Kunst und Kultur

Auf den Spuren der Geschichte

Denk mal!

Foto(s) zum Artikel

Zu den bekanntesten Baudenkmälern zählen sicher die Fachwerk-Wohnhäuser aus dem 17. Jh. im alten Quartier Mauerstraße-Silberstraße-Roggenmarkt.

Bitte das Foto anklicken

Sie stehen stolz auf einem Sockel oder ragen mit spitzem Dach in den Himmel empor, Glanz und Gloria vergangener Tage verströmend. Manchmal sind sie aber auch so unscheinbar, dass wir ahnungslos an ihnen vorbeispazieren. Denkmäler sind nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen, denn sie können uns in den verschiedensten Formen begegnen: als Baudenkmal (historische Bauten, aber auch Friedhöfe und Ehrenmale), als Industriedenkmal, als Bodendenkmal (z.B. archäologische Fundstellen) und sogar als Naturdenkmal. In den kommenden Ausgaben begeben wir uns auf die Spuren von Denkmälern in unserer Stadt.

Doch wie wird ein Gebäude zum Denkmal? Genaueres weiß Stadtplaner Johannes Kleffken, der bei der Stadt Lünen die untere Denkmalbehörde vertritt. »In jeder Epoche entstehen Bauten mit bestimmten Alleinstellungsmerkmalen. Entscheidend ist also nicht nur das Alter, sondern auch die Architektur und die Geschichte drumherum: Welche baulichen und historischen Besonderheiten gibt es?« Wenn die Kriterien erfüllt werden und ein öffentliches Interesse am Erhalt des Gebäudes besteht, erfolgt im Benehmen mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Eintragung in die Denkmalliste der Stadt. »Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass Kulturgüter und Naturerbe dauerhaft gesichert und nicht verfälscht, beschädigt oder zerstört werden«, erklärt Johannes Kleffken. Alle Maßnahmen zur Instandhaltung denkmalgeschützter Bauten laufen über seinen Tisch. »Verantwortlich ist an sich der Eigentümer. Sollte dieser nicht in der Lage sein, die Kosten zu tragen, müssen wir überlegen, was man tun kann.«

Bei den ältesten Denkmälern der Stadt handelt es sich aber keinesfalls um Gebäude, sondern um archäologische Fundstellen in Wethmar und Beckinghausen mit Relikten aus der römischen Kaiserzeit. Der älteste sakrale Bau ist die evangelische Stadtkirche St. Georg, deren bauliche Spuren bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückgehen. Zu den ältesten Wohn- und technischen Gebäuden gehören die Wassermühle des früheren Adelshauses Buddenburg (1760), der Spieker Haus Oberfelde (18. Jahrhundert) sowie die Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert im historischen Stadtkern. Das wohl prächtigste Lüner Denkmal, Schloss Schwansbell, wurde in seiner heutigen Form in den Jahren 1872 bis 1875 von Wilhelm von Westerholt errichtet. Die jüngsten Denkmäler, zu Beginn der 90er-Jahre in die Denkmalliste eingetragen, sind drei öffentliche neuzeitliche Gebäude aus den 50ern: das Rathaus, das Heinz-Hilpert-Theater und das Geschwister-Scholl-Gymnasium.

Wertvolle Höhlen, artenreiche Landschaftsgebiete sowie alte oder seltene Bäume und Pflanzen können zu Naturdenkmälern ernannt werden. Auf Lüner Boden finden sich zahlreiche solcher geschützten Gewächse, zum Beispiel die als ›Napoleonbuche‹ bekannt gewordene, 170 Jahre alte Rotbuche nördlich der Bergstraße. Herr Strunk, der auf dem benachbarten Hof lebt und seine ersten Treckerversuche in den umliegenden Feldern gestartet hatte, erzählt: »Als Kinder haben wir hier gespielt, im Schatten der mächtigen Krone gesessen und hinaufgeblickt. Wir konnten nicht glauben, dass es so etwas gibt: zwei Stämme, die oben zusammenwachsen. Für mich persönlich steckt der Baum voller Erinnerungen!«

Hinweis: Das 2010-Projekt ›Fremde Impulse‹ präsentiert verschiedene Baudenkmäler im Ruhrgebiet. Was erzählen sie über fremde Einflüsse auf Kunst und Baustile, Glaube und Herrschaft, Kapital und Technologie? Lünen wird mit den Projekten ›Fachwerk- und Kötterhaus‹, Laakstraße 45, sowie ›Pfarrkirche St. Marien‹ vertreten sein.

Artikel von S. 13 in Ausgabe 54 (8/2010)

Die denkmalgeschützte Napoleonbuche misst 18 Meter, hat zwei Stämme (Umfang 520 Zentimeter), einen Kronendurchmesser von 14 Metern und ist sogar im Stadtplan verzeichnet!Das Geschwister-Scholl-Gymnasium wurde vom berühmten Architekten Scharoun zwischen 1956 und 1962 in drei Bauabschnitten errichtet und wird derzeit instand gesetzt.