Leben im Alter

Die Frühschwimmer im Freibad Schleddenhof

Bei Wind & Wetter

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Es ist früh. Genauer gesagt: 9.30 Uhr an einem Freitagmorgen im Juli. Für den Tag haben die Meteorologen Temperaturen von bis zu 25 Grad angesagt, doch noch wird die Sonne von leichten Schleierwolken verdeckt und es weht eine frische Brise. Kein wirkliches Badewetter – könnte man meinen. Anders sehen das die Frühschwimmer vom ISSV. Während die ersten Freizeitgäste ihre Handtücher auspacken und zaghaft einen Zeh in das 23 Grad kalte Wasser stecken, haben die sieben Frauen und drei Männer ›in den besten Jahren‹ ihr allmorgendliches Training bereits absolviert. Weil heute Freitag ist, geht es nun noch zum ›Frühschoppen‹ an den Beckenrand – mit leckeren Keksen und Amaretto-Kakao …

Das vom Iserlohn Schleddenhofer Schwimmverein betriebene Sport- und Freizeitbad liegt mitten im Naherholungsgebiet Seilersee. Während der Sommersaison (Anfang Mai bis Ende August) sind die munteren Vereinssenioren, die sich die ›jung gebliebenen Alten‹ nennen, hier Stammgäste. Ab sechs Uhr geht es los, für mindestens eine Stunde. »Eigentlich haben wir drei Frühschwimmer-Gruppen«, erzählt Lisel Maczey, seit fast 40 Jahren Mitlied im ISSV. »Außer uns gibt es noch die Berufstätigen, die vor der Arbeit herkommen, und die späten Senioren, die ›erst‹ gegen acht und nur bei schönem Wetter auftauchen. Wir dagegen schwimmen bei jedem Wetter, solange keine Eisschollen im Becken treiben!«

Die einzige, die niemals ins Wasser geht, ist Thea Lamprecht. »Wer fehlt, muss sich bei mir abmelden, damit wir uns keine Sorgen machen.« An der Kasse gehört sie seit 14 Jahren fest zum Inventar. »Schwimmen ist nichts für mich, dabei wird man so nass!« Ihre Freunde sind da weniger zimperlich. Sogar im Mai, als es bei einem Grad Außentemperatur schneite, wagten sich einige ins Becken. »Da waren wir allerdings nur zu dritt«, schmunzelt Lisel Maczey. Ihr Vereinskamerad Horst Storck zählt ebenfalls zur abgehärteten Sorte. Er ist nicht nur Schwimmer, sondern auch Leichtathlet und hat für den Tus Iserlohn bereits viele Preise gewonnen. Anlässlich des heutigen Fototermins hat sich der 72-Jährige in Schale geworfen – mit Lockenperücke und Taucherbrille. »Ich trage das Haar gerne offen«, grinst er. Für den Sprung vom Startblock nimmt er die Lockenpracht dann aber doch lieber ab. »Arschbombe oder Köpper?« Herr Storck mag nicht nur Kekse, er ist auch ein Scherzkeks. Doch beim Sport macht ihm niemand etwas vor.

Das gilt auch für Ernst-August Grüber (80). Beim 24-Stunden-Schwimmen im letzten Jahr schwamm er drei Kilometer und gewann zudem den Pokal als ältester Teilnehmer. Diesen Erfolg will er am 28. und 29. August wiederholen, wenn das große Event in die 16. Runde geht. »Den Pokal wird Thea entgegennehmen müssen, weil der Ernst dann unterm Sauerstoffzelt liegt«, lacht Horst Storck. Die Älteste der Truppe, Ursula Cloer, ist gerade 83 geworden und topfit. »Ich war immer eine Frühaufsteherin. Da hat man noch was vom Tag.« Dagegen darf Rosi Stammen mit ihren 64 Jahren als Nesthäkchen gelten. Sie hat das Freibad schon als Kind gerne besucht. »Damals, beim früheren Bademeister Sülberg, da haben wir neben dem alten Toilettenhäuschen auf der Wiese gelegen«, erinnert sie sich.

Der ›neue‹ Schwimmmeister, Carsten Dorn, schätzt die frühen Morgenstunden seiner Arbeitszeit. »Anstrengend wird es erst nachmittags, wenn die Kids im Bad herumtoben.« Nur an den Wochenenden wartet er oft vergeblich auf seine Lieblingssenioren. »Da öffnet das Bad erst um 8 Uhr, vielen ist das einfach zu spät.«

16. Sparkassen-24 Stunden-Schwimmen 2010
28. und 29 August, Startschuss 15 Uhr
Mitmachen darf jeder, der schwimmen kann!

Iserlohn Schleddenhofer Bade- und Schwimmverein e.V.
Tel. 0 23 71 / 6 20 02
www.issv.de

Artikel von S. 8 in Ausgabe 12 (7/2010)

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