IN DER STADT

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mitte: Haus Vogelsang
unten: Mahlenburg 1920






Quellen:
Auskünfte Dorfarchiv Ahsen,
Friedhelm Ast, Georg Mosel
Ortschronik der Landgemeinde Ahsen
BZR Münster, Geschichte der Stadt Datteln

Dorfgeschichte am Lippeufer

Da die Römer einst entlang der Lippe in die Wälder der Germania Magna vordrangen, darf man annehmen, dass sie auch Ahsener Gebiet durchstreiften. Es geht die Mär, dass sie es waren, die erstmalig eine Befestigungsanlage, namentlich einen Vorläuferbau der Mahlenburg, errichteten. Doch gesichert ist erst eine urkundliche Erwähnung des Ortes im Jahre 1191 im Zusammenhang mit dem Verkauf der Villa Erkenswick an das Kloster Flaesheim.

Gerne spricht man davon, dass es einst ›Freiheit Ahsen‹ geheißen habe. Älter als die Burganlagen dürften jedoch die Hofstellen Schulte-Ahsen und Niederahusen sein. Schultenhöfe sind in der Region zumeist aus den Hauptsitzen der Sippen hervorgegangen, wurden zu Zeiten Karls des Großen als tributpflichtige Sammelstellen festgelegt. Das ›Aa-Husen‹, das Haus am Wasser, wurde womöglich später zur Sicherung des Lippeübergangs, bis 1815 auch Grenze, errichtet. Für 1284 sind Kämpfe in den Lippewiesen verbrieft, eine Grenzfehde zwischen dem kurkölnischen Vest und der Grafschaft Mark, in deren Verlauf die Burg offenbar geschliffen wurde. Wo genau der feste Bau stand, Sitz von Ministerialen des Kölner Erzbischofs, ist nicht überliefert. Das Dorf jedoch dürfte sich in seinem Schatten entwickelt haben.
Der Hof Niederahusen diente wohl der Versorgung, denn mit dem Niedergang von Haus Ahsen fielen er und die Bauernschaft Ostlevern an Haus Vogelsang, nur unweit gelegen. Dieses zweite Haus am Platze übernahm nun die Aufgaben der Schutzburg. Sein Name geht zurück auf die Begriffe ful (faul) und sang (sengen), wurde demnach auf einer sumpfigen (Brand-)Rodung errichtet.
Die Mahlenburg in den Wäldern südlich der Lippe ist erstmals 1342 verbrieft. Sie geht zurück auf die Brüder Morrian, genannt Maleman. Unterschiedlichste Schreibungen des Namens durchziehen die Chroniken. Der letzte Bau stammte aus dem Jahre 1617 und wurde 1692 vom Deutschen Ritterorden als Pensionsbereich erworben. Ende des 19. Jahrhunderts stand er im Besitz des Herzogs von Arenberg, war bis zuletzt verpachtet. 1973 wurde die Anlage niedergerissen, erst 11 Jahre später aus Arenbergschem Familienbesitz veräußert.
1374 ist der Name ›Im Vogelsang‹ erstmals urkundlich belegt. Als Nebensitz blieb die Burg bis Ende der 80er Jahre in der Erbfolge des Adels, zuletzt der Freiherrn von Twickel. Ihr Hauptgebäude, die mittelalterliche Burganlage auf der Gräfteninsel, war unbequem und entbehrlich, nachdem die Schrecken des 30-jährigen Krieges ein Ende hatten. Ihre Steine finden sich heute in den Fundamenten des barocken Wohnhauses wieder.
Seit 1612 bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatte der Hof Schulte-Ahsen seine Abgaben an den domkapitularischen Hof Körne zu leisten. Damals war es durchaus üblich, solche Pfründen zu verpfänden oder einzutauschen. Auch zuvor scheinen seine Tributpflichten weder Haus Ahsen noch Haus Vogelsang gegolten zu haben.
Durch hessische Truppen 1633 und erneut durch eine Feuersbrunst im Jahre 1720 wurde das ganze Dorf mitsamt der Kirche in Schutt und Asche gelegt. Die 1738 eingeweihte Kirche verdankt ihr ursprüngliches Langhaus dem großen Münsterländer Baumeister Johann Conrad Schlaun. Dem ursprünglichen Erscheinungsbild trauern noch viele Ahsener nach, denn Anfang der 70er Jahre wurde der Sakralbau, damals noch ohne Denkmalschutz, umgebaut und erweitert.
Auf das Jahr 1730 geht auch die Bürgerschützengilde Ahsen zurück. 1758 mussten sie sich wohl der Belagerung durch französische Truppen erwehren. Wirtschaftliche Veränderungen gingen vor sich, als mit Beginn der Preußenherrschaft Anfang des 19. Jahrhunderts Flussbegradigungen erfolgten und die Lippe-Schifffahrt aufblühte. Seit 1860 wird eine Ortschronik geführt, die der Heimatausschuss der Schützengilde im Dorfarchiv pflegt und fortschreibt.
An die Stelle einer Furt war bereits 1372 eine Fähre getreten. 1922 wurde die heutige Lippebrücke errichtet. Mit der Fertigstellung des Wesel-Datteln-Kanals 1930 veränderte die Gegend vollends ihr Gesicht. Seit 1939 führt Ahsen ein Wappen, in welchem Lippe und Kanal über drei Pfählen derer von Ahusen mit Sitz auf dem Hof Schulte-Ahsen dargestellt sind.
Hochwasser gefährdete schon immer das Dorf, brachte große Überflutungen. Der mäandrierende Flusslauf neigte zu Veränderungen seines Bettes. Bergsenkungen stellten auch in jüngerer Zeit noch einmal eine Gefahr für das Ortsbild dar. Doch eine dauerhafte Unliebsamkeit ging vom Mahlenburger Mühlenbach aus, der seit jeher das Dorf durchzog und in die Lippe mündete. Bei Hochwasser drückten die Fluten über den Bachlauf ins Dorf zurück. Seit vier Jahren schützen Deiche den Ort, ist der Bach außerhalb des Hochwasserschutzes um das Dorf herumgeführt worden.
Als Ahsen 1975 nach Datteln eingemeindet wurde, zählte es 1.100 Einwohner. Seither hat sich die bebaute Dorffläche mit den Gebieten Deipenwinkel im Westen und Im Overkamp im Südosten verdoppelt. Doch nur 200 Einwohner sind hinzugekommen. Die Anpassung an moderne Wohnverhältnisse führte zu diesem immensen Wachstum des Dorfes. Eine eigene protestantische Gemeinde gibt es bis heute nicht. Da wundert es nicht, dass die katholische Frauengemeinschaft einer der mitgliederstärksten Vereine am Ort ist.
Stolz sind die Ahsener auf ihre Kirche, ihre Schule und ihren Schützenbaum auf dem Dorfplatz. Besondere Freude haben die 400 Mitglieder des SV Borussia Ahsen an ihrem 1994 fertig gestellten Vereinsheim mit Versammlungsraum und Umkleiden am Sportplatz auf der anderen Seite des Kanals. Damit hat der Marsch in Sportkleidung durch das halbe Dorf ein Ende. masc

Artikel von S. 6 in Ausgabe 21 (05.2008)

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