In der Stadt

Projekt Annenstraße

Eine für alle, alle für eine

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Ahorne und Zierkirschen verleihen der Annenstraße ihren unvergleichlichen Charme.

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Sie ist vielleicht keine Schönheit, aber sie hat Charakter! Ein Satz, den keine Frau gerne hört. Die Annenstraße jedoch musste in der Vergangenheit damit leben – seit 1958 nicht grundlegend erneuert, zeigten sich bereits erste ›Fältchen‹ auf dem Asphalt, während ihr Potential als Lebensader und Nahversorgungsstandort in Wittens größtem Stadtteil kaum ausgeschöpft wurde. Nun endlich will man ihr eine echte Verjüngungs-Kur gönnen. Und wenn die wie geplant läuft, dann entpuppt sich der ›Charakterkopf‹ vielleicht schon bald als schöner Schmetterling  …

»Die Initiative ging von den Bürgern aus«, betonen Petra Klein, Projektleiterin ›Soziale Stadt Annen‹ und Gabriele Brand, Stadtplanerin. Seit 2005 arbeitet das dynamische Duo gemeinsam mit Anwohnern, Geschäftsleuten und Immobilieneigentümern an einem integrierten Handlungskonzept für die wirtschaftliche, soziale und städtebauliche Aufwertung des Stadtteils. Dabei kam schon früh die Idee zu einer Umgestaltung der Annenstraße auf. »Allen war klar, dass mehr getan werden muss, als ›Blümchen vor die Tür zu stellen‹.« Nun wurden im Rahmen der ›Sozialen Stadt Annen‹ Fördermittel für eine elementare Sanierung zugesagt. »Nachdem alle politischen Gremien zugestimmt haben, könnte sich die Annenstraße bis 2013 zu einem echten Schmuckstück entwickeln«, freuen sich die Akteurinnen.

Und das ist geplant: Zwischen Holzkampstraße und Westfalenstraße / Centrovital soll in einem 500 Meter langen Abschnitt der insgesamt rund 2,25 Kilometer langen Straße ein ganz neues Stadtbild entstehen. Die wohl wichtigste und langwierigste Maßnahme ist die Grunderneuerung der gesamten Fahrbahn inklusive Unterbau. Denn, so Petra Klein: »Man darf nicht vergessen, dass die Annenstraße in ihrer heutigen Form immerhin 50 Jahre auf dem Buckel hat und somit keineswegs mehr den modernen Standards genügt.« Gleiches gilt für die drahtseilverspannte Beleuchtung, die bei der Gelegenheit erneuert werden soll. Vorgesehen ist zudem eine Verschlankung der Fahrbahn bzw. eine Erweiterung der Bürgersteige. Gabriele Brand erläutert: »Zwischen 1915 und 1985 fuhr die  Straßenbahn über die Annenstraße, weshalb die Fahrbahn über eine Breite von im Schnitt neun Metern verfügt – viel breiter als nötig.«

Die Stadtplanerin hat eine genaue Vorstellung davon, wie das Straßenbild in Zukunft aussehen soll: »Wir planen eine schmale, geradlinige Trasse mit geordneten Parkbuchten, großzügigen Gehwegen und viel Platz für Außengastronomie! Der Begegnungsverkehr soll erhalten bleiben, d.h. zwei Busse sollen bequem aneinander vorbeifahren können – dafür haben sich nicht nur die BoGeStra, sondern auch die Geschäftsinhaber eingesetzt. Der Gehweg wird von der Fahrbahn nur durch behindertenfreundliche Rundborde getrennt, was Fahrradfahrern und Müttern mit Kinderwagen ebenso entgegenkommen dürfte. Den Alleecharakter, das Markenzeichen der Straße, wollen wir natürlich unbedingt bewahren – für jeden kranken Baum, den wir fällen müssen, wird ein neuer gepflanzt.«

Realisiert wird die Rundum-Sanierung durch ein Herdecker Büro, welches gleich mehrere Vorschläge eingereicht hatte. Doch alle Beteiligten waren sich einig, dass nur die ›große‹ Variante eines vollständigen Umbaus langfristig Sinn macht. Dem sollen Mitte dieses Jahres zunächst die Erneuerung von Gas- und Wasserleitungen durch die Stadtwerke vorausgehen. Nach der Winterpause können dann ab März 2012 die eigentlichen Straßenbauarbeiten durch die Stadt Witten beginnen. Gabriele Brand: »Die Maßnahmen werden in Etappen vorgenommen, so dass man als Anwohner nie länger als sechs Monate betroffen ist. Auch wird die Straße nur einseitig gesperrt, damit die Geschäfte während des gesamten Zeitraumes erreichbar bleiben.« Die Fertigstellung sei für den Spätherbst 2012 geplant. »Ihre Weihnachtseinkäufe werden Anwohner und hoffentlich auch Besucher aus Witten dann wieder ohne Einschränkung erledigen können!«

Qualität hat ihren Preis: Immerhin 1,9 Millionen Euro kostet das Projekt Annenstraße. 100 000 Euro zahlt die Stadt selbst, 800 000 Euro fließen aus Fördertöpfen von Land und EU. Aber auch die Anlieger werden zur Kasse gebeten. Petra Klein: »Natürlich bricht niemand angesichts der anstehenden Beitragszahlungen in Begeisterungsstürme aus. Andererseits haben wir in der letzten Zeit viele Einzelgespräche geführt und festgestellt, dass 90 % der Betroffenen die Sache eindeutig befürworten!« Erhoben werden die Beiträge erst nach Vollendung sämtlicher Maßnahmen ab der zweiten Hälfte des Jahres 2013. Zudem besteht die Möglichkeit zu einer Ratenzahlung mit geringer monatlicher Belastung.

Eins ist klar: Vom Umbau der Annenstraße zur attraktiven Einkaufsmeile werden alle profitieren – Geschäftsinhaber und Gastronomen genauso wie Anwohner und Besucher.  Denn die Sanierung schafft mehr Raum für öffentliches Leben – eine Aufwertung für das gesamte Areal. Petra Klein und Gabriele Brand sind sich einig: »Eigentlich handelt es sich um eine wunderschöne Straße, die, wenn wir sie erst umgestaltet haben, mit ihrem reichen Baumbestand und den alten Fassaden wieder richtig zur Geltung kommen und eine große Bereicherung für den Stadtteil und seine Menschen sein wird!« 

Gabriele Brand, Stadt Witten, Tel. 0 23 02 / 5 81 41 21

Artikel von S. 18 in Ausgabe 73 (5/2011)

Einige Fassaden stammen noch aus der Gründerzeit und den 20er-Jahren.Der Umbau schafft Chancen für die Gastronomen.Vor Ort im Einsatz: Petra Klein, Projektleiterin ›Soziale Stadt Annen‹ (li.) und Gabriele Brand, Stadtplanerin