Soziales

Ohne Ehrenamt läuft gar nichts

Immer im Einsatz

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Blutspende, Rettungsdienst, Jugendrotkreuz, Katastrophenschutz, Selbsthilfegruppen – mehr als 400.000 Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich neben ihrem Beruf, dem Studium oder der Schule beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Gleich welchen Alters, Geschlechts, welcher Hautfarbe und Religion: Sie alle helfen Menschen, unterschiedslos, dort wo die Not am größten ist. Dabei sind die Einsatzbereiche derart vielfältig, dass bereits ein ehrenamtliches Portrait des Roten Kreuzes hier in Witten ganze Dokumentationsfilmreihen füllen würde. Und so haben wir uns in dieser Ausgabe des Stadtmagazins auf eine besondere Gruppe konzentriert: die Einsatzdienste und den Katastrophenschutz, den größten und zugleich bekanntesten Teil des komplexen Hilfeleistungssystems des DRK.

Jeder weiß, was zu tun ist
Ohne sie läuft gar nichts! Wir möchten nicht wissen, wie ein Unfall mit vielen Verletzten, ein Zugunglück, eine Explosion oder Überschwemmung ohne die verlässliche, kompetente und vor allem schnelle Hilfeleistung der ›Rot-Jacken‹ verlaufen mag – jederzeit können wir auf die Einsatzeinheiten des Deutschen Roten Kreuzes vertrauen. Eine Sicherheit, die neben dem persönlichen Einsatz der Helfer nicht zuletzt auch auf Erfahrung und straffer Organisation basiert. Hier weiß jeder, was im Falle eines Falles zu tun ist. »Eine Einsatzeinheit besteht aus vier Gruppen: dem Führungstrupp, der Sanitätsgruppe, dem technischen Dienst und der Betreuungsgruppe, insgesamt sind wir in der Lage, dreifaches Personal für unsere Einsatzeinheit zu stellen«, erklärt Christian Schuh, selbst Mitglied der Einsatzeinheit und seines Zeichens Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Kreisverbandes.

»Wir werden da eingesetzt, wo wir gebraucht werden«
Eine Einsatzeinheit, das bedeutet 33 Männer und Frauen, 10 Fahrzeuge und jede Menge medizinisches und technisches Equipment, die innerhalb kürzester Zeit nach Eingang eines Notrufs parat stehen. »Unsere Arbeitgeber unterstützen unseren Einsatz und stellen uns in Notfällen frei«, so Christian Schuh. Sobald also der ›Pieper‹ Alarm schlägt, eilen die Einsatzkräfte herbei – aus Annen, Herbede, Stockum, Langendreer, Dortmund oder Gelsenkirchen – jeder so schnell er kann. »Die Einsatzeinheit setzt sich in Bewegung, sobald sie komplett ist, sprich alle Schaltstellen und Funktionen mit den dafür ausgebildeten Kameradinnen und Kameraden besetzt sind. Bei einem größeren Einsatz fahren wir spätestens 20 bis 25 Minuten nach Notrufeingang los, bei kleineren Einsätzen oder in speziellen Lagen, für die nicht alle Spezial-Gruppen benötigt werden, sogar erheblich zügiger. Viele von uns haben die Qualifikation für mehrere Tätigkeiten. Wir werden da eingesetzt, wo wir gebraucht werden«, erläutert der 29-Jährige.

Drachenbootrennen, Zwiebelkirmes und Co.
»Natürlich ist es nicht immer nötig, dass der komplette Tross ausrückt«, erklärt Wilm Ossenberg-Franzes, Kreisrotkreuzleiter und damit ›Chef‹ Wittens Ehrenamtlicher. »Oftmals reicht der Sanitätsdienst, der ja auch bei den bekannten Großveranstaltungen präventiv vor Ort ist – Drachenbootrennen, Zwiebelkirmes, Herbeder Oktoberfest, Schauspiel- oder Comedyveranstaltung im Saalbau und, und, und.« Aber auch die ›Kochgruppe‹ kennen viele glücklicherweise hauptsächlich von zivilen Einsätzen, vom Erbsensuppenstand auf dem Weihnachtsmarkt oder der Verpflegung beim Triathlon, ebenso wie der technische Dienst bei privaten und öffentlichen Veranstaltungen Zelte, Tische und Bänke aufstellt. »Größere Notfälle erfordern jedoch eine umfassendere Versorgung und Koordination der einzelnen Bereiche. So stellt zunächst der Führungstrupp die Kommunikation mit der übergeordneten Führungsstelle und benachbarten Einheiten sicher, nimmt Einsatzaufträge entgegen, teilt die einzelnen Gruppen ein und trägt Sorge für Verstärkung, Ergänzung und Ablösung der Teileinheiten«, berichtet Wilm Ossenberg-Franzes. »In solchen Fällen fallen natürlich auch für den technischen Dienst weitergehende Aufgaben an: z.B. die Einrichtung von Notunterkünften, das Betreiben von Netzersatzanlagen sowie das Verlegen von Strom und Wasserleitungen und vieles mehr. Der Verpflegungsdienst sorgt dafür, dass Betroffenen, Verletzten und auch den Einsatzkräften selbst zu jeder Tages- und Nachtzeit Getränke und warme Mahlzeiten angeboten werden können. Dazu kommt, wenn benötigt, eine darüber hinausgehende psychosoziale Betreuung. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal des DRK ist, dass Wagen und Gerätschaften, die sonst in ›alltäglichen‹ Bereichen eingesetzt werden, im Notfall sofort ihren Dienst antreten können, wie z.B. der Lkw, der dann statt Altkleidern Notbetten transportiert.«

Für jeden ist etwas dabei
Ehrenamtliche Helfer beim Roten Kreuz, was sind das für Menschen? »Wir sind ein buntgemischter Haufen von 16 bis 76 aus allen Berufsgruppen; Jurist, Friseurin, Ärztin, Hausfrau, Schlosser«, lächelt Christian Schuh, im ›sonstigen‹ Leben übrigens Kinderkrankenpfleger und Medizinstudent. »Das Schöne bei uns ist: Für jeden ist entsprechend seinen Fähigkeiten und Neigungen etwas dabei, ob handwerklich, am Kochtopf oder am Computer. So mancher Neuzugang brachte sich auch durch eigene Vorschläge ein. Dabei finden die Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen den Weg zu uns. Die einen sind technisch interessiert und wollen anderen helfen. Andere kommen über den Ersatzdienst, leider wird diese Gruppe in Zeiten von Wehrdienstverkürzungen immer kleiner. Weitere wiederum schätzen es, eine gute Gemeinschaft mit einer sinnvollen Arbeit zu verbinden.«

Unentgeltlich, aber nicht umsonst
Fazit: Als Ehrenamtler bekommt man zwar kein Geld, dafür aber eine Menge von Vorteilen geboten: das Miteinander mit interessanten Menschen, das Wissen, wichtige und wertvolle Arbeit zu leisten, neue Erfahrungen und nicht zuletzt auch Spaß und Abwechslung. Wilm Ossenberg-Franzes ergänzt: »Das ist aber längst nicht alles. Das DRK bietet ein großes Potential an Qualifikationsmöglichkeiten. Das beginnt mit dem obligatorischen 1. Hilfe-Kurs und beinhaltet weiterführende Ausbildungen in unterschiedlichsten Bereichen. Jeden 2. Montag findet bei uns eine Ausbildungseinheit statt. Übrigens eine hervorragende Möglichkeit, mal vorbeizuschauen und in unsere spannenden Tätigkeiten hineinzuschnuppern. Wir freuen uns immer über Interessenten und können jede helfende Hand gut brauchen.«

Lust sich zu engagieren? Lust auf Ehrenamt?
Weitere Informationen geben die Mitarbeiter-Innen der DRK-Zentrale in Witten
Tel. 0 23 02 / 9 10 16-0
oder Sie schnuppern in den DRK-Blog
www.drk-witten.de/blog.html
Hier gibt es viele interessante Details zum Alltag eines Ehrenamtlers.

Artikel von S. 28 in Ausgabe 68 (7/2010)

Christian Schuh (rechts) war schon bei Auslandseinsätzen auf den Philippinen, in Zimbabwe, Afghanistan und Haiti für das Rote Kreuz tätig. Hier im Einsatz mit seinem Kollegen Ingo Edelmann.Benedikt Kurz, Sarah Schulé und Semih Agcaer überprüfen einen Notfallrucksack vor dem Sanitätsdienst ›Kemnader See in Flammen‹.Die Einsatzeinheit des DRK Witten im Dezember 2008Viele kennen den Versorgungsdienst glücklicherweise eher von ›zivilen‹ Einsätzen wie hier bei der Verpflegung von Triathleten.Eine Einsatzeinheit besteht aus 33 Männern und Frauen sowie 10 Fahrzeugen.