Kleider machen Leute
Machen Kleider Leute? Moderne Umfragen bestätigen das alte Sprichwort, welches schon Gottfried Keller 1874 zum Thema seiner gleichnamigen Novelle machte. Wir sind, was wir tragen: lässig in verwaschenen Jeans, kompetent-stylish im Anzug (auch die Damen!) oder intellektuell mit Hornbrille – und das, obwohl immer derselbe Mensch dahinter bzw. darunter steckt.
Kleider können ein Schlüssel zur Persönlichkeit sein, sie können blenden, Gruppenzugehörigkeiten suggerieren, Vertrauen schaffen, Informationen über unseren Status, unseren Musikgeschmack oder unsere politische Einstellung geben. Beim Vorstellungsgespräch oder der Partnersuche wurden modische Patzer bisweilen zum Verhängnis, während das richtige Outfit zur rechten Zeit schon wahre Wunder gewirkt haben soll. Ja, das Fach Mode ist eine Wissenschaft für sich. Doch wie, könnte man an dieser Stelle berechtigt einwenden, soll man sich zwischen all den ungeschriebenen Gesetzen und neuen Trends, den vielen ›Must-Haves‹ und ›No-Goes‹ noch zurechtfinden? Wir haben es versucht …
Hippie-Look hebt die Laune
Die Blumenkinder kommen zurück! Überraschung? Nicht wirklich, wir freuen uns trotzdem über das Revival der weiten Schnitte, Boot-Cut-Jeans und fröhlichen Flower-Prints, denn diese Mode hebt die Stimmung selbst im tiefsten Winter! Die superknalligen Farben von einst werden heute allerdings durch diskrete, gedeckte Töne abgelöst. Auch eine Verschmelzung von Stilen aus verschiedenen Jahrzehnten ist auf den Laufstegen und in den Katalogen zu beobachten: Hier trifft Flower-Power auf den Schnitt der 50er und auffällige Hüte im nostalgischen ›New Look‹. Der Gegenentwurf zur Hippie-Mode ist der minimalistische Look: geradlinig, reduziert, ohne verspielte Details.
Fake-Fur für kalte Tage
Wir mögen es flauschig, erst recht, wenn die Tage kälter und die Nächte kürzer werden! Ein absoluter Dauerbrenner, der auch in der Herbst- und Wintersaison 2011/2012 im wahrsten Sinne des Wortes wieder zum Tragen kommt, heißt ›Fake Fur‹. Ob als kurzes Jäckchen, Weste oder Wintermantel – keine Dame, die ›unbepelzt‹ das Haus verlässt. Dabei unterscheiden sich die mittlerweile qualitativ hochwertigen Kunstpelze allein preislich vom sehr teuren und ethisch umstrittenen Echtpelz.
Vom Fetisch zum Massentrend
Trend-Thema Nummer Drei: Leder- und Lederimitat. Was noch bis vor wenigen Jahren bestimmten Szenen vorbehalten war, hat den Weg über London und Paris bis in unsere Kleiderschränke geschafft: Lederröcke, Lederoberteile, Lederhosen, Lederkleider, Leder-Accessoires – nicht nur im klassischen Schwarz, sondern in den verschiedensten Farben … Umweltbewusste Mode-Fans setzen wie beim Pelz auf die günstigeren, dabei qualitativ und optisch keineswegs schlechteren Imitate.
Mehr Transparenz
Das vierte große Thema lautet Transparenz. Weniger ist mehr, und das gilt nicht nur für Blusen und Tops, sondern auch für Hosen und Kleider. Wunderbar wirkt transparente Kleidung in Verbindung mit Strick oder Tweed, weil sie diesen eher groben, schweren Stoffen etwas Luftiges, Verspieltes gibt. Strick bekommen wir im Herbst in verschiedenen Ausführungen von schmal über grob genadelt bis oversized zu Gesicht.
Farbe bekennen
Auch farblich hält die Herbst-Winter-Saison einiges parat. Denn hier können wir zwischen auffälligen Hinguckern und klassischer Zurückhaltung wählen. Hell strahlende Töne wie Gelb, Rot oder Violett kontrastieren mit dunklem Petrol und der zeitlosen Kombi Beige-Grau, mit der man eigentlich nichts falsch machen kann. Auch warme Gewürzfarben und gedeckte Erdtöne spielen farblich eine große Rolle. Schwarz und Weiß sind als typische Winterfarben natürlich ebenfalls mit von der Partie.
Newcomer: Orange und Blau
Die Newcomer des Winters sind Orange und Blau. Beide betreten die Modebühne in zahlreichen Abstufungen und werden gerne mit klassischen Farben wie Schwarz, Grau und Braun kombiniert. Das sommerliche Türkisblau wird zur kalten Jahreszeit durch dunkles Petrol abgelöst: wirkt winterlich und besonders edel bei blasser Haut.
Leuchtfeuer gegen Winterblues
Rot ist der Klassiker unter den Winterfarben. Und so darf es auch in diesem Jahr nicht fehlen. Kräftige satte Rottöne machen Lust auf Feiertage und wirken wie ein Leuchtfeuer gegen den Winterblues! Todschick: das rote Kleid! Allerdings muss sich die Trägerin bewusst machen, dass sie alle Blicke auf sich ziehen wird und dementsprechend selbstbewusst auftreten sollte! Eine dezente Variante ist dunkles Violett: nicht weniger weiblich, aber – vor allem kombiniert mit Schwarz – mindestens genauso beeindruckend.







