Kunst und Kultur

Vergnügliche musikalische Reminiszenzen
von Ulli Engelbrecht

Samtcord, Strass und Soundgewitter

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(Bild: Volker Beushausen)

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Sie kennen es doch auch: Gerade die Songs unserer Teenagerzeit berühren uns wie keine anderen, lassen Erinnerungen hochschwappen und wir sind wieder mitten drin. So ging es auch Ulli Engelbrecht, nur dass er es nicht beim Erinnern und Schmunzeln beließ, sondern uns an seinen musikalischen Reminszenzen teilhaben lässt. ›Samtcord, Strass und Soundgewitter‹ ist eine musikalische Zeitreise in die 70er- und 80er-Jahre, 32 kurzweilige Rockstories über Bands und Begegnungen, Entdeckungen und Emotionen.

Wie kommt man dazu, so ein Buch zu schreiben?
Gerade, wenn es um Musik geht, bin ich ein hoffnungsloser Nostalgiker. Beim ›Samtcord‹-Buch steht die Rockmusik im Vordergrund. Was sie mit einem machte: Gefühle, Gedanken, Stimmungen. Mir ist wichtig, dass sich beim Lesen die rockige Klangwelt vor dem inneren Ohr abspult, dass man den Pfarrheim-Partyraum-Mief der 70er in der Nase hat oder unseren Angstschweiß aus den 80ern riecht, einer Zeit, in der uns die atomare Bedrohung und Umweltkatastrophen allgegenwärtig waren und von einlullender Synthie-Popmusik ummantelt wurden, damit’s ja keiner mitbekommt. Für mich waren diese zwei Jahrzehnte nun mal prägend; mit der bunt schillernden Rockmusik dieser Zeit zwischen Pubertät und Erwachsenwerden.
Um welche Musik geht es?
Ich begann bewusst mit dem Rockmusikhören ab 1970, also mit dreizehn. Die Beatles gab’s nicht mehr, die Rolling Stones galten fast als scheintot und Woodstock – gerade mal zwei Jahre her – war für mich so was wie ein Oldiefestival. Ganz anders Hardrock, Deep Purple, Wishbone Ash, UFO, Scorpions. Oder Yes, Genesis, Emerson Lake & Palmer, Triumvirat aus Köln. Das war meine Musik – nicht diese Bubble-Gum-Pop-Lalla oder Disco-Mukke. Später in den 80ern wurde der Synthesizer salonfähig, wenn nicht gar wegweisend. Man denke allein an Modern Talking. Der Hardrock mutierte zum Heavy Metal und gebar jede Menge erfolgreiche Bastarde wie Poser-Metal, Black-Metal usw. Es gab auch die Neue Deutsche Welle, die in ihrer besten Zeit lustig-verquere Sounds lieferte. Jazz und Fusion und intelligente Popmusik und auch New-Age-Musik – wir wurden fast täglich von neuen Sounds erschlagen.

Also ein Buch für die Prilblumen-Generation?
Nicht nur, im Gegenteil! Als junger Mensch umgibst du dich ausschließlich mit Musik und verbindest gute und schlechte Dinge mit bestimmten Sounds. Geknutscht wird schließlich auch heute immer noch zu ganz bestimmter Musik.

Außerdem, die Bands von damals sind entweder immer noch oder schon wieder am Start: Kraftwerk, Pink Floyd, Chris Rea, Uriah Heep, Roger Chapman oder, ganz aktuell, Spandau Ballet. Parallel zu meinen ersten Büchern ›Licht aus – Spot an‹ über die 70er und ›Skandal im Sperrbezirk‹ über die 80er habe ich zig Lese-Shows in allen möglichen Clubs und Kneipen veranstaltet – mit einer tollen Resonanz: Die Menschen kamen zu mir und sagten: Ja, genau so ist es gewesen. Und auch jüngere Leute konnten sich für die Geschichten mit den alten Bands, die sie heute neu für sich entdecken, begeistern.

Wie viel Ulli Engelbrecht steckt in den Rockstories?
100 %! Alles habe ich so oder so ähnlich erlebt: Die mädchenlose Teenager-Aera – ich wuchs ja in einer reinen Jungengesellschaft auf: Messdienerzeit, Schule, Maschinenschlosserlehre bei Opel. Die Land-WG Ende der 70er – Schlagzeuger, Sänger und Gitarrenlehrer – dann die aufregenden Jahre, als ich meine journalistische Laufbahn begann. Sechs Jahre lang berichtete ich fester freier WAZ-Mitarbeiter ausschließlich über alle möglichen rockmusikalischen Aktivitäten in Bochum und über die Bands, die in der Zeche auftraten: Kritiken, Reportagen, Hintergrundberichte, Interviews. Hier hat sich in den Jahren so viel Gedankenschrott angesammelt, der einfach mal abgefahren werden musste. Das Ergebnis sind die Rockstories.

Bilder: Volker Beushausen

›Samtcord, Strass und Soundgewitter‹
32 Rockstories
BOD / 12,80 Euro
Erhältlich im Buchhandel
und in Onlineshops
Weitere Informationen unter
www.ulli-engelbrecht.de

Termin
Multi-Media-LeseShow
27.02., 19.30 Uhr Schiffshebewerk

Artikel von S. 43 in Ausgabe 71 (2/2010)

(Bild: Volker Beushausen)