald

Artikel von S. 41 in Ausgabe 36 (04.2005)

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