Sport und Freizeit

Wer will die Welt von oben sehen?

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Kraxeln an der Kletterwand

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So fühlt man sich also als ›Klettermaxe‹! »Du musst schon loslassen«, hallt die Stimme von Bergsport- und Trackinglehrtrainer Dirk Zautke aus unendlichen Tiefen zu mir empor. Mit aller Macht klammere ich mich an den grünen Griff, der wie ein Rettungsanker aus der steilen Wand ragt. Eigentlich sind es nur acht Meter, doch von hier oben sieht die Welt da unten ganz schön klein aus. Dann – nach einigen endlosen Sekunden der Selbstüberwindung – lasse ich doch los und sinke langsam hinab. Eigentlich gar nicht so schlimm …

Wie es dazu kam: Im Herbst 2009 hat die Sektion Witten des Deutschen Alpenvereins in Kooperation mit der Blote-Vogel-Schule eine 95 qm große Indoor-Kletter- und Boulderwand in der Schulsporthalle installiert. Ab sofort können sich hier nicht nur Profi-Kletterer, sondern auch blutige Anfänger ›die Arme langziehen‹. Ich wage den Selbstversuch. Wenn man trickst und einfach alle Griffe in Reichweite benutzt, fällt der Aufstieg relativ leicht. Doch eigentlich sind die Routen farblich in verschiedene Schwierigkeitsgrade unterteilt, und da wird die Sache schon etwas komplizierter. Für Fortgeschrittene gibt es sogar einen ›Überhang‹, bei dem man in extremer Form gegen die Schwerkraft arbeiten muss.

»Wenn alles glatt geht, wird die Wand in Zusammenarbeit mit dem Verein bald auch im Schulbetrieb genutzt«, berichtet Rektorin Sabine Henke-Kohl. »Eine pädagogisch lohnenswerte Herausforderung«, wie Sportlehrer Niclas Kohl findet – er hat extra einen Kletterschein gemacht. »Es geht darum, den inneren Schweinehund zu überwinden und Selbstvertrauen zu fassen, aber auch, Verantwortung für andere zu übernehmen, z.B. beim gegenseitigen Sichern und beim so genannten ›Partnercheck‹.« »Klettern ist ein absoluter Teamsport«, bestätigt Dirk Zautke, der regelmäßig Outdoor-Klettertouren sowie Bergwanderungen betreut, z.B. in ausgewiesenen Klettergärten oder im Hohen Westerwald, wo die Sektion eine eigene Hütte managt. »Draußen gilt: Der Langsamste bestimmt das Tempo.«

Kraft und Kondition für die Touren können an der neuen Kletterwand optimal trainiert werden. Trotzdem, so der Trainer, sei alpines Klettern mit Indoor-Klettern keineswegs vergleichbar. »Am Berg hat man nicht 8 Meter ›Luft unterm Arsch‹, sondern 800 Meter!« Auf knackigen Höhenwegen mit Steigungen von bis zu 1.000 Metern sind Ausdauer und Trittsicherheit gefragt. »Da reicht es nicht, wenn du einmal in der Woche mit dem Dackel spazieren gehst. Man muss sich vorher fragen: Wie steht es mit meiner Kondition? Wie anspruchsvoll ist meine Route? Und vor allem: Wie sind die Wetteraussichten?« Experten wissen, dass in den Alpen auch im Sommer jederzeit mit Neuschnee zu rechnen ist. Eisige Gletscher und durch Steinschlag gefährdete Scharten bergen weitere Risiken.

»Fakt ist: Die Alpen sind kein Abenteuerspielplatz! Wer sich unvorbereitet nach draußen begibt, bringt sich in große Gefahr!« Doch genau dafür gibt es ja den Alpenverein: »Wir vermitteln die Basics, damit ein Bergsteiger sicher hinauf- und auch wieder herunterkommt!« Davon abgesehen sollte man sich als Greenhorn wohl ohnehin nicht gleich auf den Großglockner wagen, sondern lieber mit einer gemütlichen Bergwanderung anfangen.

Das Hallenklettern gehört dagegen zu den sichersten Sportarten überhaupt. Dafür sorgen die Ausrüstung sowie die Aufmerksamkeit des jeweiligen Partners, der vor jedem neuen Aufstieg Gurt, Knoten und Karabiner überprüft. Ich habe ›Blut geleckt‹ und probiere es noch einmal mit der grünen Route, um mir die Sporthalle der Blote-Vogel-Schule in acht Metern Höhe von oben an anzuschauen – nicht schlecht!

Jugend: Mi 16.30 Uhr–19.30 Uhr  (14-tägig)
Erwachsene: Do 17 Uhr–21 Uhr (wöchentlich)
Familien:  So 11 Uhr–15 Uhr (monatlich)
www.dav-witten.de

Artikel von S. 50 in Ausgabe 68 (7/2010)

Für die Fortgeschrittenen geht’s auf den Berg.