Stadtmagazin Lünen: In der Stadt

Auf verwunschenen Pfaden

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Frühlingsspaziergang rund um Alstedde

Sobald die Sonne scheint, erwacht in uns dieses kleine Fünkchen Abenteuerlust: einfach mal wieder vor die Tür gehen, neue Pfade abseits der großen Straßen ausprobieren, ja, das wäre was … Wir wollten es wissen, haben die Kamera geschultert und sind wagemutig drauflosmarschiert.

Im hohen Norden von Alstedde – unterhalb der Stelle, wo der Krempelbach den Römerweg unterquert –, beginnt ein schmaler Trampelpfad, der entlang der Gleise schnurgerade Richtung Osten verläuft. Der Boden ist noch etwas matschig und vom Laub des Winters bedeckt, aber einige Sträucher stehen schon in voller Blüte. Sobald wir in den Schatten der Bäume eintauchen, umgibt uns ein fröhliches Vogelkonzert. Zitronenfalter flattern durch die warme Luft, Mäuse rascheln im Unterholz. Hier hämmert ein Specht seinen Takt in das schroffe Holz, dort rast ein Eichhörnchen einen knorrigen Ast empor. Als ob die gesamte Waldbewohnerschaft auf den Beinen ist, um den anbrechenden Frühling zu begrüßen. Menschen begegnen uns nicht, doch Abfälle im Gras zeugen davon, dass dieses hübsche Fleckchen Natur auch von Zweibeinern regelmäßig heimgesucht wird. Schade eigentlich.

An der Landwehr erleben wir eine wollige Überraschung: Was da auf der Weide so friedlich grast, sind nicht etwa Schafe, sondern südamerikanische Alpakas. Wie kommen die denn hierher nach Lünen? Google gibt Aufschluss: Die Familie Busemann betreibt auf ihrem Hof eine Alpakazucht.
Am südlichen Rand von Alstedde gibt es ebenfalls viel zu entdecken. Wer mit dem Auto kommt, kann auf dem großen öffentlichen Parkplatz am unteren Ende der Straße ›am Heikenpark‹ (nahe der Tennisplätze) parken und von hier aus einen der schönsten Spazierwege der Gegend beschreiten. Der erste Blick fällt auf die Rückseite des ehemaligen Hofes Schulze-Pelleringhoff (später Hof Reygers). Einst soll es hier gespukt haben …

Die Fußroute folgt dem Verlauf des Baches, der sich durch eine nahezu urtümlich anmutende Waldlandschaft windet: Zarte Efeuranken klettern an klobigen Stämmen empor. Zwischen den Wurzeln der Bäume breiten sich weiße Buschwindröschen wie Feenstaub aus. Am feuchten Ufer wächst gelb blühendes Scharbockskraut.

Irgendwann informiert uns eine Schautafel, dass wir das ›Naturschutzgebiet Lippeaue‹ erreicht haben. Die 216 Hektar große Flusslandschaft reicht von Lünen im Osten bis zur Schleuse Horst im Westen und bietet zahlreichen schützenswürdigen und europaweit geschützten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum: In den Gewässern tummeln sich Flussneunaugen, Muscheln und Kammermolche. Zwergtaucher, Haubentaucher, Eisvogel, Uferschwalbe, Nachtigall, Teichrohrsinger sowie verschiedene Gänsearten brüten entlang der Lippe­ufer. Im Sommer kann man mit etwas Glück sogar eine Greifvogelart namens Rohrweihe und sogar Fledermäuse antreffen.

Bald macht der Wald ausgedehnten Weiden und Wiesen Platz. In der Ferne sehen wir zottelige Rindviecher über das Gras trotten. Können das etwa Bisons sein? Und auch einige menschliche Wesen nutzen die wunderschöne Strecke, um Sonne zu tanken, ihre Hunde auszuführen und das eine oder andere Abenteuer zu erleben. Fazit: Empfehlenswert!