In der Stadt

Zeche Minister Achenbach

Unter Tage

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Die Mannschaft der Zeche Minister Achenbach im Jahr 1902

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Wie ein Dinosaurier aus einer fremden Epoche prangt der wuchtige Ziegelsteinbau inmitten des grünen Gewerbegebietes Im Berge, direkt gegenüber dem berühmten Colani-Ei, welches heute an Stelle des Förderturms steht. Das imposante Hauptgebäude, heute Sitz des Lüner Technologiezentrums LÜNTEC, beherbergte einst die Direktions- und Verwaltungsräume der Zeche Minister Achenbach. Im Keller waren die Kauen für Steiger und Betriebsführung untergebracht. »Von hier gelangte man durch einen Gang zum Schacht 4, der in den 20er-Jahren abgeteuft worden war«, erzählt Wolfgang Schubert.

Er erinnert sich noch gut an sein ›erstes Mal‹: »Der Ausbilder verkündete: ›Jungs, bringt die doppelte Portion Butterbrote mit, morgen geht’s inne Grube!‹ Ich war 15 und erst einmal enttäuscht, als ich unten aus dem Korb stieg, denn die ›Grube‹ entsprach so gar nicht meinen Vorstellungen: Vor mir lagen sterile, von hellem Neonlicht ausgestrahlte weiße Tunnel. Doch dann fuhren wir mit der Diesellok zum Abbaubetrieb, was etwa eine halbe Stunde dauerte, und je weiter wir uns vom Schacht entfernten, desto staubiger, wärmer und schwärzer wurde es. Am Ende konnte ich nur noch staunen! Wenn man da unten die Grubenlampe ausschaltet, ist man absolut blind!«

Einmal Kumpel, immer Kumpel: Wolfgang Schubert ist Bergmann aus Überzeugung – daran hat sich seit seiner Pensionierung 2008 nichts geändert. Für seine Internet-  homepage hat der gebürtige Castrop-Rauxeler Bilder und historische Daten der Zeche Minister Achenbach akribisch zusammengetragen, auch ein Buch ist in Vorbereitung. »Schon mein Vater und mein Großvater waren Bergleute, ebenso Verwandte, Nachbarn und die Väter von Schulkameraden.« Was lag da näher, als ebenfalls auf dem Pütt anzufangen?
Aus Sicherheitsgründen wurden die angehenden Bergleute der Ruhrkohle AG zunächst in einem alten Luftschutzbunker auf ihren Einsatz unter Tage vorbereitet – unter fast realen Bedingungen, aber ohne Terminstress und Leistungsdruck. Erst als der junge Mann mit 18 ins ›Kohlerevier‹ in 1.000 Metern Tiefe kam, war es vorbei mit dem Welpenschutz. Er schmunzelt: »Da unten herrschen eigene Gesetze, das ist ein Kosmos für sich. Wir haben damals bis zu 6.000 Tonnen Kohle täglich abgebaut. Alle mussten an einem Strang ziehen. Der Umgangston war rau, aber wenn es drauf ankam, bestand ein guter Zusammenhalt. Und mit den richtigen Leuten hatte man trotz der knüppelharten Arbeit immer etwas zu lachen.«

Galgenhumor? Todesopfer forderte die Arbeit im Schoß der Erde auch auf Minister Achenbach. Nach einem alten Sprichwort gehört die Gefahr zum Kumpel ›wie die Kaffeepulle und die Grubenlampe‹. Wolfgang Schubert selbst verlor drei gute Freunde bei Grubenunglücken. Das geschah 1984, im Katastrophenjahr der Zeche mit zehn Todesfällen. Mit seinem Beruf gehadert hat der Bergmann deswegen aber nie: »Wie viele Menschen fahren Auto oder Motorrad, obwohl sie wissen, wie gefährlich das ist? Außerdem kann man viele Risiken vermeiden, indem man aufpasst und die Sicherheitsvorschriften befolgt.« Wie die mit dem Haarnetz: »In den 70ern hatte wir alle ›modische‹ Langhaarfrisuren. Da gab es auch schon mal den einen oder anderen Rüffel, wenn jemand zu eitel war, sein Haarnetz vorschriftsmäßig zu tragen!«

Wenn Wolfgang Schubert von seiner Zeit auf Minister Achenbach erzählt, hat er noch heute ein Glänzen in den Augen. »Der Bergbau hat mein Leben geprägt. Unter Tage habe ich eines ganz besonders gelernt. Egal ob Lüner oder Castrop-Rauxeler, Türke oder Deutscher: Auf sich allein gestellt ist man da unten eine Null. Was zählt sind Kameradschaft und 100-%ige Verlässlichkeit. Damit kann man alles erreichen!« Mit seinem Motorrad ist Wolfgang Schubert heute übrigens nur noch selten unterwegs. »Inzwischen fahre ich lieber Fahrrad!«

Artikel von S. 20 in Ausgabe 59 (6/2011)

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