Starke Mädchen
Puppen spielen, das war mal! Die Mädels von heute tragen kurze Hosen, haben Schrammen an den Knien und einen kräftigen Schuss. Beim Lüner BV trafen wir auf eine bunte Mädchentruppe, die eines gemein hat: die Liebe zum runden Leder!
Lisa gehört in der D-Jugend quasi schon zum ›alten Eisen‹. Vor fünf Jahren wurde sie von einer Freundin mit dem ›Fußball-Fieber‹ angesteckt und verbringt seitdem jede freie Minute auf dem Bolzplatz. »Wir haben ständig mit den Jungs auf dem Schulhof gepölt. Anfangs war es schon schwierig sich durchzusetzen, aber durch das Training im Verein wurden wir immer besser – besser als einige Jungen. Die haben das natürlich gemerkt und plötzlich wurden wir immer zuerst in die Mannschaften gewählt!«
Seit zwölf Jahren gibt es beim BV 1905 Lünen Damenfußball, seit vier Jahren wird auch eine Gruppe für Mädchen (U12) angeboten. »Damals wollten wir mit einer F-Jugend-Mannschaft bei den Kreismeisterschaften starten«, erinnert sich Geschäftsführer Detlev Eppmann. »Weil nicht genug Teams gemeldet waren, ließ man gemischte Mannschaften zu. Unsere Mädels mussten zuerst gegen eine reine Jungenmannschaft spielen und haben sogar ein Tor geschossen – dafür aber hundert rein bekommen!« Dann doch lieber Puppenspielen? »Keineswegs! Sobald ein Junge aus den Windeln raus ist, bekommt er seinen ers-ten Ball geschenkt. Mädchen sind dagegen meist etwas älter, wenn sie den Sport für sich entdecken, und müssen daher erst einmal ihr Ballgefühl entwickeln. Das heißt aber nicht, dass sie weniger begabt sind und diesen Rückstand nicht aufholen könnten!« Was den Lünerinnen bei ihrem ersten Turnier an Technik fehlte, machten sie durch Einsatz wett. »Dass die Mädchen nicht aufgegeben und bis zum Ende mit Enthusiasmus gespielt haben, hat auch den Gegnern imponiert!«
Inzwischen sind die F-Juniorinnen von einst in die D-Jugend (Jg. 1998/1999) gerutscht. Da neuer Nachwuchs spärlich gesät ist, werden jüngere Mädchen kurzerhand zu den ›Großen‹ aufs Feld gestellt. Marlene (7) ist einen guten Kopf kürzer als viele ihrer Mitspielerinnen. Auf die Frage, warum sie sich denn ausgerechnet für den Fußball entschieden habe, strahlt der Zwerg übers ganze Gesicht: »Weil ich nix anderes kann!« »Marlene spielt stark, aufgrund ihres Alters wird sie von anderen Teams aber oft unterschätzt«, weiß Trainerin Karin Eppmann und schmunzelt: »Bei einem Match haben die Gegnerinnen Witze gemacht. Aber unsere Jüngste war so flink, dass ihnen das Lachen schnell vergangen ist!« Auch die kleine Sarah (7) lässt sich beim Kampf um den Ball nicht die Butter vom Brot nehmen. Neulich hätte sie beinahe ein Tor geschossen – und das als Abwehrspielerin! »Früher wollten mich die anderen Kinder manchmal nicht mitspielen lassen. Dann haben die Lehrer das geregelt. Heute regele ich das manchmal auch schon selbst.« Ja, der Sport stählt nicht nur die Muskeln, sondern auch das Selbstbewusstsein!
Ein Spiel haben die Lünerinnen in dieser Saison schon gewonnen. Demnächst steht das traditionelle Match gegen die Fußballmütter an. Wer hier gewinnt, lässt sich nicht unbedingt vorhersehen. »Das hängt auch davon ab, wie ehrgeizig unsere Mütter sind«, lächelt Miriam Eppmann. Die 19-Jährige ist als Spielerin in der Damenmannschaft des Vereins aktiv. Als Trainerin will sie bis zur nächsten Kreismeisterschaft eine C-Jugend-Mannschaft aufbauen. »Um den D-Juniorinnen, die bald zu alt für das Team sind, eine Perspektive zu bieten.« Gesucht werden weitere Spielerinnen im Alter von 14 oder 15 Jahren – mit oder ohne Fußballerfahrung. »Im Jahr der Frauenfußball-WM hoffen wir natürlich auf einen kleinen Hype!« Apropos WM – hier sind sich die Lüner Fußballmädchen einig: »Was die Männer können, schaffen wir Frauen erst recht!«





