Kunst und Kultur

Der ›Bulle‹ mit der flinken Feder

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Reinhard Bottländer wurde am 25. März 1948 in Bochum-Gerthe als Kind einer Bergarbeiterfamilie geboren. Heute lebt er mit seiner Familie in Castrop-Rauxel.

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Banküberfälle und Kindesentführungen in Bochum. ›Auf Crange‹ wird eine verkohlte Leiche entdeckt. Der russische Verbrecher Sidorov entkommt aus der Justizvollzugsanstalt Krümmede. Im idyllischen Wäldchen ›Stemke‹ treibt ein brutaler Pferderipper sein Unwesen. Und auf dem Castrop-Rauxeler Marktplatz stirbt in der Neujahrsnacht 2008 bei dichtem Nebel – wer erinnert sich nicht? – ein junger Mann.

Inhalte wie Schlagzeilen aus einem Polizeibericht. Tatsächlich entspringen sie der Feder eines Mannes, der mit Waffen ebenso umzugehen weiß wie mit Worten: Reinhard Bottländer, Schriftsteller und Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, ist ein echter Profi für komplexe Fälle und heiße Spuren. Nach zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern hat er nun das allseits beliebte Metier des Revier-Krimis für sich entdeckt. »Warum soll ich meine Geschichten in Amerika ansiedeln? Das Ruhrgebiet ist eine hochinteressante Gegend. Ich möchte den Menschen erzählen, was in ihrer Heimat, vor ihrer eigenen Haustür passiert.«

Sein erstes Buch ›Das As der Rasselbande‹ erschien am 9. Juni 1978. Ein mit Bäumen und Sträuchern bewachsener Bahndamm in Bochum-Gerthe wird zum Abenteuerspielplatz für eine Jugendbande. »Hier habe ich mich als Kind selbst herumgetrieben«, erinnert er sich lächelnd. »Fernsehapparate gab es damals, zur Nachkriegszeit nicht, wir waren ständig draußen, um Abenteuer zu erleben, haben in zerbombten Häusern gespielt und sind auf fahrende Züge aufgesprungen. Ich versprach meinen Freunden: Wenn ich groß bin, schreibe ich ein Buch über unsere Erlebnisse.«

Hauptberuflich entschied sich der fantasiebegabte junge Mann für eine Laufbahn bei der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen, wo er in verschiedenen Kommissariaten, vor allem in der Fahndungsabteilung und bei der Mordkommission tätig war. »Als Kriminalkommissar wurde ich mit den Schattenseiten des Lebens konfrontiert, als Autor brachte ich meine glückliche Kindheit zu Papier – zwei absolute Extreme.« Er schmunzelt: »Man hat mich oft gefragt, wie es möglich sei, sich nach einem Tag voller Mord und Totschlag  hinzusetzen und über ›die abenteuerliche Reise zur Schokoladeninsel‹  zu schreiben. Aus heutiger Sicht würde ich meine damaligen Geschichten als positiven Ausgleich bezeichnen. Schreiben ist wie ein Abenteuer, Erzähltes wird im Kopf lebendig! Ich lache und weine mit meinen Figuren!«

Mit ›Mord im Sumpf‹, dem ersten von vier Ken Bergmann-Krimis, startete der inzwischen pensionierte Gesetzeshüter im Jahr 2007 sein schriftstellerisches Comeback. Markenzeichen der neuen Reihe ist die authentische Schilderung der Aufklärungsarbeit in den Mordkommissionen. Viele der beschriebenen Verbrechen haben reale Vorbilder, finden sich so oder so ähnlich in den Akten des Bochumer Präsidiums. »Gott sei Dank geschehen im wahren Leben nicht so viele Morde wie in meinen Büchern. Aber wenn man 35 Jahre im Polizeidienst tätig ist, erlebt man Dinge, die sich niemand ausdenken kann!«

Besonders interessieren ihn die psychologischen Hintergründe: Wie wird ein Mensch zum Mörder, Kindesentführer, Pferderipper? Trotz Gänsehaut-Stoff überraschen die Romane von Reinhard Bottländer aber auch immer wieder mit heiteren Einlagen. »Einmal musste mein Kollege im Rahmen einer Fahndung eine Wohnung kontrollieren. In der Tür stand eine junge Frau wie aus einem spanischen Zigeunerbild, lächelnd, strahlend und wunderschön! Als wir uns jedoch auswiesen, verwandelte sie sich schlagartig, schimpfte ›Scheiß-Bullen‹, raffte ihr buntes Kleid und zeigte uns ihren nackten Po. Diese Begebenheit werden Sie natürlich in einem meiner Büchern wiederfinden!«

Veranstaltungstipp
›Criminale 2011‹

6.5., 18 Uhr, Gefängnismuseum Willich
Lesung mit Reinhard Bottländer (u.a.)

Artikel von S. 36 in Ausgabe 78 (4/2011)

Der ›Bulle‹ mit der flinken Feder