Theater am Hammerkopfturm
Heimat, was ist das?
Wer eine hat, würde diese Frage kaum stellen. Die eigene Heimat – so selbstverständlich, dass man sich nicht mit ihr auseinanderzusetzen braucht. Erst derjenige, dem sie fehlt, beginnt über sie nachzusinnen …
Ein wesentlicher Aspekt, den der gemeine Castrop-Rauxeler gerne mit seiner ›Heimat‹ verbindet, ist der Bergbau, dessen Hinterlassenschaften – Fördertürme, Halden, alte Zechenhäuser – das Bild der Stadt bis heute prägen. Und auch die Einflüsse jener Menschen, die einst als Bergarbeiter von weither zu uns ins Revier strömten, sind inzwischen ein fester Bestandteil unser Kultur – was wäre der Pott ohne ›seine‹ Döner-Buden? Damit hat sich der Kebab besser integriert als viele ›Migranten‹, die in der neuen ›Heimat‹ mit eher verhaltener Freude empfangen wurden. Und was wurde aus ihren Kindern, die in ihrem Geburtsland ebenso als Ausländer gelten wie in dem Land, aus dem ihre Eltern stammen …? Mit solchen und anderen Fragen beschäftigt sich das Stück ›Projekt Heimat. Die Vögel.‹, das vom Westfälischen Landestheater anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege aufgeführt wird.
Die Vorstellung ist Teil der Feierlichkeiten, die am 16. September 2011 in Kooperation mit dem Erin-Förder-Turm-Verein rund um den Hammerkopfturm ausgerichtet werden. Um 15 Uhr beginnt das Rahmenprogramm, um 20 Uhr zeigt das WLT seinen Beitrag zum Thema Heimat und Heimatgefühl von Menschen mit Migrationshintergrund. Nach dem unvergesslichen ›Sturm‹ vor sechs Jahren ist es die zweite Aufführung des Landestheaters vor der außergewöhnlichen Kulisse des Castrop-Rauxeler Bergbau- Wahrzeichens. Der um 1920 erbaute, ehemalige Luft- und Personenbeförderungsschacht der Zeche Erin gilt als einer der ältesten heute noch vorhandenen Türme seiner Bauart in NRW und wurde von der Landesregierung unter Denkmalschutz gestellt. »Die NRW-Stiftung hat uns maßgeblich bei der Arbeit für den Erhalt der Erin-Fördergerüste unterstützt, das möchten wir am 16. September nicht nur feiern, wir haben auch allen Grund, uns herzlich zu bedanken!«, erklärt Klaus Michael Lehmann, der erste Vorsitzende des Erin-Förder-Turm-Vereins.
Doch zurück zum Thema: Wie war das denn nun mit der Heimat? »Heimat ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis«, sagt Christian Scholze, der sich als Dramaturg und Regisseur am WLT schon oft mit Migration auseinandergesetzt hat. Darin ist er sich einig mit dem russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski, der schon im 19. Jahrhundert bemerkte: »Ohne Heimat sein, heißt leiden.« Die drei Schauspieler Burghard Braun, Dagny Dewath und Ali Murtaza geben den unterschiedlichen Zuwanderern ein Gesicht. Die kurzen Episoden auf der Bühne drehen sich um ihre Schicksale, um die Schwierigkeit, neue Gepflogenheiten zu akzeptieren und um die Notwendigkeit, die deutsche Sprache zu lernen.
An zentraler Position von ›Projekt Heimat‹ spielen die Darsteller einen Ausschnitt aus der klassischen Komödie ›Die Vögel‹ von Aristophanes, die dem Zuschauer einen amüsanten, anarchischen Gegenentwurf zur real existierenden bürgerlichen Gesellschaft bietet. In der neu gegründeten Stadt ›Wolkenkuckucksheim‹, gelegen zwischen Himmel und Erde, verspricht alles besser zu sein. Doch die Sehnsucht bleibt Utopie, denn auch das Zusammenleben über den Wolken bringt keine besseren Menschen hervor. Am Ende geben die O-Töne aus dem Off Auskunft: »Heimat ist da, wo ich lebe, wo ich meine Arbeit und meine Freunde habe.«
Jubiläumsfeier
16.09., 15 bis 22 Uhr
Hammerkopfturm der Zeche Erin
Bodelschwingherstraße 2
44577 Castrop-Rauxel
Eintritt frei





