In der Stadt

Wo bitte geht’s denn hier nach Münster?

Straßengeschichte(n)

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Bahnübergang Münsterstraße April 1965 ...

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Sie ist die Hauptschlagader der Stadt, lebendig, bunt und geschäftig – kaum zu glauben, dass diese Straße Jahrhunderte ›auf dem Buckel‹ hat: Als Johann II. von Cleve den Castroper Bürgern im Jahre 1484 einen Freiheitsbrief ausstellte, war sie ebenso Zeugin wie bei der Bildung der Stadt Castrop-Rauxel 1926. Den 30-jährigen Krieg hat sie miterlebt, Pest, Industrialisierung, das dritte Reich. Die Münsterstraße erzählt viele Geschichten. Beginnen wir mit ihrer eigenen.

Ein genaues Geburtsdatum ist kaum zu bestimmen, da offizielle Straßennamen in Castrop erst mit zunehmender Bebauung im späten 19. Jahrhundert eingeführt wurden. Davor wurden die Häuser wie allseits üblich einfach durchnummeriert. Dies schließt aber keineswegs aus, dass Straßennamen im allgemeinen Sprachgebrauch existierten. Wahrscheinlich orientierten sich die Bürger bei der Benennung wichtiger Wege und Plätze an markanten Gebäuden, örtlichen Gegebenheiten und Nachbargemeinden. Den Begriff Münsterstraße dürfte es im Volksmund also schon lange gegeben haben.
Im 15. Jahrhundert war die Freiheit Castrop durch einen Wall mit Palisaden und einen breiten Graben gesichert.
Die Umwallung wurde durch drei Eingänge unterbrochen, dem Widumer Tor, der Bennerpforte im Osten und dem nördlichen Muffen- oder Münstertor. Das Muffentor befand sich im Bereich des heutigen Münsterplatzes. Es wurde wie die anderen beiden Tore in den 1820er-Jahren im Rahmen des wirtschaftlichen Aufschwungs abgerissen, um Raum für den Bau neuer Wohnstätten außerhalb des alten Wallringes zu schaffen. Im Mittelalter dienten die Stadttore nicht nur der Sicherheit, hier wurden die Steuern für eingeführte Waren eingezogen. Von ihnen aus führten drei Hauptwege aus dem historischen Stadtkern hinaus Richtung Bochum, Witten und Münster.

Allerdings handelte es sich weniger um befestigte Straßen als um schlichte Sandwege, die sich bei schlechtem Wetter in Morast aufzulösen drohten und daher mit Holzstämmen, Reisigbündeln und Brettern passierbar gemacht werden mussten. 1699 wurde die wichtigste ›Hauptverkehrsstraße‹ (heutige Münster- und Wittener Str.) mit Steinen bepflastert. Sie verlief vom Muffentor am heutigen Münsterplatz über die Münsterstraße und vom nördlichen Teil der Straße am Markt bis zur Straße Biesenkamp. Offiziell getauft wurden die historischen Straßen aber erst im Jahr 1876 nach einem Beschluss der Gemeindevertretung. Dabei berücksichtigte man u.a. die größten Städte im Umfeld von Castrop. Der Teil der ehemaligen Hauptstraße, der durch die Stadt zum Muffentor Richtung Münster führte, wurde folgerichtig zur Münsterstraße ernannt. 1892 erhielten die Wohngebäude in Castrop dann endlich neue Hausnummern, wurden den Straßen zugehörig durchnummeriert. Industrialisierung und technischer Fortschritt waren damals schon in vollem Gange: Am 15. August 1901 fuhr die erste Straßenbahn von der oberen Münsterstraße ab – allerdings nicht nach Münster, sondern nach Witten!

Ende der 1950er-Jahre entstand an der Münsterstraße / Ecke Biesenkamp ein großzügiger Neubau, das zweite Hochhaus in Castrop-Rauxel, auf historisch denkwürdigem Boden. Im Jahr 1810 hatte der Hotelier Busch hier den ersten Castroper Saal errichtet, der für die nächsten 50 Jahre den kulturellen Mittelpunkt der Stadt bildete. So war er Ort für Theaterschauspiele, Orchesterkonzerte, Ausstellungen, Vorträge und Rezitationen, aber auch für Karnevalsgesellschaften und Bürgerfeste. Weil das Landstädtchen Castrop in seinen Mauern kein repräsentatives Rathaus barg, wurden alle Angelegenheiten der Gemeinde ›bei Busch‹ geregelt. Noch heute erinnert ein Schriftzug an der Front des aktuellen Gebäudes an die Vergangenheit.

Quelle: Stadtarchiv Castrop-Rauxel

Artikel von S. 5 in Ausgabe 77 (2/2011)

... und heuteMünsterplatzBlick vom Münsterplatz in die Münsterstraße  Mai 1966Die Münsterstraße in weihnachtlichem Schmuck Dezember 1959Endhaltestelle der Linie 7 in der Münsterstraße 1961Neubauarbeiten für Hertie im März 1967Straßengeschichte(n)Straßengeschichte(n)