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Motorbootclub Lünen e.V.

»Sie tuckern so vor sich hin und lassen die Landschaft vorbeirauschen«

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»Sie tuckern so vor sich hin und lassen die Landschaft vorbeirauschen«

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Der Boden schaukelt. So sanft, dass nicht einmal der Kaffee in den Tassen überschwappt. Und dann ertönt wieder dieses eigenwillige Knarzen, mit dem sich das Boot gegen die Box drückt. Als wollte es sagen: ›Wir hängen hier schon viel zu lange fest, lasst uns endlich ablegen!‹

»Nächste Woche geht es wieder los Richtung Niederlande«, lächelt Manfred Sinkovic. Der zweite Vorsitzende des Lüner Motorbootclubs ist ein echter Seebär – oder sollte man sagen: Kanalratte? Jedenfalls ist er mit seiner ›MY Chevignon‹, einem zwölf Meter langen ehemaligen Polizeiboot, lieber auf den Wasserstraßen denn auf hoher See unterwegs. »Im Meer haben Sie stundenlang nur Wasser und Wind um sich. Auf den Kanälen hingegen gibt es viel zu sehen: Menschen am Strand, Fahrradfahrer, Häuser und Grachten. Sie tuckern so vor sich hin und lassen die Landschaft vorbeirauschen.« Deshalb rechnet Manfred Sinkovic auch nicht in Knoten und Seemeilen, sondern – wie in der Binnenschifffahrt üblich – in Kilometern. Rund 2.000 waren es im letzen Jahr. Und das, obwohl auf dem Kanal nur gemütliche 12 km/h erlaubt sind. »Meine Frau und ich haben viel Zeit und die verbringen wir am liebsten in voller Fahrt. Das ist wie ein Virus, der einen infiziert und dann nicht mehr loslässt!«

Für die vielen Reisen der Hobbyskipper ist der Hafen des MBC Lünen an der alten Schachtschleuse Henrichenburg in Datteln der perfekte Ausgangspunkt. Die Anlage befindet sich direkt am Dortmund-Ems-Kanal KM 15,8 – »wo der Rhein-Herne-Kanal endet und der Dortmund-Ems Kanal, aus Dortmund kommend, seinen Lauf nach Norden fortsetzt.« Seinen Ursprungssitz hatte der Motorbootclub ab 1975 zunächst am Datteln-Hamm-Kanal auf Lüner Stadtgebiet. 1991 zog der Verein dann in die neu errichtete Hafenanlage in Datteln um. Hier, im Schatten des Schiffshebewerks, findet sich alles, was gerne ›eine Handbreit Wasser unterm Kiel‹ hat, vom offenen Schlauchboot mit Außenborder über den Superflitzer mit 2 x 260 PS bis hin zur 14 Meter langen Luxusyacht. Seit 2009 weht über allem die blaue Flagge für eine besonders umweltfreundliche Ausstattung. Zuständig für die Vermietung der 50 Liegeplätze, die übrigens auch an Gastlieger vergeben werden, ist Hafenmeister Manfred Kusmat, die ›gute Seele‹ des Vereins. Meist findet man ihn auf seinem Boot ›MY Seestern‹, »das Schiff, auf dem die Frau fehlt«, wie der 70-jährige Witwer schmunzelnd verrät. »Boot fahren macht alleine keinen Spaß – schon aus praktischen Gründen: Beim Anlegen oder in der Schleuse fehlt einfach eine helfende Hand.«

Abenteuerlustig müsste die Dame schon sein – schließlich sind es von Henrichenburg nur sieben Schleusen bis Amerika! Die meis-ten der Vereinskollegen zieht es im Sommer allerdings eher nach Berlin oder Holland. »Sie nehmen den Dortmund-Ems-Kanals, bei Hörstel kommen Sie dann in den Mittellandkanal über Hannover und Brandenburg in die Havelkanäle bis zur Hauptstadt. Oder Sie schippern durch den Rhein-Herne-Kanal bis Duisburg, fahren von dort über den Rhein bis Rotterdam und von da geht’s durch die Seeschleuse ins offene Meer. Sie können aber auch über den Rhein bis Koblenz und dann über die Mosel bis Frankreich fahren!« Mit Gattin Marie-Luise kann Manfred Sinkovic es schon mal zwei  Monate an Bord aushalten. »Der Weg ist unser Ziel! Und wir haben ja alles, was wir brauchen: Platz, Fahrräder für unsere Landausflüge, Dusche, Toilette und einen Fernseher! So können wir die ganze Welt vom Boot aus kennenlernen.«

Übrigens …
Den Motorbootführerschein gibt’s zwar erst ab 16, doch der MBC Lünen hat trotzdem eine Jugendabeilung. Trainiert wird im Hafen des AMC Castrop-Rauxel. Hier können schon die Kleinsten Manöver und Knoten üben und im Schlauchbootslalom durch die Parcours flitzen.

Motorbootclub Lünen e.V.
Provinzialstr. 8 · 45711 Datteln
Tel. Hafenmeister: 01 52 / 08 82 17 73
www.mbc-luenen.de

Artikel von S. 29 in Ausgabe 60 (8/2011)

Manfred Sinkovic und Manfred Kusmat»Sie tuckern so vor sich hin und lassen die Landschaft vorbeirauschen«