Skulptur an der Ruhr
Duisburg – die Geburtsstadt von Wilhelm Lehmbruck
Wilhelm Lehmbruck, einer der wichtigsten deutschen Bildhauer der klassischen Moderne, wurde in Duisburg geboren und ist Namensgeber des renommierten Skulpturenmuseums. Es beherbergt eine hervorragende Sammlung von Lehmbruck-Skulpturen sowie Werke der wichtigsten Bildhauer des 20. und 21. Jahrhunderts. In dem das Museum umgebenden Kant-Park befinden sich rund 40 Großplastiken auch zeitgenössischer Künstler wie Richard Serra, Alf Lechner oder Magdalena Abakanowicz.
Vor dem Eingang des Museums steht ein Bronzeabguss der wohl bekanntesten Skulptur Lehmbrucks ›Die Kniende‹. Bei ihrer Aufstellung 1911 erregte sie das Schamgefühl der Bevölkerung und wurde als ›Schandmal‹ gebrandmarkt. Die Nationalsozialisten reihten sie 1937 in München in die Werke der entarteten Kunst ein. Diese Figur einer jungen nackten Frau mit überlangen Gliedmaßen, einem gestreckten Oberkörper und gesenktem Kopf bildet den Auftakt der expressionistischen Plastik in Deutschland. Die besondere Körperlichkeit, zur Zeit ihrer Aufstellung revolutionär, fasziniert auch heute noch den kunstsinnigen Betrachter. (Foto 1) Nur einige Meter entfernt ragen neun abstrahierte anthropomorphe Betonfiguren der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz aus der Rasenfläche. Die einzelnen Elemente sind in unterschiedlicher Drehung zueinander in einer Linie angeordnet, was dem Gesamtwerk einen schwingenden Rhythmus verleiht. Gleichzeitig stehen die Einzelstücke ›kommunizierend‹ einander gegenüber. Sie erinnern an ein archaisches Monument, das etwas Mystisches, Magisches oder Mythisches ausstrahlt. (Foto 2)
Ein Fußweg von nur wenigen Minuten führt in die Innenstadt auf die Königsstraße, wo sofort die grellbunte Farbenpracht der Brunnenskulptur ›Life Saver‹, eine Gemeinschaftsarbeit von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely, ins Auge fällt. Eine weibliche Figur klammert sich an ein geflügeltes vogelähnliches Fabelwesen. Aus den Flügeln des 5 Meter hohen sich drehenden Vogels sprüht in Abständen Wasser kaskadenartig in die Umgebung. Anfang der 90er Jahre beschäftigte sich Niki de St. Phalle in ihren Arbeiten im Skulpturengarten in der Toskana mit alten Mythen und den Tarotkarten und ihrer spirituellen Bedeutung. Dadurch inspiriert entstand auch dieses mythische Wesen. Die Skulptur sorgte bei ihrer Aufstellung ebenso für Unmut in der Bevölkerung wie damals Lembrucks ›Kniende‹. Heute ist sie ein zentraler und beliebter Treffpunkt in der City. (Foto 3)
In einem kleinen parkähnlichen Garten der Sparkasse unweit des Brunnens entdeckt man zwei weibliche Figuren. ›Freya‹ die nordische Göttin der Liebe und Ehe von Gerhard Marcks (Foto 4) und eine feingliedrige junge mediterrane Gelassenheit ausdrückende Frau des italienischen Künstlers Marcello Mascherini. (Foto 5)
Kaum wahrnehmbar, aber dennoch beindruckend in ihrer Einfachheit und Eindringlichkeit stehen auf dem Bürgersteig der Ruhrorter Straße vier Stühle aus Eisen vor jeweils vier Betonwänden. ›Erfahrbare Wände‹ nennt die Künstlerin Gabriella Fekete das Mahnmal, das an vier Gewerkschaftler erinnert, die von den Nationalsozialisten grausam ermordet wurden. (Foto 6)
Auch in den Außenbezirken der Stadt sind einige interessante Skulpturen zu entdecken. So im Stadtteil Wedau im Sportpark am Bertasee die Plastik ›Negativ Bäume‹ von Menashe Kadishman einem der bedeutendsten Künstler Israels. Wie Papier benutzt er Stahlplatten und schneidet ähnlich einem Scherenschnitt Negativformen aus ihnen heraus. Je nach Jahres oder Tageszeit sowie unterschiedlichen Betrachtungswinkeln werden die ausgeschnittenen Formen mit den Farben der Umgebung gefüllt. (Foto 7) Kühl konstruiert dagegen die dynamischen, zu einem Knoten verschlungenen Edelstahlrohre von Erich Hauser in unmittelbarer Nachbarschaft vor dem Klinikum Duisburg. Diese dynamische Skulptur steht im deutlichen Kontrast zu den Gebäuden der Klinik. (Foto 8)
Am anderen Ende der Stadt, dort wo die Ruhr in den Rhein mündet, ragt 25 m hoch und 83 Tonnen schwer eine allein schon durch ihre Farbe auffallende weithin sichtbare Landmarke in die Höhe. Diese orange lackierte Stahlskulptur des Kölner Künstlers Lutz Frisch wurde 1992 als Sinnbild für die lebendige Kultur Duisburgs errichtet. ›Rheinorange‹, im Volksmund auch ›glühende Bramme‹ genannt, ist ein markantes Symbol für Aufbruch und Strukturwandel der Ruhrmetropole. (Foto 9)











