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oben: Horst Eschenbach mit Besuch aus Liévin
unten: Jährliche Gedenkfeier zum Grubenunglück am 27.12. 1974

50 Jahre Städtepartnerschaft mit Liévin
›Willkommen bei den Sch'tis‹

Die Region Nord-Pas-de-Calais gilt bei den Südfranzosen als kalt und unwirtlich, ihre Bewohner gelten als rustikal und verschroben. So wird es jedenfalls in der französischen Culture-Clash-Komödie ›Willkommen bei den Sch'tis‹ gezeigt. Doch muss der wider Willen in den ›rauen Norden‹ versetzte Protagonist schnell einsehen: Eigentlich hat er selten so warmherzige, liebenswerte und charmante Menschen getroffen wie hier!

»Eine derartige Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit habe ich vorher noch nie erlebt«, bestätigt Horst Eschenbach, Vorsitzender des Hohenlimburger Städtepart- nerschaftsvereins HOLIBRU. »Besonders vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges hat es mich besonders überrascht, als Deutscher so freundlich aufgenommen zu werden: Bei der Gründung der Partnerschaft zwischen unserem damals noch selbstständigen Hohenlimburg und dem nordfranzösischen Liévin 1960 war der Krieg ja gerade einmal 15 Jahre vorbei!« Am 11. Juni 2010 feiert die Freundschaft zwischen den beiden Städten ihr 50-jähriges Jubiläum.

HOLIBRU steht für Hohenlimburg, Liévin und dem österreichischen Bruck an der Mur, zu dem der Verein ebenfalls freundschaftliche Verbindungen pflegt. Die Partnerschaft mit Liévin ist eine der ältesten in der Region. Sie wird offiziell von der Bezirksvertretung Hohenlimburg und der Stadt Hagen getragen. HOLIBRU steht ihnen aktiv zur Seite. So hat Horst Eschenbach mit seinem Team schon zahlreiche Bürgerreisen und Austausche organisiert, Gastfamilien vermittelt und sogar Praktikumsplätze ausfindig gemacht. »Im jährlichen Wechsel startet entweder unser ›Bürgerbus‹ nach Frankreich oder die Franzosen kommen zu uns«, erzählt er. »Unabhängig davon gibt es einen regen Kontakt zwischen Sportvereinen wie den Judokas, Schulen, Kirchengemeinden, Feuerwehrgruppen und Privatpersonen. Das hat sich im Laufe der Jahre zum Selbstläufer entwickelt: Wer privat nach Frankreich in den Urlaub fährt, plant mit Sicherheit einen Abstecher nach Liévin ein. Mittlerweile sind zwei Hohenlimburger in Liévin zu Ehrenbürgern ernannt worden und auch länderübergreifende Hochzeiten wurden schon gefeiert!«

Als alte Bergarbeiterstadt hat sich Liévin in den letzten Jahren von einem Zentrum des Kohlebergbaus zu einer modernen Indus-trie- und Handelsstadt entwickelt. Frühere Kohlehalden wurden in Grün- und Freizeitflächen mit vielen Wander- und Joggingwegen umgewandelt, weshalb Liévin auch – mit Bezug auf die umliegende grüne Hügellandschaft – als ›blühendes Tor des Artois‹ bezeichnet wird. »Nach einer Bergbau-Ka-tastrophe mit 42 Toten im Jahr 1974 wurde die letzte Grube stillgelegt«, weiß Horst Eschenbach. »Seitdem hat die Stadt einen positiven Wandel vollzogen, ohne ihren his-torischen Charme zu verlieren.«

Vom 4. bis zum 6. Juni findet in Hohenlimburg die große Jubiläumsfeier mit einem deutsch-französischen Festabend statt. »Wenn alles so klappt, wie wir es uns vorstellen, dann wird die ganze Stadt mitfeiern«, verrät der Vorsitzende. Am 10. September startet die dreitägige Gegen- veranstaltung in Liévin – dort hat man aus gegebenem Anlass sogar eine Sonderbriefmarke entworfen. Horst Eschenbach freut sich auf das Wiedersehen mit den ›Sch'tis‹, auch wenn es mit der Verständigung zuweilen hapert. »Die jungen Leute haben ja in der Regel kein Problem, sich auf Französisch oder Englisch zu unterhalten. Bei uns Älteren sieht es da schon anders aus: Wenn ich nicht gerade ein Wörterbuch zur Hand habe, verständige ich mich mit Händen und Füßen. Das klappt nach dem ein oder anderen Gläschen Wein sogar ganz gut!«

Artikel von S. 11 in Ausgabe 8 (02.2010)

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