Mein erster Schultag
Noch wenige Wochen, dann schnüren Sophie, Leyla, Jacob, Stine und Orhan zum allerersten Mal ihre Ranzen – pardon, wir haben uns sagen lassen, das heißt heute ›Affe‹. Ob nun mit Ranzen, Tonne, Rucksack, Tasche, Mappe oder Affe, auf jeden Fall beginnt für sie der Ernst des Lebens. Ein großer Einschnitt und ein ganz besonderer Tag, an den sie vermutlich noch lange denken werden. Wirklich? Bleibt dieses Ereignis tatsächlich im Gedächtnis haften und wenn ja, was davon genau? Wir wollten’s wissen und fragten Wittener Bürgerinnen und Bürger und natürlich auch MitarbeiterInnen vom Stadtmagazin: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schultag?
Leif Hoffmann: Das war ja ganz nett, aber …
»Puh, ist das lange her. Ich erinnere mich noch daran, dass wir Erstklässler zuerst in der Turnhalle in der Brenschenschule vom damaligen Rektor mit einer Rede begrüßt wurden, die mich offen gesagt so gar nicht interessierte. Danach wurden wir in unsere Klassen geführt und dann ging es endlich nach Hause, wo ich mich dem widmen konnte, das am wichtigsten war: der Schultüte! Und vor allem natürlich den Süßigkeiten – alles andere war nebensächlich. Meine Mutter erzählt, ich hätte nach dem ersten Schultag gesagt: Das war ja ganz nett, aber morgen gehe ich wieder in den Kindergarten, da ist es nicht so langweilig.«
Sabine Hartmann: Nie wieder kurze Haare!
Bemerkenswert finde ich, dass meine Einschulung an der Bachschule genau den gleichen Ablauf hatte wie später bei meinen Kindern. So wurden bereits wir durch einen Vortrag älterer Schüler willkommen geheißen. Als Septemberkind kam ich schon mit fünf Jahren in die Schule, aber das wollte ich auch unbedingt: Den Kindergarten fand ich mittlerweile äußerst langweilig. Umso aufregender war dann der erste Schultag. Allerdings hatte mich meine Mutter, um mir etwas Gutes zu tun, zum Friseur geschickt. Das Resultat war entsetzlich. Ich habe fürchterlich geweint, weil meine Haare so kurz waren. Danach habe ich übrigens nie wieder kurze Haare getragen.
Reinhard Schauwienold: Schulstart in friedliche Zeiten
Es war Sommer – nicht irgendeiner. Einer, wenige Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. Ein sonnenüberfluteter erster Schultag, flirrende Luft. Es war das Jahr 1949, das Jahr der Verabschiedung des Grundgesetzes. Die obligatorische Schultüte war kaum gefüllt, vermisst wurde dennoch nichts. Was damals niemand ahnen konnte: Was aus heutiger Sicht zunächst als fehlende Prosperität erscheinen mochte, wurde eingetauscht mit einer Friedenszeit, die Deutschland in dieser Form in den letzten Jahrhunderten nicht erlebt hat.
Erika Killing-Overhoff: dicker Lehrer und ›dicke Freundinnen‹
Was habe ich mich auf die Schule gefreut, konnte es kaum abwarten! Ich wurde in Duisburg eingeschult, mein erster Klassenlehrer hieß Frohberg – und der war auch so: groß, dick und froh. Schule hat Spaß gemacht, das Lernen genauso. Vom ersten Tag an hatte ich eine ›beste Freundin‹. Alles toll! Die Hausaufgabe am Einschulungstag: Häs-chen und Ostereier malen. Kurz bevor das erste Heft voll war, musste meine Mutter die eifrige Tochter stoppen, das wurde ihr wohl zu
teuer ...
Ein paar Jahre später sah das dann grundlegend anders aus: Die Klassenlehrerin in der Sexta (5. Klasse) auf der Schillerschule in Witten war klein, dünn und übellaunig (den Namen des ›Fräuleins‹ verrate ich mal nicht). Die steil begonnene Schulkarriere wurde recht holprig. Nie wieder haben meine Eltern versucht, mich von den Schularbeiten abzuhalten.
Der Talkmaster trifft auf der Straße seine alte Lehrerin. Sie zu ihm: »Sie sind also jetzt beim Fernsehen?!« Darauf er voller Stolz: »O ja, SAT 1!!!« Darauf sie: »Von wegen, ich habe gestern Abend Ihre Sendung gesehen!
Bestenfalls 4 plus, mein Lieber!«
Otto Schluck: Metzger sind Süße!
Eins vorweg: Ein Foto habe ich leider nicht mehr und wenn ich eins hätte, glaube ich nicht, dass Sie es sehen möchten oder ich es zeigen will. Am Schultag selbst war ich stolz wie Oskar, aufgeregt und von Mama richtig fein angezogen. Allerdings ging es mir weniger ums Lernen als um die Knabbereien in der Tüte: Metzger sind halt süße Jungs. Doch ich hatte gerne Rechnen und Schreiben – aber Schönschrift, o weia! Ich wollte wohl früher eher Arzt werden.
Annette Hauptmann: Selber lesen ist blöd!
Wie war das denn noch? Ich versuch’s einfach mal. Stimmt: Ich war total aufgeregt – so viele neue Menschen, ein so großes Gebäude, das ging gar nicht. Aber ich hatte eine sehr liebe Lehrerin: Frau Hildebrand. Die hat uns ordentlich auf Vordermann gebracht. Lesen lernen war nicht so meine Sache, wenn’s nach mir gegangen wäre, hätte ich mir gern noch weiter vorlesen lassen. Insgesamt fand ich Schule immer sch…, bis auf Sport und Religion hätte man von mir aus alles streichen können. (Anm. d. Red.: Das Foto zeigt Annette Hauptmann bei ihrer ›Einschulung‹ zur Meisterschule. Vom ersten Grundschultag ist leider kein Foto mehr vorhanden.)
Sina Maria Sturm: Inlineskaten mit Tornister auf dem Rücken
Ob ich mich an meinen ersten Schultag erinnere? Ja klar! An dem Tag hatte ich nämlich auch Geburtstag. Übrigens das einzige Mal, dass mein Geburtstag nicht in die Ferien fiel. Das Beste war natürlich die Schultüte, die war spannender als die ganze Einschulung. Und die Inline-Skater! Die mussten unbedingt sofort ausprobiert werden – mit Tornister auf dem Rücken, versteht sich!
Antje Dittrich: Sag mir wo die Blumen sind
Ein aufregender Tag. Vorab hatte ich eine Einladung erhalten, verziert mit einer handgemalten Blume. ›Bald ist dein erster Schultag. Bringe diese Karte mit …‹ Gesagt, getan. In der Schule hieß es dann von unserer Klassenlehrerin Frau Marks: »Sucht euch doch mal euren Platz. Ihr findet ihn bestimmt. Auf eurem Schultisch ist nämlich das gleiche Blümchen wie auf eurer Einladung.« Alles stürmte los und eilte zielsicher Richtung Blume, bzw. Sitzplatz – nur ich konnte meine Blume nicht finden. Auch eine logische Herangehensweise war mir so gar nicht möglich, sonst hätte ich ja vielleicht geschlussfolgert, dass – Blume hin oder her – der letzte freie Platz der meinige sein müsse. Schließlich führte Frau Marks mich zu meinem Stuhl. Puh, war mir das peinlich. Aber den Rest des Tages war ich stolz hoch drei und erklärte nachmittags meinen verdutzten Eltern, ich müsse jetzt erst einmal Schulaufgaben machen. Pure Erfindung. Nun ja, dieser Arbeitseifer ließ dann irgendwann auch rapide nach. Aber an Frau Marks denke ich noch oft. Eine tolle Frau und wunderbare Lehrerin.
Pia Lüddecke (re.): Kribbeln im Bauch und stolzgeschwellte Brust
Dieses Kribbeln im Bauch werde ich nie vergessen: Zum ersten Mal ging es in die Schule! Darauf hatte ich mich monatelang gefreut! Zusammen mit gleichaltrigen Kindern in einer Klasse sitzen, neue Freunde finden und vor allem: endlich Lesen und Schreiben lernen! Gleichzeitig war es aber auch ziemlich unheimlich, die Aussicht auf freche Mitschüler, rigide Lehrer und strenge Beurteilungen, dies alles trieb mir trotz aller Vorfreude den Schweiß auf die Stirn. Und als es schließlich so weit war, ich mich von Papa und Mama trennen musste, um ganz allein in einem Pulk fremder Kinder meinen Platz zu finden, hatte ich zugegebenermaßen ziemliches Muffensausen. Da half auch die riesige Schultüte nichts! Zum Glück waren da diese netten Zwillinge, mit denen ich mich noch am selben Tag anfreundete. So aufgeregt ich anfangs gewesen war, am Ende meines ersten Schultages verließ ich die Klasse mit stolzgeschwellter Brust. Ich hatte meine ersten Schulfreunde gefunden – alles andere war jetzt ein Klacks!
Laura Rumberg: Schulgottesdienst mit Pippi Langstrumpf
Mein erster Schultag? Ich weiß das gar nicht mehr so genau. (Das ist immerhin zwölf Monate her! Anm. d. Red.) Ich hatte einen bunten Rock mit Pink und eine weiß-rosa-karierte Bluse an, das fand ich schön. Zuerst war ein Schulgottesdienst mit Pippi Langstrumpf. Und natürlich eine Schultüte, richtig groß mit richtig viel drin: Apfel, Schlamperl mit Bleistiften, Süßigkeiten … Nachmittags gab es dann Kuchen und Kaffeetrinken mit der ganzen Familie. Ich habe mich schon lange auf den Unterricht gefreut, am meisten auf Mathematik, das braucht man nämlich zum Rechnen!
Axel Sieling: mütterliches Schreiben, resolutes Rechnen
Ich habe noch ganz genau meinen Tornister vor Augen: aus rehbraunem Leder mit ganz schmalen Riemen. Das Besondere an meiner Schule war, dass es sie eigentlich noch gar nicht gab. Die Grundschule Schraberg in Herdecke wurde nämlich erst noch gebaut. Und so befand sich unser Klassenraum im ›Pavillon‹. Schreiben lernte ich bei Frau Ehlert, einer sehr netten, mütterlichen Lehrerin. Dafür war unsere Rechenlehrerin umso resoluter! Überhaupt herrschte damals noch eine andere Gangart: Beim Klingeln mussten wir uns in Zweierreihen aufstellen und an den Händen fassen und auch zur Begrüßung des Lehrer war ganz klar ›Aufstehen‹ angesagt.
Sina Währisch: grün-lila Schultüte zum grünen Tornister
Der erste Tag in der Erlenschule war wahnsinnig aufregend! Neue Schüler, neue Kinder, neue Eindrücke! Natürlich war ich auch neugierig, was in der Schultüte ist. Die war übrigens Grün-Lila, passend zum grünen Tornister. Der Inhalt bestand aus ganz vielen Süßigkeiten und einer dieser Plastikspiralen, die die Treppen ’runterlaufen konnten. Am Anfang fand ich meinen Platz in der Klasse nicht, das war nicht schön. Und ich weiß noch, dass wir uns alle vorstellen mussten. Den größten Eindruck hat aber das riesige Klettergerüst auf dem Spielplatz hinterlassen.
Stefanie Latzel: an die Hand genommen und nicht wieder losgelassen
Meine Eltern hatten sich für den großen Tag extra freigenommen, das fand ich super. Zeigte es mir doch, was für ein wichtiges Ereignis es war. Auch mein Bruder meinte, es sei cool, dass es endlich auch für mich losgeht. Er fand es vorher nämlich gar nicht gut, dass nur er früh aufstehen musste. Zunächst war ich unwahrscheinlich aufgeregt, aber meine Kindergartenfreundin wusste, dass wir in die gleiche Klasse kommen würden – das war dann schon sehr beruhigend. Und wir haben uns dann auch schon auf dem Schulhof getroffen, an die Hand genommen und nicht wieder losgelassen, auch nicht in der Klasse. So saßen wir dann glücklich nebeneinander. Überhaupt fand ich die Grundschule super. Ich fand es klasse, dass endlich etwas Neues losgeht und war auf dem Schulhof immer in Action unterwegs.



