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Happy Quilting!

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Die Kulturbriefmarke als Quilt

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Ob Sticken, Nähen oder Steppen: Traditionelle Handarbeiten haben den Retro-Bonus! Wer heutzutage nach Nadel und Faden greift, der tut’s daher nicht mehr verschämt am heimischen Kamin, sondern in aller Öffentlichkeit: 2010 trifft der QUIP Day (Quilting In Puplic Day – ›Tag des öffentlichen Quiltens‹) am 19. Juni mit dem KIP Day (Knit In Puplic Day – ›Tag des öffentlichen Strickens‹) zusammen.

»Beim Quilten (gesprochen kwilten) handelt es sich um eine alte europäische Technik, die aus der Not heraus entstanden ist«, weiß Lippe-Quilterin Bea Galler. »Da Kleidermangel herrschte, wurden Stoffreste zusammengenäht und somit sinnvoll wieder verwertet.« Andere Quellen besagen, dass die Kunst des Quiltens sogar zuvor im gesamten Orient verbreitet war, ehe sie im 14. Jahrhundert von den Kreuzrittern nach Europa gebracht wurde – sie trugen Quiltstoffe als Unterhemden unter ihren Rüstungen.

Mit den Auswanderern gelangten die bunten Patchwork-Arbeiten dann nach Amerika, wo sie schnell zu einem Bestandteil des täglichen Lebens avancierten. Dies könnte die Zahl amerikanischer Filmproduktionen erklären, in denen Quilts eine Rolle spielen – man denke an ›Betty und ihre Schwestern‹, ›Der einzige Zeuge‹ oder ›Ein amerikanischer Quilt‹. »Einen solchen Bekanntheitsgrad würden wir uns auch für Deutschland wünschen«, so Bea Galler. Immerhin: Der Begriff steht mittlerweile sogar im Duden!

Während es sich beim traditionellen Quilt um eine Steppdecke handelt, sind der Fantasie moderner Kunsthandwerkerinnen keine Grenzen gesetzt: Ihre Schöpfungen reichen von dekorativen Wandbildern und Tischdecken über kunstvoll bestickte Westen, Röcke und Jacken bis hin zu textilen Büchern, die per Hand oder mit Hilfe der Maschine angefertigt und mit verschiedensten Materialien (Perlen, Steinchen, getrocknete Blüten …) verziert werden können. Die Muster mit bildhaften Namen wie ›fliegende Gänse‹, ›Großmutters Blumengarten‹ oder ›Bethlehems Stern‹ sind ebenso vielfältig wie anspruchsvoll und weisen häufig biblische Bezüge auf – unsere Vorfahren waren gläubige Menschen.

Da passt es gut, dass die Lippe-Quilterinnen den QUIP Day an der evangelischen Stadtkirche begehen wollen. Ihre Quilts werden auf dem Vorplatz an Wäscheleinen ausgestellt. Das ›Cafe im Turm‹ bietet derweil Kaffee und Kuchen zugunsten der Sanierung der neuen Orgel. »Für uns eine tolle Möglichkeit, in gemütlicher Runde zu fachsimpeln, aber auch eine große Chance, das Quilten bekannter zu machen«, findet Bea Galler. Sie schwärmt: »Ein Quilt beinhaltet Wärme, Behaglichkeit und Erinnerungen. In meine Lieblingsdecke habe ich z.B. ein altes Hemd meines Mannes eingenäht.«

Wir wollten wissen: Wie lange braucht es, um einen echten Quilt fertigzustellen? »Das kommt ganz auf die Toleranz der Familie an«, lacht die Expertin. »An einer einfachen 1,5 x 2 m großen Decke nähe ich je nach Technik vielleicht zwei Monate, komplexere Arbeiten können dagegen auch schon mal zwei Jahre in Anspruch nehmen.« Über mangelndes Verständnis kann sie sich zum Glück nicht beklagen: Sogar die Sprösslinge Jonas (9) und Hendrik (7) haben die textile Königsdisziplin für sich entdeckt. »Nur mein Mann quiltet nicht, aber er kann es kaum erwarten, dass ich ihm seine eigene Decke nähe. Ich habe schon angefangen alte Hemden zu sammeln …«

QUIP Day
19. Juni, 11 bis 19 Uhr
evangelische Stadtkirche

Artikel von S. 27 in Ausgabe 53 (6/2010)

Für ihren Sohn hat Bea Galler das alte Testament gequiltet.Der traditionelle Quilt besteht aus drei Lagen, die durch Stepp- bzw. Vorstiche miteinander verbundenen werden: einer Oberseite, dem ›Top‹, einer wärmenden Zwischenlage (meist wird ein Vlies verwendet) und eine Unter- bzw. Rückseite.