IN DER STADT

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Schützen und Erhalten
Gedanken zum Denkmalschutz

Auf Spaziergängen stößt man immer wieder einmal auf ein kleines Schildchen mit dem nordrhein-westfälischen Wappen und der Aufschrift ,Denkmal‘, angebracht an mehr oder weniger interessanten Häusern, Gebäuden, Wohnsiedlungen oder Kirchen. Und sicherlich ist der eine oder andere verwundert, warum nun gerade hier ein besonderes Denkmal sein soll.

Was ist eigentlich ein Denkmal? Wer schützt es, und wer ist dafür verantwortlich? Über diese und viele andere Fragen im Zusammenhang mit dem Denkmalschutz und der Denkmalpflege unterhielt ich mich mit dem zuständigen Denkmalpfleger der Stadt Witten, Herrn Dipl.-Ing. Martin Jakel. Dabei interessierte mich zunächst, wie man überhaupt Denkmalpfleger oder Denkmalschützer wird. Herr Jakel, der übrigens in Achern (Baden-Württemberg) aufgewachsen ist, studierte Raumplanung mit Schwerpunkt Städteplanung und schrieb seine Diplomarbeit über die Probleme der städtebaulichen Denkmalpflege. In diesem Zusammenhang musste er sich auch mit Fragen der Architektur, der Bautechnik, Archäologie und Kunstgeschichte beschäftigen. Nach dem Abschluss seines Studiums nahm er im Jahre 1976 die Stelle für Denkmalpflege in Witten an. Zu der Zeit gab es übrigens noch kein festes Denkmalschutzgesetz. Dies wurde erst 1980 in Nordrhein-Westfalen als Rechtsgrundlage etabliert. Was sind nun Denkmale? Denkmale sind historische Gebäude, archäologische Stätten, die vom Leben und Schaffen unserer Vorfahren zeugen. Fachwerkhäuser, Dorfkirchen, stattliche Bauernhäuser, Kirchen, Pfarrhäuser, Villen, daneben aber auch große Anlagen aus der Zeit der beginnenden Industrialisierung wie die Zeche Nachtigall oder Zeche Theresia sowie das gesamte Muttental. Immer aber Gebäude, an deren Erhaltung ein öffentliches Interesse besteht. Öffentliches Interesse an der Erhaltung entsteht immer dann, wenn ein künstlerischer, wissenschaftlicher, volkskundlicher oder auch städtebaulicher Grund vorliegt und dies gleichzeitig eine Bedeutung für die Entwicklung und Geschichte der Menschen, der Städte und Siedlungen hat. Denn solche Kulturdenkmäler berichten uns in direkter oder indirekter Weise vom Alltag unserer Vorfahren, von deren Wirtschaften und Schaffen. Sie legen Zeugnis der Vergangenheit ab. Zeugnis einer Kultur, mit der wir uns heute identifizieren. Kulturdenkmäler sind also gleichsam ein Stück Heimatgeschichte.

Warum benötigen wir denn einen Denkmalschutz und die Denkmalpflege? Weil uns historische Zeugnisse, wenn sie zerstört werden, unwiderruflich verloren gehen. Denn mit jedem zerstörten Denkmal geht auch ein Zeugnis der Herkunft und der Ent- wicklung unserer Stadt verloren. Kulturdenkmale sind also identifikationsstiftende Bestandteile unserer Vergangenheit. In Witten gibt es über 250 eingetragene Denkmäler. Die Entscheidung, ob etwas zum Denkmal ,erhoben‘ wird und warum es unter Schutz gestellt werden soll, kann zum einen der Eigentümer, der ein solches Denkmal besitzt, beantragen, zum anderen die Stadt Witten selbst, als so genannte untere Denkmalbehörde, und das westfälische Amt für Denkmalpflege mit Sitz in Münster. Man muss unterscheiden zwischen Denkmalschutz und Denkmalpflege. Der Denkmalschutz ist ein ordnungsbehördlicher Auftrag, während die Denkmalpflege eine freiwillige Angelegenheit ist. In jedem Fall handelt es sich um kulturelle Aufgaben. Denkmalschutz ist also kein privates, sondern ein öffentliches Interesse. So kann beispielsweise ein Eigentümer sein besonderes Haus für ein Denkmal halten, dies aber nach der Ablehnung der Denkmalbehörde nicht einklagen. Andererseits ist eines der wesentlichen Hauptaufgaben des Denkmalpflegers, Eigentümer auf die Besonderheit ihrer Häuser und damit auf die Qualität der Gebäude bzw. der Architektur hinzuweisen. Für den jeweiligen Eigentümer bedeutet das, dass er Renovierungen oder bauliche Veränderungen nur in Übereinstimmung und Absprache mit dem Denkmalschutz vornehmen kann. Dies ist nicht immer leicht zu vermitteln, denn die Zuschüsse, die gewährleistet werden sollten, sind in Tagen der knappen Kassen sicherlich eher geringer. Andererseits muss man aber auch wissen, dass nicht alles zu retten ist, was unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Häufig ist dies ein finanzielles Problem. Die Grenzen liegen aber auch bei der modernen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Entwicklung. Auch der Denkmalschutz ist eingebunden in diese allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen. Er nimmt zwar einen hohen Stellenwert in öffentlichen Belangen sein, aber darüber hinaus kann es vorkommen, dass er zurückstehen muss gegenüber anderen wichtigen öffentlichen Belangen einer Stadt. Denkmale sind nicht nur als musealer Erhalt zu sehen, sondern beinhalten immer auch, dass eine weitere Nutzung gewährleistet wird. So kann durchaus ein unter Denkmal stehendes und so geschütztes Haus bzgl. seiner Fassade und äußeren Form erhalten bleiben, die innere Struktur aber auf modernen Standard gebracht werden. (Lupuss)









Die alte Unternehmervilla Ruhrtal, Ruhrtal 5
• Leitung: Architekten Kestner + Lehmann
• Stuckhaus Bröker

Denkmalschutz und Denkmalpflege in Witten

Villa Ruhrtal in Herbede
Ruhrtal 5

Die dreigeschossige, repräsentative Unternehmervilla Ruhrtal 5 in Herbede gehört sicher zu den schönsten Gebäuden, die in Witten zu finden sind. Sie wurde um 1895 im Stil des Historismus in Formen der Neorenaissance errichtet. Das Gebäude verfügt über ein schiefergedecktes Mansarddach, die Fassade zeigt straßenseitig Putzschnitt. Gesimse gliedern den Baukörper horizontal, während der Mittelrisalit mit dem Hauseingang die Vertikale betont.

Im Innern zeigt das Treppenhaus reich ausgestaltete Mosaikfußböden, bunte Deckenbemalungen sowie ein großes Rundbogenfenster mit Glasmalerei.

Bauherr war der Unternehmer Fritz Brinkmann, der die Ruhrtaler Brauerei auf dem gegenüberliegenden Grundstück Ruhrtal 7 betrieb. 1920 musste die Brauerei eingestellt werden.

Heute wird das Gebäude durch eine Dienstleistungsfirma und durch Wohnungen genutzt.

Die Innenräume wurden vor einiger Zeit nach denkmalpflegerischen Ge-sichtspunkten restauriert.

Martin Jakel








Das Helenenstift
• Leitung Plankollektiv Architekturbüro
• Rohbau Dirk Reinisch
• Stuckhaus Bröker
• Frigge Bau GmbH (sehr stark im Denkmalbau engagiert)

Helenenstift
Vormholzer Straße 42

Der zweigeschossige Klinkerbau mit differenzierter Baukörpergestaltung im Stil des Historismus wurde 1904 erbaut. Die Gestaltung des Giebels orientiert sich an den Formen deutscher Renaissance, während die spitz zulaufenden Fensterformen an die englische Tudorgotik erinnern. Der Architekt war Friedrich Däche, einer der bedeutendsten Architekten Wittens um die Jahrhundertwende.

Der Schriftzug ,Helenenstift‘ auf dem Putzschild am Giebel zeugt davon, dass das Gebäude der evangelischen Kirchengemeinde vom Brauereibesitzer Brinkmann aus Herbede zu Ehren seiner Frau Helene gestiftet wurde.

Die Kirchengemeinde nutzte das Gebäude als Gemeindehaus bis 1981, danach diente es dem Wohnen und wurde vor einiger Zeit durchgreifend renoviert. An das alte Gebäude wurde in moderner Bauweise ein Wohntrakt angefügt, durchaus ein gangbarer Weg zur Erweiterung von Denkmälern.

Martin Jakel








Zeche Theresia
• Leitung bap – büro für architektur und planung Hetschold-Sunder
• Estrichlegermeisterbetrieb Karl-Heinz Hense
• Bedachungsgeschäft Adler & Steveling GmbH
• Fliesenfachgeschäft Franz-Josef Schlott GmbH & Co.KG
• Schüler Bau
Zeche Theresia
Nachtigallstraße 27–33

Die alte Zechenanlage Theresia liegt unterhalb von Schloss Steinhausen in Bommern.

Die Arbeitsgemeinschaft Muttenthalbahn e.V. hat gemeinsam mit der Stadt Witten und dem Land Nordrhein-Westfalen vor einiger Zeit die alten Zechengebäude vor dem Verfall gerettet und in ein Museum für Feld- und Grubenbahnen umgestaltet. Viele mittelständische Firmen kamen zum Einsatz.

Die Zechengebäude sind bedeutend für die Darstellung der Wirtschaftsgeschichte und der Baugeschichte Wittens. Hier lässt sich der frühe Stollenbergbau dokumentieren, der im 19. Jh. nicht mehr lebensfähig war und den Zusammenschluss anstrebte, um den Übergang zum Tiefbau zu ermöglichen. Dieser sollte für die Industrieentwicklung des Ruhrgebietes von ausschlaggebender Bedeutung werden. Die Zechengebäude sind typische Beispiele für Betriebsbauten der frühen Industrialisierungsphase des Reviers. In der Baugruppe sind alle Typen vom Fachwerkbau des 18. Jh. über den Bruchsteinbau und den klassizistischen Sandsteinbau des frühen 19. Jh. bis zum Ziegelbau des späten 19. Jh. vertreten. Zeche Theresia bildet somit einen wesentlichen Bestandteil der industriehistorischen Landschaft des mittleren Ruhrtales.

Das Gruben- und Feldbahnmuseum ist für viele Familien ein beliebtes Ausflugsziel, da gerade die Kinder gerne mit den historischen Lorenbahnen mitfahren.

Martin Jakel

Artikel von S. 23 in Ausgabe 32 (07.2004)

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