Stadtmagazin Witten: In der Stadt

Wo es dunkel und staubig ist …

Foto(s) zum Vergrößern anklicken

Quellenangabe in den Vergrößerungen

›Korfmänner‹ sorgen in Tunneln und Bergwerken auf der ganzen Welt für Frischluft

Im Sommer 2016 wurde der Gotthard-Basistunnel eröffnet. Die 57 Kilometer lange Schnellstrecke führt mitten durch das legendäre Gotthard-Massiv. Tausende Ingenieure und Bergarbeiter waren rund 20 Jahre im Einsatz, um den längsten Eisenbahntunnel der Welt fertigzustellen. Unter ihnen auch die Experten der Korfmann Lufttechnik GmbH.

Von Spitzbergen bis in die Wüste

»Unsere Projekte führen uns rund um den Globus, in alle Klimazonen«, berichtet Diplom-Ingenieur Jens Kegenhoff, Geschäftsführer des renommierten Wittener Unternehmens. »Von Spitzbergen, wo wir die Gerätschaften mit dem Schlitten über Schnee und Eisgletscher transportieren mussten, durch die russische Steppe bei Minus 40 Grad, den südamerikanischen Dschungel oder eben die Schweizer Alpen bis ins Tal der Könige in der ägyptischen Wüste.« Frische Luft ist auf der ganzen Welt gefragt. »Überall, wo Tunnel gegraben oder Rohstoffe unterirdisch gefördert werden, kommen wir ins Spiel«, erklärt Jürgen Fritsch, Geschäftsführender Gesellschafter.

Eine bewegte Geschichte

Dabei greifen die Profis auf die Erfahrungen aus über 100 Jahren Bergbaugeschichte zurück. Bereits 1880 wurde die ›Maschinenfabrik Korfmann‹ in Witten als Familienunternehmen gegründet. In den 1930er-Jahren ging der erste Ventilator in Betrieb. 2001 musste der traditionsreiche Bergbauzulieferer mit Sitz an der Dortmunder Straße Konkurs anmelden. Fünf engagierte Mitarbeiter und zwei externe Partner kauften aus der Insolvenzmasse den florierenden Geschäftszweig des Ventilatorenbaus auf – mit dem umfassenden Know-how, der gesamten Hardware sowie dem international bewährten Markennamen: Die Korfmann Lufttechnik GmbH war geboren.

»Wir begleiten Bauprojekte mit lufttechnischen Speziallösungen«

Inzwischen haben die Lüftungsspezialisten ihr Hauptquartier nach Stockum verlegt. Im Betriebsgebäude an der Hörder Straße entwirft ein 20 Mann starkes Team individuelle Ventilatoren und Belüftungsanlagen für den Bergbau und Tunnelbau. Produziert wird bei der Partnerfirma CFT in Gladbeck. »Sämtliche Alpentunnel wurden in der Bauphase mit unseren Systemen belüftet – und ausschließlich in der Bauphase«, so Jürgen Fritsch. »Für befahrene Tunnel sind andere Geräte nötig.« Auch beim Bau beziehungsweise bei der Sanierung von Parkhäusern, Flughäfen sowie unterirdischen Bewässerungs- und Kavernensystemen werden die Wittener Experten zu Rate gezogen. Des Weiteren finden die korfmannschen Lüfter weltweit in Salz- und Steinkohlebergwerken, Erz- und Goldgruben Verwendung. »Wir begleiten unsere Kunden bei der kompletten Konzeption und Durchführung ihrer Projekte mit lufttechnischen Speziallösungen.« Dies sei eine Frage der Sicherheit ebenso wie der Energiekosten: »Durch weitsichtige Planung lassen sich bei Großmaßnahmen unter Umständen mehrere Millionen Euro einsparen.«

Gefahr durch explosive und ätzende Gase

Unter Tage, wo es dunkel und staubig ist, werden die Profis mit ganz besonderen Herausforderungen konfrontiert. »Zum einen bestehen vielfältige gesetzliche Vorschriften zu Immissions-, Arbeits- und Zivilschutz, etwa im Hinblick auf Staub- und Dieselgrenzwerte oder Wärmebelastung«, weiß Jens Kegenhoff. »Zum anderen sorgt die Geologie vor Ort für schwierige Arbeitsbedingungen: Beispielsweise können sich in den verschiedenen Gesteinsschichten ätzende oder brennbare Erdgase bilden. In schlagwettergefährdeten Bereichen kann ein Funke eine Explosion auslösen. Je tiefer wir ins Erdinnere vorstoßen, desto heißer wird es. Um hier Frischluft zu erzeugen, benötigen wir hoch spezialisierte, extrem widerstandsfähige und absolut funkenfreie Geräte, mit denen wir die Atmosphäre herunterkühlen, entsanden und entstauben können.«

Gotthard-Tunnel: 150 unterirdische Kilometer

Darüber hinaus macht der fortschreitende Bau selbst wechselnde Belüftungsstrategien erforderlich. »In einem Steinkohlebergwerk muss die Luft über weite Strecken durch schmale Tunnel gepumpt werden, hierbei können stellenweise hohe Drücke entstehen. Allerdings können wir den Druck nicht beliebig erhöhen, weil sich sonst Türen nicht mehr öffnen lassen würden. Es müssen also gegebenenfalls Luftschleusen eingerichtet werden.« Da jede neue Öffnung und jedes zusätzliche Tor das nötige Luftvolumen verändern, müssen Luftdruck und Luftmenge ständig neu berechnet und reguliert werden. Als Paradebeispiel dafür dient der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz. Die Nord-Süd-Route unterquert die Alpen auf zweimal 57 Kilometern. »Doch insgesamt mussten wir rund 150 unterirdische Kilometer belüften«, verrät Jens Kegenhoff. Der Grund: »Alle 300 Meter sind die beiden Hauptröhren durch Querstollen verbunden, dazu kommen weitere Zugangs- und Rettungswege für den Notfall.«

»Unsere Ventilatoren eignen sich nicht für den Hausgebrauch«

In enger Abstimmung mit ihren Auftraggebern passen die Wittener Ingenieure ihre Systeme an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten an. Die technische Bandbreite reicht vom handlichen kleinen Hilfslüfter bis hin zur tonnenschweren Anlage in mehrstufiger Bauweise. Wobei der Begriff ›klein‹ relativ ist. »Unsere Ventilatoren eignen sich definitiv nicht für den Hausgebrauch«, stellt Jürgen Fritsch mit einem Schmunzeln klar. Immer mal wieder gebe es derartige Anfragen, die man leider ablehnen müsse. »Einmal meldete sich eine Pommesbude. Allerdings produzieren selbst unsere einfachen Geräte einen halben Kubikmeter Luft pro Sekunde. Und unsere leistungsstärksten Systeme kommen pro Sekunde sogar auf 400 Kubikmeter. Da würde das Schnitzel an die Decke fliegen.«

50er-Jahre-Lüfter bis heute in Betrieb

Und was passiert mit der modernen Belüftungstechnik, wenn ein Tunnel vollendet oder ein Bergwerk geschlossen wird? »Dann bauen wir alles wieder ab«, erklären die beiden Firmenchefs. Wenn möglich werden die Geräte im Anschluss auf einer anderen Baustelle eingesetzt. »Oder wir kaufen sie zurück und stocken damit unseren Mietpark auf.« Bis es so weit ist, können Jahrzehnte vergehen. »Unser ältester funktionstüchtiger Lüfter stammt aus den 50er-Jahren und sorgt bis heute in einem Bergwerk für gute Frischluftzufuhr.«

Korfmann Lufttechnik GmbH

Hörder Straße 286 · 58454 Witten
 Tel. 0 23 02 / 1 70 20
www.korfmann.com