Dies und Das

Auf GPS-Pirsch in Castrop-Rauxel

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Startpunkt des von Guido Baumann erstellten Geocaches ›Castroper Altstadt‹: der ›Taubenvatta‹

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Ein Herbsttag wie gemalt, blitzeblauer Himmel, strahlender Sonnenschein – viel zu schade, um daheim auf dem Sofa zu hocken. Also ab nach draußen! Aber einfach nur spazieren gehen? Na ja … Wir verbinden das Erlebnis Natur mit Spannung, Spaß und Abenteuer. Treffpunkt: Taubenvatta. Hier stoßen wir auf Guido Bauman, wohl Castrop-Rauxels mit bekanntester Geocacher. Gemeinsam mit ihm gehen wir auf Schatzsuche, streifen idyllische und historische Winkel der Altstadt und lassen uns en passant in die Geheimnisse der elektronischen Schnitzeljagd einführen.

Geocaching (Geo = gr. Erde, Cache = engl. Geheimversteck) entstand Anfang des neuen Jahrtausends, als das ursprünglich militärischen Zwecken vorbehaltene Satelliten-Ortungssystem ›GPS‹ auch Zivilisten zugänglich gemacht wurde. Und wer hat’s erfunden? Ein Amerikaner! Im Mai 2000 vergrub Dave Ulmer im US-Bundesstaat Oregon den ersten ›Schatz‹ in Form eines Eimers samt einiger Utensilien, veröffentlichte die Koordinaten im Internet und löste damit einen richtiggehenden Hype aus. Mittlerweile existieren weltweit anderthalb Millionen aktive Caches, allein in NRW begeben sich mehr als 25.000 Menschen auf GPS-Pirsch. Guido Baumann ist seit 2002 infiziert und gehört damit zu den Pionieren in unseren Gefilden. »Spazierengehen selbst fand ich eher langweilig. Aber die Kombination von Natur, Bewegung und Köpfchen hat mich von Anfang an begeistert. Man entdeckt wunderschöne Ecken und bringt ganz nebenbei den Organismus und die kleinen grauen Zellen in Schwung«, gerät er richtiggehend ins Schwärmen.

Wie genau funktioniert Geocaching, möchten wir wissen. »Das Grundprinzip ist, wasserfeste Behälter mitsamt Logbuch und einigen netten Souvenirs zu verstecken – in Nischen zwischen Felsen und Wurzeln oder auch mal in luftiger Höh’ auf einem Baum – und die entsprechenden Ortungs-Informationen im Internet zu veröffentlichen. Mithilfe eines GPS-Empfängers versucht der Geocacher das Versteck aufzuspüren. Allerdings gibt es dabei unzählige Spielarten: Bei den traditionellen Caches werden lediglich die Koordinaten ins Netz gesetzt, die es dann mit dem GPS-Gerät anzupeilen gilt. So genannte Multi-Caches laufen über mehrere Stationen, an denen Hinweise zum nächsten Halt und letztendlich zum Ziel hinterlegt sind. Für Mystery-Caches müssen vorab Rätsel gelöst werden, die Aufschluss über die aufzusuchenden Koordinaten geben. Daneben gibt es noch Nachtcaches, Eventcaches und, und, und. Ebenso werden regelmäßig sogenannte CITO-Veranstaltungen (cache in, trash out) durchgeführt, bei denen Müll gesammelt wird unter dem Motto ›Cache rein, Müll raus‹.
Dabei variieren die Schwierigkeitsgrade hinsichtlich Strecke, Geländeform und Aufgabenstellung enorm. Manche Routen machen sogar den Einsatz von Spezial-Equipment wie Kletter- oder Taucherausrüstung erforderlich. Gleich, ob Sie nun gemütlich oder extremsportlich, per Pedes, mit dem Rad oder dem Auto ans Ziel gelangen, die Finder tragen sich ins Logbuch ein, tauschen eine Kleinigkeit aus dem Behälter aus und verstecken ihn für den nächsten Geocacher wieder an Ort und Stelle.«

Guido Baumann selbst bevorzugt übrigens die Multi-Variante. »Die finde ich auf jeden Fall am vielseitigsten. Prinzipiell ist mir allerdings besonders wichtig, dass die Geocaches mit Liebe und Einfallsreichtum erstellt werden. Das gilt für die Art der Suche, aber auch für die Auswahl der Strecke sowie des Verstecks selbst. Es sollte ein Ort sein, der nicht zu offensichtlich ist, gleichzeitig aber kein zu hohes Gefahrenpotential birgt und schließlich auch die Natur respektiert. Wir machen uns oft keine Gedanken darüber, dass ein Fundort eventuell in unmittelbarer Nähe eines Biotops liegen kann, dass möglicherweise Rückzugsorte für Tiere gestört werden. Aus diesem Grund gibt es durchaus kritische Stimmen von einigen Naturschützern, Waldbesitzern, Landwirten oder Jägern. Auch wenn es auf beiden Seiten leider den ein oder anderen uneinsichtigen ›Hardcorer‹ gibt, so befinden wir uns doch auf einem guten Weg. Es werden zunehmend Symposien veranstaltet, innerhalb derer Informationen und Meinungen ausgetauscht werden. Ich finde es sehr wichtig, hier weiter in den Dialog zu kommen.«

Heureka! Knapp anderthalb Stunden marschieren wir durch die Castroper Altstadt, notieren Jahreszahlen, zählen Würfel, genießen die Sonne, rätseln, rechnen, um schließlich mithilfe der Koordinaten das eigentliche Ziel anzusteuern und zu finden. Wobei: Vielleicht ist der Weg ja das Ziel? Wie dem auch sei: Geocaching ist eine spannende Sache mit Suchtfaktor. Wenn Sie mich also irgendwann antreffen sollten – GPS-Gerät in der Hand, festes Schuhwerk am Fuß und spähender Blick in die unmittelbare Umgebung – wissen Sie, dass auch ich mich angesteckt habe. Die Chancen stehen zumindest gut.

Große Sache für kleine Menschen
Geocaching ist beileibe kein ausschließlicher ›Erwachsenensport‹. Die Kombination aus Knobelei, Technik und Schatzsuche fasziniert auch Kinder und Jugendliche. So mancher Stubenhocker, der sonst von Fernseher oder Playstation nicht wegzubekommen war, wurde damit erfolgreich in die Natur gelockt.

Artikel von S. 40 in Ausgabe 81 (10/2010)

Gebrauchstüchtige GPS-Geräte sind mittlerweile sind ab knapp 100 Euro in Outdoor-Fachgeschäften erhältlich.Guido Baumann hat neben der Liebe zur Natur auch ein Auge für Kunst.Markanter Streckenposten: das Reiterdenkmal›Schatztruhe‹ mit Logbuch und kleinen ›Nettigkeiten‹