Soziales

Staying alive!

Einfach mal Leben retten

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Statistiken zufolge sterben in Deutschland täglich rund 200 Menschen am plötzlichen Herztod – die Zahl ist vergleichbar mit dem Absturz eines Flugzeugs pro Tag!

Kostenfreie Praxisseminare
»Viele würden überleben, wenn durch die anwesenden Personen umgehend einfachste, lebensrettende Sofortmaßnahmen eingeleitet werden würden, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken«, weiß Jens Schilling. Mit einer Internetseite und kostenfreien Praxisseminaren will der Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin auf das Thema ›Laienreanimation‹ aufmerksam machen und neue Ersthelfer gewinnen.

»Falsch wäre es nur, nichts zu tun!«
Das Wichtigste vorweg: Leben zu retten ist einfach! Viele Notfallzeugen trauen sich im Ernstfall trotzdem nicht. »Ich werde oft gefragt: Kann man da nicht viel falsch machen? Die Antwort lautet: Nein! Falsch wäre es nur, nichts zu tun!« Tatsächlich sind die empfohlenen Basismaßnahmen so kinderleicht, dass der 14-jährige Schüler sie ebenso routiniert anwenden kann wie Frau Müller von nebenan. ›Prüfen, Rufen, Drücken‹, so lautet die einprägsame Faustregel.

Schlüssel zum Überleben: Herzdruckmassage
Zeigt der Betroffene keine Lebenszeichen und keine normale bzw. Schnappatmung, wird zuerst der Notruf (112) gewählt. Als ›Schlüssel zum Überleben‹ folgt die Herzdruckmassage. Dabei drückt der Laie mit dem Handballen in der Mitte des Brustkorbes schnell und kräftig aufs Herz. Das Ganze sollte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte in einem Rhythmus von 100- bis 120-mal pro Minute fortgesetzt werden. »Sie können sich an Songs orientieren: ›Staying Alive‹ passt super«, lächelt Jens Schilling. Mit seinen Übungspuppen besucht der engagierte Hagener seit Februar regelmäßig Firmen, Schulen, Sportvereine etc. – 100-prozentig ehrenamtlich!

»Viele Schicksale könnten anders verlaufen«
»Leider erlebe ich es im Klinikalltag ziemlich häufig, dass Menschen sterben oder schlimme neurologische Schäden davontragen, weil den Anwesenden die nötige Entschlossenheit fehlt, um beherzt handeln zu können. Bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Bis zehn Minuten später der Krankenwagen kommt, ist es dann oft zu spät. Schon mit wenigen entschlossenen Handgriffen könnten viele Schicksale dagegen anders verlaufen.«

›Laienreanimation‹ schon in der Schule?
Durch eine einfache Herzdruckmassage wird der Restsauerstoff im Blut verteilt, was die Überlebenschancen entscheidend erhöht. »Deshalb ist es so wichtig, sich mit dieser Maßnahme vertraut zu machen. Ein gutes Vorbild sind übrigens die skandinavischen Länder, wo ›Laienreanimation‹ ein Schulfach ist. Sinnvoll wäre auch die Installation von leicht zu handhabenden Defibrillatoren an viel frequentierten Stellen wie Bahnhöfen, Sportstadien, Kaufhäusern oder Hotels.«

Leichter als gedacht
Immerhin geht es darum, Menschenleben zu retten – bis zu 200 am Tag! Im Internet werden Jens Schillings Vorschläge bereits heiß diskutiert. Der Seminaranfragen gibt es viele. Daher hat sich der idealistische Fachpfleger inzwischen Verstärkung mit ins Boot geholt. »Unser Ziel ist es, den Laien die Angst zu nehmen. Am Ende heißt es dann oft: Helfen ist ja viel leichter als gedacht!«