KULTUR

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oben: Schifferseelsorger Horst Borrieß und Kirchmeister Eckhard Ostrowski (v. li.)






Zeittafel
1892 Mit dem Bau des Dortmund-Ems-Kanals kommen ev. Christen in die Region.
1899 Gründung der ev. Kirchengemeinde Waltrop-Datteln
1901 Bau der ersten ev. Kirche im Ostvest
1943 Durch Bombenangriffe wird die Friedenskirche schwer beschädigt.
1949 Renovierung
1969 Dachstuhl baufällig, Abbruch der Empore und Kürzung des Kirchturms
1985 Friedenskirche wird unter Denkmalschutz gestellt.
2006 Der Kirchenkreis Recklinghausen übernimmt die Zuständigkeit für die Friedenskirche und gestaltet sie mit ehrenamtlichen Helfern zur Schifferkirche um: Ausbau und Renovierung
2007 Neueinweihung







Kontakt
Kirchmeister Eckhard Ostrowski
Tel. 0 23 63 / 3 88 39 28

Friedenskirche am Schiffshebewerk
Mo–Fr, 10–13 Uhr
Gottesdienste an jedem
1. So um 17 Uhr
Kirchenkaffee So, 15–18 Uhr

Kultur in der Kirche
Lachen erlaubt!

Mitarbeiter schleppen Kabeltrommeln, Boxen rauschen, ›Tontest‹ – nein, wir befinden uns nicht in einer Kneipe kurz vor dem Konzert, sondern in der Friedenskirche am Schiffshebewerk. Schifferseelsorger Horst Borrieß und Kirchmeister Eckhard Ostrowski stecken mitten in den Vorbereitungen für die nächsten ›Nachtschnittchen‹ …

»Historisch gesehen war Kirche immer Kultur«, sagt Horst Borries. »Früher standen die Gotteshäuser sowohl kulturell als auch geografisch im Mittelpunkt, hier spielte sich das Leben ab.« Die Dattelner Friedenskirche hat allerdings nicht nur fröhliche, sondern auch turbulente Zeiten hinter sich. Ende der 90er wäre sie fast verpachtet worden, nur dank des rettenden Einsatzes zahlreicher Akteure kam es zur Restauration und Neueinweihung im Jahr 2007. »Die Kirche war tot, nun wollen wir sie wieder mit Leben füllen.«

Als eines von über hundert westfälischen Gotteshäusern trägt die Friedenskirche seit einiger Zeit das Siegel ›Verlässlich geöffnete Kirche‹. Heißt: Ihre Pforten stehen offen, aber nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Ausstellungen, Gespräche, Konzerte, Lesungen oder Vorträge. »Bei uns treffen sich die Menschen zum Gebet genauso wie zum Kaffeetrinken und Fußballgucken«, erzählt der Seelsorger und Diakon, der vor Ort auch seinen Dienstsitz hat. »Die Kirche ist alles in einem: ein stiller Ort der Besinnung und Zuflucht, aber auch Büro, interkultureller Treffpunkt und Heimat für viele Schiffer.«

Im Jahr der Kulturhauptstadt 2010 wird die Friedenskirche darüber hinaus zur Pilgerstätte. »Insgesamt 23 ›offene Kirchen‹ befinden sich auf der Pilgerstrecke entlang der Emscher«, berichtet Kirchmeister Eckhard Ostrowski. »Gruppen, aber auch einzelne Wanderer können bei uns zum Frühstück oder zur Übernachtung mit dem Schlafsack einkehren.«
Lachen ist in den heiligen vier Wänden ausdrücklich erwünscht! Bereits im November zogen die ›Nachtschnittchen‹ aus der Lichtburg in das Gotteshaus am Schiffshebewerk. Rund hundert begeisterte Zuschauer verfolgten die erste Vorstellung der beliebten Kultshow mit Helmut Sanftenschneider. Religion und Comedy, wie passt das zusammen? »Ausgezeichnet«, findet Horst Borrieß. »Witze über den Glauben sind prima, solange sie Denkanstöße bieten. Ich sage immer: Gott ist freundlich, aber kein Übervater. Dasselbe gilt für Jesus: Der Mann war nicht studiert, unangepasst, stammte aus einer Patchwork-Familie. In unserer Gesellschaft hätte das nicht einmal zum Hausmeister gereicht.«

Artikel von S. 4 in Ausgabe 31 (12.2009)

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