KULTUR

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Detlef Wildraut, 65, Färöer-Experte







Homepage des Deutsch-Färöischen-Freundeskreises (DFF):

http://www.faeroeer.de

Detlef Wildraut:
Vom Berufschulpfarrer zum Färöer-Experten

Was wissen Sie über die Färöer-Inseln? Vermutlich wenig. Ja, da war doch dieses Fußball-Länderspiel im vergangenen Herbst, dieser schmeichelhafte 2:1-Sieg in Hannover. Aber sonst? Wir haben uns mit einem Wittener getroffen, der mit der Inselgruppe im Nordatlantik bestens vertraut ist: Detlef Wildraut ist Vorsitzender des ,Deutsch-Färöischen Freundeskreises` (DFF).

"Mein Interesse für die Färöer wurde rein zufällig geweckt", erzählt uns der pensionierte Berufschulpfarrer. Noch vor 15 Jahren wusste er über die Inselgruppe herzlich wenig. Bei der Suche nach einem interessanten Urlaubsziel für den Sommer 1988 fiel ihm dann ein Prospekt des dänischen Fremdenverkehrsamtes in die Hände - mit Farbbildern der Inselgruppe. "Ein faszinierendes und ausgefallenes Reiseziel, das hat mich spontan interessiert", erzählt uns Detlef Wildraut. Im Juli 1988 flog der Wittener erstmals auf die Färöer. Gleich am ersten Tag lernte er in der Touristeninformation der Hauptstadt Torshavn einen anderen deutschen Touristen kennen, der mit dem Auto auf dem Fährweg angereist war: Klaus Brückerhoff aus Velbert. "In den folgenden Tagen war er mein Chauffeur und ich sein Dolmetscher", erinnert sich Herr Wildraut schmunzelnd. Färöisch sprach er damals zwar noch nicht, dafür aber Dänisch, was auf der Inselgruppe gut verstanden wird. Nach 14 erlebnisreichen Tagen reiste er zurück nach Witten. Das Kapitel Färöer schien abgeschlossen zu sein.

Doch kurz darauf flatterte ihm von seinem ,Urlaubs-Chauffeur` eine Einladung zur ,Gründung eines deutsch-färöischen Freundeskreises` ins Haus. Detlef Wildraut dazu: "Eigentlich hatte ich keine Lust, doch ich fühlte mich ihm gegenüber verpflichtet, und so bin ich am 25. Oktober 1988 zu dieser Veranstaltung nach Düsseldorf gefahren". Entgegen seiner ursprünglichen Absicht trat er dem Freundeskreis bei, als eines von 33 Mitgliedern. "Auf keinen Fall wollte ich irgendein Amt in diesem Verein übernehmen." Doch das Interesse des Witteners an der Arbeit des Freundeskreises und den Färöern wuchs. 1992 ließ er sich zum Schriftführer wählen, seit 1997 ist er Vorsitzender des DFF. Achtmal hat er die Inseln inzwischen bereist und dabei zahlreiche Kontakte vor Ort geknüpft. Zu den inzwischen 160 Vereinsmitgliedern zählen auch etwa 20 Färinger.

Der Freundeskreis hat sich zum Ziel gesetzt, die kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Färöern und Deutschland zu fördern. Vor allem sollen die Färöer in Deutschland bekannter gemacht werden. Da in den deutschen Medien nur selten über die Inselgruppe berichtet wird, kommt der Vereinszeitschrift TJALDUR (Austernfischer), die zweimal pro Jahr erscheint, eine große Bedeutung zu. Das einstige Mitteilungsheftchen hat sich im Laufe der Jahre trotz begrenzter Mittel zu einer professionellen Zeitschrift entwickelt, die unter anderem in den Universitätsbibliotheken in Kiel, Berlin, Kopenhagen, Reykjavík und Torshavn einsteht. Die aktuelle Ausgabe hat einen Umfang von 142 Seiten. Für die Zeitschrift übersetzt der Vorsitzende neben färöischer Literatur Meldungen aus einer färöischen Tageszeitung, die er sich per Luftpost zuschicken lässt.

Auch kulturelle Begegnungen sind Detlef Wildraut wichtig. 1993 besuchte er den heute bedeutendsten Schriftsteller der Färöer, Jens-Pauli Heinesen, der dann Ehrenmitglied des Freundeskreises wurde. 2002 brachte der Verein Heinesens Buch ,Ein Kind hier auf Erden` in Zusammenarbeit mit einem kleinen Essener Verlag in deutscher Übersetzung heraus.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die Kontakte zu färöischen Deutschlehrern. Deutsch ist nach Englisch und Dänisch die dritte Fremdsprache in färöischen Schulen. Der Verein berät färöische Lehrer bei der Erstellung von Lehrmitteln für den Deutschunterricht. Im Frühjahr 1998 nahm Detlef Wildraut gemeinsam mit zwei weiteren Vereinsmitgliedern als Gastdozent an einer Fortbildung für Deutschlehrer in Torshavn teil. Bereits seit 1995 reist alle zwei Jahre eine kleine Gruppe färöischer Deutsch-Studenten für jeweils zwei Wochen nach Deutschland - mit Unterstützung des Freundeskreises, der private Unterkünfte und Ausflüge organisiert.

Im vergangenen Herbst bescherte die Vereinsarbeit dem Vorsitzenden ein ganz besonderes Erlebnis: Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Partei der Färöer hatte am Tag der Bundestagswahl ein Telegramm an Gerhard Schröder geschickt. Im Kanzleramt konnte man mit dem färöischen Text offenbar nichts anfangen und sandte es zwecks Übersetzung an die färöische Honorarkonsulin für die Bundesrepublik Deutschland - die Detlef Wildraut persönlich kennt. "Sie spricht nicht perfekt Deutsch, und so landete der Text schließlich bei mir. Ich habe ihn dann ins Deutsche übersetzt und ihr zurückgeschickt."

Für den Pensionär Detlef Wildraut ist die ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzender längst zu einem Fulltime-Job geworden: Kontaktpflege, die Arbeit für den TJALDUR, Färöer-Reisen, dazu die Beantwortung zahlreicher Anfragen von Färöer-Interessenten. Die Folge: "Wenn ich heute auf die Färöer reise", verrät uns der 65-Jährige, "dann fühle ich mich dort nicht als Tourist, sondern fast schon ein bisschen zu Hause." dw unbestritten, die Haltbarkeit nahezu unbegrenzt. Um etwas zu zerstören, muss schon rohe Gewalt eingesetzt werden. Zudem bieten wir bei einem überzeugenden Produkt ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis."

Artikel von S. 60 in Ausgabe 23 (02.2003)

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