In der Stadt

Künstliche Oase im Herzen des Ruhrgebiets: der Kemnader See

Ein Ortsteil am See

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Ein Ortsteil am See

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Blick von der A43 zwischen Heven und Herbede: Sanft schmiegt sich blaues Wasser an grüne Auen. Das für Ruhrgebietsverhältnisse unerwartet idyllische Bild ist keine Fata Morgana: Vor rund 30 Jahren wurde der Kemnader See am Knotenpunkt dreier Städte künstlich angelegt. Heute bildet er das Herzstück einer weitläufigen, in die durchaus reizvolle Landschaft des mittleren Ruhrtals eingebetteten Naherholungsstätte. Zu dieser Jahreszeit wirkt das ›Freizeitzentrum Kemnade‹ beinahe unberührt. Nur einige hartgesottene Läufer und Radler sind auf den Wegen rund um den See unterwegs. Doch wenn die Temperaturen im Frühling  wieder milder werden und die Wassersportschule am Hafen Heveney ihre Saison eröffnet, wird das Gelände im Städtedreieck Bochum, Hattingen und Witten wie jedes Jahr von vielen Menschen aller Altergruppen gern in Beschlag genommen.

Die Vorgeschichte
… reicht zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals bewirkte die Indus-trialisierung im Ruhrgebiet eine wahre Bevölkerungsexplosion, in Folge derer es zu erheblichen Problemen mit der Wasserversorgung kam. Der Ruhrverband reagierte und übernahm die Aufgabe eines Ausbaus der Ruhr mit Flusskläranlagen. Ursprünglich war eine Seenkette von Hagen bis Mülheim geplant. Realisiert wurden zunächst jedoch nur der Hengstey-, der Harkort-, der Baldeney- und der Kettwiger See. Ein 1929 für den Bereich des heutigen Kemnader Sees erstellter Entwurf wurde dagegen 1934 auf Eis gelegt. Erst dreißig Jahre später griffen die Akteure den Gedanken im Zusammenhang mit der Planung der Ruhr-Universität Bochum wieder auf und schrieben einen Ideenwettbewerb aus. Ziel war es, ein Gewässer zu schaffen, welches nicht nur als Wasserreservoir der wachsenden Bevölkerung, sondern auch als Stätte für Erholungs- und Freizeitzwecke dienen sollte.

Die Planung
Das Planungsgebiet lag im Schnittpunkt dreier Täler: dem Ruhrtal mit seinen schroffen Felswänden, dem flachen Ölbachtal, das von Straßen und Autobahnen durchschnitten wurde, sowie dem Lottental, wo sich Wiesen und Wälder mit Kotten und Bauernhöfen abwechselten. Doch es waren nicht die Bauern, die aufbegehrten. Gegenwind bekamen die Planer seitens der ortsansässigen Industrie zu spüren. Sie befürchtete, bei Erweiterungsabsichten durch behördliche Auflagen aus Gründen des Emissionsschutzes unangemessen belastet zu werden und sahen Arbeitsplätze gefährdet. Erst die verbindliche Zusage des damaligen Innenminis-ters Willi Weyer, dass alle weiteren Entscheidungen in engem Kontakt mit den Betroffenen erarbeitet werden würden, machte den Weg frei für die konkrete Umsetzung des lang geplanten Projekts. 1971 gründeten der Ruhrverband, der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (jetzt Regionalverband Ruhr) sowie die Städte Bochum, Witten und die damalige Stadt Herbede die Freizeitzentrum Kemnade GmbH als verantwortliche Trägergesellschaft. Details für den Ausbau des Sees und die Konstruktion des Wehres wurden daraufhin in Modellversuchen der Technischen Universität Karlsruhe und mit Hilfe von Fachfirmen des Stahlwasserbaus festgelegt. Im Auftrag der FZK GmbH entwickelte der Gewinner des Ideenwettbewerbes, Landschaftsarchitekt Penker aus Neuss, von Frühjahr bis Herbst 1974 ein Gesamtkonzept für die Gestaltung des Landschaftsraumes rund um den künftigen Kemnader See.

Der Bau
Dann konnte es losgehen: Anstelle des ers-ten Spatenstichs wurden am 21. Mai 1976 unterhalb der Kemnader Brücke die ersten Spundbohlen in den Boden gerammt. Den im Laufe der nächsten drei Jahre anfallenden Erdaushub baute man im Rahmen einer Umgestaltung landschaftsgerecht wieder ein: als Lärmschutzwall zwischen dem Süd-ufer und der A43, als Naturtribüne am   Nordufer im Zielbereich der Regattastrecke und zur hochwasserfreien Aufhöhung der Ufer- und Umlandbereiche. Im Spätsommer 1979 kam der bis dahin 130 Millionen Mark teure Bau des mit 3 Millionen Kubikmetern Wasser gefüllten Stausees zu einem Abschluss. Ab 1980 wurden dann in einer zweiten Bauphase verschiedene Freizeitanlagen in den Schwerpunkten Heveney, Oveney und Herbede errichtet. So entstanden am Ufer Heveney ein Hafen, eine Wassersportschule und ein großes Freizeitbad.

Das Ergebnis
… kann sich sehen lassen. An schönen Tagen wird das Freizeitzentrum Kemnade von Tausenden Besuchern bevölkert. Sie tummeln sich auf den weiten Liegewiesen oder sind – zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Inlinern – auf den ca. 10 km langen Rundwegen um den See unterwegs. Für die begeis-terten Rollschuhfahrer wird ab Frühjahr dieses Jahres noch eine aufwendige ›Ruhr-In-Line-Skaterbahn‹ gebaut und soll, so die Planung, bis 2013 fertiggestellt sein.
Die etwa 125 ha große Wasserfläche bietet ausreichend Platz für Segler, Surfer, Tretboote, Kanus sowie Fahrgastschiffe, die hier von April bis Oktober ihre Runden drehen. Der See ist aber nicht nur ein ideales Wassersportrevier für Gäste aus dem ganzen Ruhrgebiet, sondern auch Winterquartier für eine Vielzahl von Wasservögeln, die das künstliche Gewässer zu ihrem natürlichen Lebensraum erklärt haben!

Quelle: Stadtarchiv Witten
Alle Fotos: Jürgen Appelhans

Artikel von S. 6 in Ausgabe 71 (1/2011)

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