Argentinien, Portugal, Iserlohn – angekommen!
Gutes Klima beim Rollhockey
»Wer so junge Burschen nach Deutschland holt, übernimmt auch eine große Verantwortung«, sagt Detlef Iwanowski. »Für uns war es eine tolle Chance«, sagen Carlos Nuñez und Sergio Pereira. Was die drei eint: ihre Leidenschaft für Rollhockey – und ihre Tätigkeit bei der Iwanowski GmbH.
Detlef Iwanowski ist der Gründer eines bundesweit etablierten Betriebes für Kälte- und Klimatechnik, hat die Geschäftsführung aber inzwischen seinen beiden Söhnen Thorsten und Dirk übertragen. Die brachten ihn auch zur ERG Iserlohn, dem örtlichen Rollhockey-Bundesligisten, dessen Vorsitz er heute innehat. »Vor ein paar Jahren standen wir am Scheidepunkt. Wir hatten Detlef Strugala überzeugt, das Traineramt bei uns zu übernehmen. Er sollte uns aus einer sportlichen Talsohle herausführen. Und er hatte die zunächst verrückt klingende Idee, mit dem 18-jährigen Argentinier Carlos Nuñez im Sommer 2002 einen jungen Athleten nach Deutschland zu holen, aus einem Land, in dem Rollhockey Profisportart ist.«
Sportlich hat sich das Nuñez-Engagement schnell gelohnt, schon 2003 feierte die ERGI den Pokalsieg – der erste Titelgewinn nach 27 Jahren. Es folgten zwei weitere Pokalerfolge und drei Deutsche Meisterschaften. National ist der Iserlohner Club damit seit sechs Jahren wieder eine Macht, und Carlos Nuñez ist der unangefochtene Kapitän.
»Doch vom Rollhockey allein kann niemand leben«, wissen die Iwanowski-Chefs, die mit dem Übersee-Transfer auch die Verantwortung für den jungen Argentinier übernommen hatten. Für den stand allerdings auch von vorne herein fest, in Deutschland eine Ausbildung zu machen. »Andernfalls hätten mich meine Eltern doch auch gar nicht ziehen lassen«, so der 26-Jährige, der ursprünglich Chemie studieren wollte.
Dass es anders kam, lag weniger daran, dass er zunächst einmal Deutsch lernen musste. »Ich musste ja auch Geld verdienen.« Unterkunft und ein Taschengeld stellte zwar der Verein, doch zum Leben war dies zu wenig. Also fragte er bei seinem Clubchef, ob er nicht in dessen Betreib jobben könne. »Dem haben wir uns natürlich nicht versperrt«, so Thorsten Iwanowski. Im Sommer 2005 begann Carlos Nuñez also sein Betriebspraktikum, ein Jahr später wurde er als Lehrling zum Mechatroniker für Kältetechnik fest eingestellt. »Und im Februar haben wir ihn nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung unbefristet übernommen«, so der Juniorchef.
Für Carlos ist dies keine allzu große Diskrepanz zu seinen ursprünglichen Chemie-Ambitionen: »Man muss sowohl in Chemie als auch Mathe und Physik fit sein.«
Dass es sich zudem um einen Beruf mit großer Perspektive handelt, ist ein zusätzlicher Pluspunkt – bringt aber auch einen gewissen Nachteil mit sich. »Wir sind sieben Tage pro Woche im Einsatz, zurzeit haben wir ein größeres Projekt in Antwerpen.« Konflikte mit dem Sport sind dabei natürlich vorprogrammiert, zumal die ERGI als Meister auch international in der Euroliga im Einsatz ist. »Doch bislang haben wir da immer einen Kompromiss gefunden«, kommt die rollhockeybegeisterte Firmenführung ihrem Schützling in der Regel entgegen.
Der Erfolg dieses Projektes verführte zudem zu einer Neuauflage im Sommer 2007, als Sergio Pereira (damals 19) aus Portugal nach Iserlohn gelockt wurde. »Mir war klar, dass dies in doppelter Hinsicht eine große Chance ist«, so der Portugiese, der sich sportlich und beruflich hierzulande eine bessere Perspektive erhoffte – und nun in die Fußspuren von Carlos Nuñez tritt: Nach erfolgreichem Praktikum wurde er im September als Lehrling eingestellt. »Wir sind eben eine kleine Familie«, sagen die Iwa- nowskis – und die Muttertagsanrufe von Carlos und Sergio bei Elke Iwanowski geben ihnen Recht.


