Phänomen Frauenfußball
Werden wir wieder Weltmeisterin?
Nur noch wenige Wochen bis zum Anpfiff: Am 26. Juni beginnt die Frauen-Fußball-WM 2011. Und wir sind da ganz zuversichtlich: Zwei Weltmeistertitel und sagenhafte sieben gewonnene Europameisterschaften – beim Duell ums runde Leder macht den deutschen Frauen so schnell niemand etwas vor. Mit Kampfgeist und Esprit haben sich ›unsere Mädels‹ an die Weltspitze und in die Herzen der Fans gespielt! Diesem Erfolg ging allerdings eine ziemliche Durststrecke voraus. Grund war nicht etwa die Überlegenheit der internationalen Konkurrenz. Vielmehr galt es zahlreiche Hürden im eigenen Land zu überwinden … Ein kurzer Rückblick.Nur noch wenige Wochen bis zur Anpfiff: Am 26. Juni beginnt die Frauen-Fußball-WM 2011. Und wir sind da ganz zuversichtlich: Zwei Weltmeistertitel und sagenhafte sieben gewonnene Europameisterschaften – beim Duell ums runde Leder macht den deutschen Frauen so schnell niemand etwas vor. Mit Kampfgeist und Esprit haben sich ›unsere Mädels‹ an die Weltspitze und in die Herzen der Fans gespielt! Diesem Erfolg ging allerdings eine ziemliche Durststrecke voraus. Grund war nicht etwa die Überlegenheit der internationalen Konkurrenz. Vielmehr galt es zahlreiche Hürden im eigenen Land zu überwinden … Ein kurzer Rückblick.
Moralisch verwerflich
Während sich in England bereits Ende des 19. Jahrhunderts erste Damen-Teams bildeten und auf großes Publikumsinteresse stießen, war der Frauenfußball in Deutschland eher ein zartes, im Verborgenen blühendes Pflänzchen. Das Spiel mit dem Ball nach Art der Männer galt für Frauen als moralisch verwerflich und wenig damenhaft. So klagte der Deutsche Turnerbund über in kurzen Hosen spielende Studentinnen, ihr Auftreten sei ›künftigen deutschen Akademikerinnen unangemessen‹. Und während des Nationalsozialismus wollte das Bild der kickenden Sportlerin mit dem Ideal des gebärfreudigen Heimchens am Herd so gar nicht einhergehen.
Kicken statt Bügeln: deutsches Fräuleinwunder auf Erfolgskurs
Das Wunder von Bern machte auch vor dem deutschen Fräuleinwunder nicht halt. Anfang der 50er-Jahre gründete sich insbesondere im Ruhrgebiet eine Vielzahl von Frauenfußballmannschaften. Am 30. Juli 1955 verbot der DFB seinen Vereinen ausdrücklich, Plätze für die Spiele der ›Weibsbilder‹ zur Verfügung zu stellen. Das hielt die ehrgeizigen Damen aber nicht davon ab. Vor den Toren Karlsruhes beim FV Daxlanden beispielsweise trafen sich ab 1966 regelmäßig Frauen mittleren Alters zum Kicken – vom Verein offiziell als ›Alte Herren‹ geführt. Erst in den 70er-Jahren hob der DFB sein Verbot auf und die Frauen konnten endlich durchstarten. Dass sie trotz eindrucksvoller Spiele immer noch nicht richtig ernst genommen wurden, zeigt die Siegprämie anlässlich des Europameistertitels 1989: Jede Nationalspielerin erhielt ein Bügelbrett und ein 6-teiliges Kaffeegeschirr (zweite Wahl!).
Große Erwartungen
Im WM-Sommer 2011 startet die Nationalelf rund um Silvia Neid unter etwas anderen Voraussetzungen. Fußballgeschichte hat das Team längst geschrieben, nun will es den ganz großen Erfolg im eigenen Land verdreifachen! Und natürlich werden tausende Menschen mitfiebern, wenn Ausnahme-Spielerinnen wie ›Poppi‹ oder Birgit Prinz das gegnerische Tor ins Visier nehmen! Vereinzelt wird es wie immer auch ›kritische‹ Stimmen geben, die verkünden, Frauen gehörten in die Küche und nicht auf den Platz. Diesen Leuten empfehlen wir, den Fernseher auszuschalten und sich beim Holzhacken im Wald abzureagieren oder vielleicht ein paar Mammuts zu jagen. Wir jedenfalls freuen uns auf spannende Spiele und sind fest überzeugt: Wir werden wieder Weltmeisterin!!!
Starkes Mädchen aus Witten
Diese Frau hat nicht nur die Leidenschaft im (linken) Bein, sondern auch Pfeffer im Hintern. Als Teenager trainierte Alexandra Popp, Spitzname ›Poppi‹, nur mit Jungs. Die gebürtige Wittenerin (* 6. April 1991) besuchte bis zu ihrem 14. Lebensjahr die vom DFB als Eliteschule des Fußballs zertifizierte Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen, wo sie sich als einzige Schülerin unter vielen Nachwuchsspielern des FC Schalke 04 behaupten musste. Inzwischen ist die durchsetzungsstarke Abwehrspielerin und Stürmerin beim Bundesligisten FCR 2001 Duisburg unter Vertrag. Im Mai 2008 wurde sie mit ihrer Mannschaft U-17-Europameisterin. Bei der Fifa U20 Frauen-WM in Deutschland gewann sie nicht nur den Titel, sondern wurde mit insgesamt zehn Treffern als beste Torschützin und Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Im Februar 2010 wurde die 1,74 Meter große Blondine zum ersten Mal in den Kader der A-Nationalmannschaft der Frauen berufen, wo sie im Testspielsieg gegen Nigeria ihr erstes Tor erzielte. Derzeit absolviert Alexandra Popp ein Jahrespraktikum als Physiotherapeutin, um sich ein zweites ›Standbein‹ neben dem Fußball aufzubauen.





