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unten: Frank Giesa






Nach wie vor werden dringend Spenden benötigt, um die technische und medikamentöse Ausstattung, die bisher aus Deutschland mitgebracht werden musste, in Pisco zu installieren.
Spendenkonto
Fördergesellschaft des Rotary Club Lüdinghausen e.V.
Kto. 352 759 73, BLZ 401 545 30
Sparkasse Westmünsterland

»18.000 km, staubig, chaotisch und immer Richtung Süden«

Unterwegs bei brennender Hitze und eisigen Minusgraden, Nächte in schäbigen Militärkasernen, Erdbeben, Straßenkämpfe und Terroristen: Urlaub ist anders. Doch eine Gruppe Motorsport begeisterter Polizisten suchte (und fand) das Abenteuer auf der südamerikanischen Panamericana, der gefährlichsten Route der Welt. Zu einem guten Zweck, versteht sich. Mit dabei war der in Waltrop lebende Polizeibeamte Frank Giesa. Als Mitglied des weltweiten Polizeimotorradvereins ›Blue Knights‹ hatte er Kontakt zum italienischen Polizeimotorradverein ›Moto for peace‹ hergestellt, welcher vor dem Hintergrund humanitärer Hilfeleistung Extremtouren in entfernte Gebiete organisiert.
Der Plan: Die Tour sollte in Caracas, Venezuela, beginnen und an der gesamten Panamerica Route hinunter bis zum Kap Horn und wieder hinauf nach Buenos Aires führen. Dabei würden sieben Länder des Kontinents (Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien) auf 18.000 km durchquert werden. Offizielle Stopps wollte man an den Polizei Headquarters der jeweiligen Länder einlegen. Daneben sollte es zwei Hauptanlaufstellen geben: Quito in Ecuador, wo die Italiener ein Projekt für Straßenkinder mit einer größeren Geldsumme unterstützen wollten, sowie die peruanische Stadt Pisco, die durch das große Erdbeben im Juni zu 70% zerstört worden war. Frank Giesa hatte davon gelesen und Kontakt zu einem Ärzteteam des Dattelner St. Vincenz Krankenhauses aufgenommen, welches einmal im Jahr ehrenamtlich nach Pisco fährt, um in der ›Clinica‹ San Jorge Kinder zu operieren. »Da der Kontakt durch das Erdbeben abgerissen war, bat uns der federführende Arzt Dr. Böckers, vor Ort Kontakt aufzunehmen, den Zustand der Panamericana zu dokumentieren und Bargeld als Direkthilfe zu überbringen.« Für die abenteuerverrückten Polizisten Ehrensache. Dass der Weg zum Ziel kein Zuckerschlecken werden würde, war allen klar. Nun galt es, die Spenden sicher an ihren Bestimmungsort zu liefern.

Die Tour: Nach 12 Stunden Flug und Verzögerungen durch die südamerikanischen Zoll- und Einfuhrbehörden ist es endlich so weit. Die Polizisten können ihre von Benelli gesponserten Motorräder (Benelli Trek Amazonas) entgegen- nehmen, die per Schiff in die Hafenstadt Porto Cabello geliefert worden sind. Begleitet wird der 28-Mann starke Trupp mit ›Kollegen‹ aus Deutschland, Belgien, Norwegen, Spanien, Italien und Venezuela von einem Kamerateam. ›Moto for peace‹ lautet zwar die Mission, doch friedliche Stimmung mag zunächst nicht aufkommen: Straßenproteste kündigen sich an, die Regierung droht zu kippen und man entscheidet sich, das Land auf dem schnellsten Wege zu verlassen. So gelangen die Biker vom Regen in die Traufe: Jenseits der Grenze wartet Kolumbien, das Land mit der höchsten Entführungsquote der Welt. Zum Glück hat die italienische Botschaft eine Polizeieskorte organisiert, zehn schwer bewaffnete kolumbianische Polizisten begleiten das Team auf ihren ›Suzuki Freewinds‹. »Die Straße führt uns durch wunderschöne grüne Regenwälder, 3.300 Meter hohe Bergpässe und arme, herun-tergekommene Dörfer. Die Leute sind alle sehr interessiert, neugierig und freundlich«, schreibt Frank Giesa in seinem Reisebericht. »Dann geht’s weiter durch atemberaubende Bergwelten und grüne saftige Wälder Richtung Ecuador. Die Panamericana zeigt sich von ihrer grünen, regnerischen, kurvigen und teilweise schlammigen Art. Man kommt sich vor wie bei der Entdeckung einer fremden Welt.«

Eine Welt, die immer wieder ihre teils schockierenden Gegensätzen offenbart: atemberaubende Landschaften und das Erbe der jahrhundertealten indianischen Hochkulturen auf der einen, Kriminalität, Unterdrückung und martialisch wirkende einheimische Cops in Kampfanzügen auf der anderen Seite. Abseits der Piste können die Biker einige landestypische Plantagen und Gewächshäuser sehen. Man rät ihnen von einem Besuch dringend ab. Am Tag der Ausreise nach Ecuador muss die Gruppe schon in den frühen Morgenstunden Richtung Grenze fliehen, da Proteste der Indios gegen das Unterdrückerregime erwartet werden. Abends wird aus Sicherheitsgründen sämtliche Beleuchtung abgeschaltet – man will Scharfschützen der terroristischen ›Farc‹ kein Ziel bieten.
Am zwölften Tag erreichen die Motorradfahrer nach knapp 3.000 km endlich ihr erstes Hauptziel. Ecuadors Hauptstadt Quito ist eine Millionenstadt mit vielen Straßenkindern, von denen die meisten nicht das Erwachsenenalter erreichen. Rund 30.000 Euro Sponsorengelder der Italiener werden nun offiziell ihrer Bestimmung übergeben: Die Summe fließt in ein Projekt, welches den Kids ein Dach über dem Kopf und Schulbildung gibt. Von Quito nach Pisco, der zweiten Anlaufstelle, ist es im Verhältnis zur Gesamtstrecke der Tour nur ein Katzensprung. Die peruanische Stadt liegt rund 200 km südlich von Lima, mitten im Epizentrum des Erdbebens, das im Juni 2007 viele Menschenleben gekostet hat. Beim Eintreffen der Polizeibeamten ist das Ausmaß der Katastrophe noch immer sichtbar. Spendengelder in Höhe von 2.700 Euro, die durch den Rotarier-Club Lüdinghausen, die Ruth Weberstiftung sowie einige Verwandte und Freunde zusammengetragen worden sind, sollen für den Wiederaufbau der Schule und der Klinik San Jorge eingesetzt werden. Nachdem diese Aufgabe erledigt, das Geld überbracht ist, beginnt der urlaubsmäßige Teil der Reise. Noch haben die Abenteurer rund 13.000 km Panamericana vor sich, ehe es mit dem Flieger Richtung Heimat gehen wird. Doch daran mag jetzt noch niemand denken… pl

Artikel von S. 14 in Ausgabe 25 (12.2008)

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