Soziales

›Usi kate tamaa!‹

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›Usi kate tamaa!‹

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Gib die Hoffnung nicht auf – so lautet ein suahelisches Sprichwort. Gleichzeitig ist es der Leitsatz von Endulen e.V. Der Gemeinnützige Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Endulen-Hospital in Nord-Tansania / Westafrika durch finanzielle Spenden und aktive Mitarbeit zu unterstützen. Aktuell wird in Kooperation mit Einheimischen eine neue Wöchnerinnenstation errichtet.

»Das Projekt ›Safe Motherhood‹ ist unser Beitrag zum ›Millenniumsziel‹ der Entwicklungshilfe, die Müttersterblichkeitsrate von 1990 bis 2015 auf ein Drittel zu reduzieren«, erzählt Florian Schneider, Vereinsgründer und Medizinstudent an der Universität Witten/Herdecke. Er verbringt selbst einen Großteil des Jahres in dem Busch-Krankenhaus inmitten der afrikanischen Wildnis. »Das im ›Ngorongoro-Naturschutzgebiet‹ gelegene Dorf Endulen ist weder an die Wasserversorgung noch an das Straßen- und Stromnetz angeschlossen. Der Nomadenstamm der Massai lebt hier fernab von jeglicher Zivilisation und technischem Fortschritt.«

Was uns Europäern wie ein archaischer Brauch erscheint, dient bei den Massai ganz praktisch der Stammessicherung: Ein Mann hat in der Regel drei bis sechs Frauen, die jeweils vier bis sechs Kinder bekommen.
50 % der Säuglinge sterben bei der Geburt oder in den ersten drei Lebensjahren. Jede neunte bis zehnte Mutter erleidet bei der Entbindung zum Tod führende Komplikationen. »Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass Naturvölker offener mit dem Tod umgehen, abgehärteter für Verluste sind«, weiß Florian Schneider. »Tatsächlich trauern die Massai nur 24 Stunden um einen Toten, danach geht der Verstorbene ›offiziell‹ in die Natur ein. Wir stellen jedoch immer wieder fest, dass gerade junge Mütter, die ihr Kind verloren haben, innerlich weiter trauern. Sie sind dann oft mit ihrem Schmerz allein – in ganz Tansania gibt es nur einen einzigen Psychologen.« Die neue Entbindungsstation soll die Überlebenschancen von Müttern und Kindern der Gegend grundlegend verbessern.

Florian Schneider kennt das Dorf wie seine Westentasche. Erstmalig besuchte er den roten Kontinent im Jahr 2005 als ›Missionar auf Zeit‹ (katholischer Freiwilligendienst). Über Äthiopien gelangte er nach Tansania, wo er zwischen 2006 und 2007 ein Jahr lang im Endulen Hospital arbeitete. Nach seiner Rückkehr gründeten er und Mitstreiterin Maria Dillmann im Februar 2008 den Verein ›Endulen e.V. – Trage es im Herzen mit!‹. »Seitdem haben wir 81.000 Euro gesammelt – und das bei nur 15 Mitgliedern und zwei Medizinstudenten im Vorsitz!« Die Spenden fließen ganz gezielt in Bauprojekte, Material und Transporte. Dafür sorgt das junge Duo, das inzwischen fließend Suaheli spricht und nahezu seine gesamte vorlesungsfreie Zeit am Ort des Geschehens verbringt. Da werden Hausarbeiten auch schon mal auf dem Laptop am Flughafen verfasst und medizinische Fachbegriffe für die anstehende Prüfung im Flieger über Dubai gepaukt … Für Privates bleibt zwischen Studium und Endulen kaum noch Zeit. »Das wird von Freunden und Familie auch schon mal angemerkt«, schmunzelt er. »Andererseits macht das Ganze einen Riesenspaß und wir haben schon so viel erreicht!«

Das Krankenhaus ist das einzige befestigte Gebäude der Region, hier werden rund 80.000 Menschen medizinisch versorgt. In Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Menschen vor Ort konnten bereits verschiedene Projekte realisiert werden. So wurden Wassertanks errichtet, eine Notfallstation gebaut und das ganze Gelände umzäunt. »Damit Löwen, Hyänen und Leoparden nicht bis vor die Tür spazieren können!« Im Sommer 2010 wurde nach vielen Gesprächen mit traditionellen Hebammen, einheimischen Massaifrauen, der Krankenhausverwaltung sowie den Angestellten der Klinik mit dem Bau der neuen Wöchnerinnenstation begonnen. Die Federführung übernahm eine in Endulen tätige holländische Ärztin, für die Finanzierung legt sich der Verein Endulen e.V. ins Zeug.

»Massai-Frauen entbinden normalerweise zu Hause mithilfe von einheimischen Hebammen. Diese sind durchaus in der Lage unkomplizierte Geburten zu betreuen. Gefährlich wird es bei Komplikationen, z.B. bei einer Blutgruppenunverträglichkeit oder weil die werdende Mutter durch Würmer oder HIV geschwächt ist.« Trotzdem suchten in der Vergangenheit nur wenige Schwangere das Endulen-Hospital auf. »Wir fanden heraus, dass die meisten Frauen aus Angst vor Ansteckungsgefahr fernbleiben, da sie in der Klinik auf einer gewöhnlichen Krankenstation untergebracht werden würden.« Das neue, separate Gebäude mit eigenem Kreissaal und hochwertigem medizinischen Equipment soll eine optimale Gesundheitsversorgung gewährleisten und Schutz vor Infektionen bieten. Die traditionellen Hebammen haben sich bereit erklärt, mit ihren schulischen ›Kolleginnen‹ zusammenzuarbeiten, selbst wenn das bedeutet, dass einige medizinisch riskante Bräuche nicht weiter geführt werden können. »Traditionsgemäß wird die Nabelschnur abgeschnitten und die Wunde mit Kuhdung eingerieben, denn Kühe sind für die Massai heilige Tiere. Dafür haben wir ein ›Kompromiss-Ritual‹ entwickelt.«

Rund 70.000 Euro sind bereits in die Errichtung des neuen Traktes geflossen. Der Rohbau steht, jetzt wird der Boden betoniert und die Station durch einen überdachten Weg mit der Klinik verbunden. Was fehlt,
ist das erforderliche ›Kleingeld‹ (rund 4.000 Euro) für die Anschaffung und den Transport der nötigen Einrichtung: Toiletten, Moskitonetze, Patientenbetten, Inkubatoren, Wärmelampen, Pinzetten, Scheren, Spritzen, Infusionsständer, Desinfektionsmittel, Beatmungsgeräte etc. »Außerdem wollen wir einen gemütlichen Aufenthaltsraum einrichten, der auch für Unterrichtungseinheiten genutzt werden soll. Hier wollen wir Frauen über Risiken und Gefahrensymptome bei Schwangeren und Neugeborenen aufklären.« Die Fertigstellung der Station ist für den Sommer geplant.

Florian Schneider freut sich schon auf seinen nächsten Afrika-Einsatz. »Es gibt noch viel zu tun, nicht nur in Endulen!« Weshalb der Student sein Auslandssemester in Westafrika verbringen möchte. »Und wenn alles wie geplant läuft, werde ich auch meine Doktorarbeit dort schreiben!« 

www.endulen.de

Spendenkonto:
Raiffeisenbank
Donaustauf-Sünching-Mintraching eG
BLZ 750 620 26
Kto 6 640 761 

Artikel von S. 64 in Ausgabe 73 (5/2011)

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