Merry Christmas oder Wesolych Swiat i Szczesliwego Nowego Roku
Was sich bei den Engländern kurz und knapp aber nichtsdestotrotz durchaus herzlich artikuliert, kann in Polen schon mal einige Silben mehr in Anspruch nehmen. Andere Länder, andere Sitten. Wir wollten wissen, was sich bei unseren Nachbarn sonst noch an Unterschieden in Gebräuchen und Traditionen zur Weihnachtszeit entdecken lassen und warfen einen neugierigen Blick über den deutschen Plätzchentellerrand.
Polen
In Polen ist die vorweihnachtliche Fastenzeit im Advent noch allgegenwärtig. Am Heiligen Abend gibt es dann im Kreise der Familie ein großes Festmahl, sobald der erste Stern die Nacht erhellt. Vor dem Essen wird im Schein einer Kerze aus dem Weihnachtsevangelium gelesen und gebetet. Danach folgt das Brechen und Teilen der Weihnachtsoblaten als Zeichen für Liebe und Versöhnung. Anschließend wird gegessen, wobei die Kinder am Tisch hoffen, dass sie unter ihrem Teller eine Münze finden. Das polnische Weihnachtsessen besteht traditionell aus einer Suppe als Vorspeise und einem Fischgericht, wenn möglich Karpfen.
Für einen unerwarteten Gast steht ein zusätzliches Gedeck auf dem Tisch, dies soll die Gastfreundschaft symbolisieren. Nach dem Essen heißt es dann Geschenke auspacken. Mit dem gemeinsamen Besuch der Mitternachtsmesse klingt der Heilige Abend aus.
Wesolych Swiat i Szczesliwego Nowego Roku.
England
Üppige Dekorationen mit Mistelzweigen, Stechpalme, Lorbeer und Girlanden gehören ebenso zum britischen Weihnachtsfest wie ein opulentes Festmahl und Geschenke. In der Nacht vom 24. auf den 25. ist Santa Claus mit seinem Rentierschlitten unterwegs, rutscht durch den Schornstein ins Haus und füllt die am Kaminsims aufgehängten Socken mit seinen Geschenken. Am 25. gibt es das traditionelle Weihnachtsessen mit Truthahn, Plumpudding und Eierpunsch. Dabei tragen die sonst so steifen Briten Papphütchen und lassen Knallbonbons platzen. Englische Kinder ziehen von Haus zu Haus und singen Christmas Carols. So wird an die Zeiten erinnert, als Kinder aus armen Verhältnissen bei Reichen sangen, um milde Gaben zu erbitten. Auch die Weihnachtspost spielt auf der Insel eine sehr große Rolle: Jahr für Jahr werden mehr als eine Billion Weihnachtskarten verschickt. Die erhaltenen Karten werden an langen Schnüren im Zimmer aufgehängt oder auf dem Kaminsims aufgestellt.
Merry Christmas and a Happy New Year
Dänemark
In der dunklen nordischen Winternacht treiben kleine Wichtel ihr Unwesen: Sie heißen ›Nissen‹ und bekommen zu Weihnachten aus alter heidnischer Tradition eine Schale Milchreis serviert, damit sie für den Rest des Jahres nicht zur Plage werden. Die Festtage beginnen bei den Dänen mit dem Lillejuleaften (›kleiner heiliger Abend‹) am 23. Dezember.
An diesem Tag schmückt man den Weihnachtsbaum, dazu schlürft man heißen ›Glögg‹, Glühwein mit Rosinen und Mandeln. Der 24. Dezember steht im Zeichen der Familie. Es gibt Gans, Ente oder Schweinebraten und zum Dessert einen Reispudding, in dem sich eine Mandel versteckt. Wer sie findet, bekommt ein Extrageschenk. Gabenbringer ist der Julemand, der von vielen freundlichen Wichteln mit roten Mützen unterstützt wird, den Julenissen. Am 25. kommt die Familie erneut zusammen, meist gibt es dann ein Buffet mit vielen Leckereien – typisch sind die in Currysauce oder Schnaps eingelegten Heringe. Auch die Weihnachtsfeier am Arbeitsplatz hat in Dänemark eine lange Tradition. Früher sorgte der Gutsherr für seine Pächter, indem er ihnen ein Weihnachtsessen servierte. Heute arrangiert der Arbeitgeber für seine Angestellten eine feuchtfröhliche ›Julefrokost‹.
Glædelig Jul og Godt Nytår
Niederlande
Der Star der niederländischen Weihnachtsfeier heißt Sinterklaas. Er bringt nicht nur die Gaben, sondern ist zugleich Schutzpatron der Seefahrer. Am letzten Samstag im November kommt Sinterklaas, traditionell mit rotem Bischofsmantel, Bischofsmütze und weißen Handschuhen bekleidet, mit einem Schiff in den Hafenstädten Hollands an. Begleitet wird er von seinem Weggefährten, dem Zwarten Piet. Jedes Jahr erwarten viele Menschen und auch die Königin im Hafen die Ankunft des Duos. Auf einem Schimmel reitet Sinterklaas an Land und wird von läutenden Glocken und der jubelnden Menschenmenge empfangen.
Vrolijk Kerstfeest en een Gelukkig Nieuwjaar!
Frankreich
Die Franzosen mögen es feurig, da macht auch der Heiligabend keine Ausnahme. Nach der ›Messe de Minuit‹ (Mitternachtsmesse) werden im ganzen Land wie zu Silvester Feuerwerke entzündet. Davor hat die Familie bereits stundenlang zusammengesessen und geschlemmt: ›Dinde aux Marrons‹, ein mit Maronen garnierter Truthahn, Austern, Pasteten und Champagner stehen auf dem Speiseplan. Traditionell wird im Laufe der Feiertage ein dicker Holzklotz im Kamin verbrannt und die Asche auf dem Feld verstreut, was Glück und eine gute Ernte bringen soll. In den Bäckereien gibt es ›Bûche de Noël‹, Kuchen in Form eines Holzklotzes.
Joyeux Noël et Bonne Année!
Italien
Die Italiener sind sehr traditionsbewusst, weshalb Weihnachten bei ihnen gleich viermal gefeiert wird: Die Festzeit startet am 6. Dezember mit dem Tag des San Nicola. Eine Woche später werden zu Santa Lucia die Armen beschenkt. Am frühen Morgen des 25. Dezember bringt il Bambinello Gesu die Geschenke der Kinder ins Haus. In manchen Gegenden ist es Brauch, dass ein Olivenbaum gefällt und im Kamin verfeuert wird. In Rom und Neapel tragen die Kinder einen großen Stern aus Pappe über einer beleuchteten Krippe von Haus zu Haus. Am 6. Januar kommt die gute Hexe La Befana zu Besuch. Sie saust nachts durch die Schornsteine und füllt die Strümpfe der artigen Kinder mit kleinen Gaben – wer böse war, bekommt dagegen nur Kohlestückchen.
Buon Natale e Felice Anno Nuovo
Schweden
Eine besondere Bedeutung in der Vorweihnachtszeit in Schweden hat der 13. Dezember, der Luciatag. Der Sage nach hat Lucia Schweden vor dem Hunger und Elend bewahrt. Die schwedische Lucia wird alljährlich in einem Schönheitswettbewerb gewählt und am 13. Dezember gekrönt. Dann sind im ganzen Land Feste und Prozessionen zu sehen, die von weißgekleideten Mädchen mit Lametta im Haar und einer Kerzenkrone oder Jungen mit einem Sternenhut angeführt werden. In den Familien übernimmt die älteste Tochter die Rolle der Lucia, singt mit den Geschwistern Lucialieder und bewirtet die Eltern mit Frühstück, selbstzubereiteten Süßigkeiten oder Keksen.
Heiligabend ist der wichtigste Weihnachtsfeiertag in Schweden. Bereits am Nachmittag, wenn es langsam dunkel wird, gibt es Smörgåsbord, das reichhaltige Weihnachtsbüfett: Weihnachtsschinken, Salate, Fisch in verschiedenen Variationen, Kartoffeln und Julkorv, eine Art Bratwurst. Dann kommt der Weihnachtsmann höchstpersönlich mit seinen Zwergen oder die unter dem Tannenbaum liegenden Geschenke werden verteilt. Als letzter Weihnachtstag gilt in Schweden der 13. Januar, der St. Knuts-Tag. Und wer kennt nicht die Werbung einer großen schwedischen Möbelfirma, in der an diesem Tag die Weihnachtsbäume aus dem Fenster fliegen.
God jul och ett Gott Nytt År!








