
Die Ev. Paulus-Kirchengemeinde Castrop
lädt zum ›anderen Advent‹ in der Lutherkirche
30.11.18.12
MoFr, 1818.45 Uhr |
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Advent, mal anders
›Und wenn die fünfte Kerze brennt, dann hast du Weihnachten verpennt.‹ Für viele Eltern im Weihnachtsstress eine geradezu verlockende Vorstellung. Einfach mal Advent Advent sein lassen und in Ruhe durchschlafen, bis das Fest mit all seinem Trubel vorbeigezogen ist. Aber dann reißt man sich doch wieder zusammen: Schließlich gibt es Geschenke zu besorgen, Essen vorzubereiten, eine Wohnung zu putzen …
»Weihnachten ist längst nicht mehr das christliche Fest, das es früher einmal war«, findet auch Reinhild Rappenecke von der evangelischen Paulus-Kirchengemeinde Castrop. »Im Gegenteil: Heute wird die Adventszeit von vielen Menschen als dunkel und hektisch empfunden. Doch wie kann man zu sich selbst und zu Gott finden, wenn man ständig irgendwas um die Ohren hat? Wir wollen zurückführen zu einem christlichen Weihnachen, das den Menschen Gelegenheit gibt, durchzuatmen, innezuhalten und ruhig zu werden was nebenbei bemerkt nicht nur aus christlicher, sondern auch aus psychologischer Sicht sinnvoll ist!«
Gemeinsam mit ihrer Kollegin Gudrun Wilde-Weikert organisiert sie den ›anderen Advent‹ in der Lutherkirche. Die mehrwöchige Veranstaltung mit Programm und ›offener Kirche‹ hat in Castrop-Rauxel bereits seit rund fünf Jahren Tradition. Vom 30.11. bis zum 18.12. ist das Gotteshaus werktags zwischen 18 Uhr und 18.45 Uhr für Besucher geöffnet. Wer beten, meditieren oder einfach nur dem hektischen Treiben der Innenstadt entkommen möchte, findet hier ein ruhiges Plätzchen. Die ersten 15 Minuten gehören traditionsgemäß den verschiedenen ehrenamtlichen Akteuren, die sich mit musikalischen Beiträgen, Bildern und Texten präsentieren. Für stimmungsvolle Atmosphäre ist nicht nur in, sondern auch vor der Kirche gesorgt: Kerzen weisen den Besuchern ihren Weg zur Eingangspforte.
»Ein offenes Haus ist bei den meisten evangelischen Kirchen leider nicht selbstverständlich«, bedauert Reinhild Rappenecker. »In der Regel werden sie nur für den Gottesdienst geöffnet, weil es an Aufsichtspersonal fehlt und man vermeiden will, dass es sich bestimmte Leute mit ihrem Bier auf den Bänken gemütlich machen wobei man natürlich auch fragen könnte, ob das nicht besser wäre, als diese Menschen einfach auf der Straße zu lassen. Jeder, der das Bedürfnis nach Ruhe, Gottesnähe oder einfach nur nach einem trockenen Plätzchen hat, sollte kommen und gehen können, wie er möchte! In dieser Hinsicht ist der ›andere Advent‹ schon mal ein guter Anfang: Die Pforten stehen offen, jeder ist willkommen. Und es wird bestimmt niemand nach Kirchenzugehörigkeit oder Frömmigkeitsstatus befragt!«
In diesem Jahr ist die Veranstaltung eingebunden in das Jahr der Stille, an dem viele Kirchengemeinden in ganz Deutschland teilnehmen. »Nun könnte man natürlich einwenden: Posaunenchor und Stille, wie passt das zusammen?«, schmunzelt Gudrun Wilde-Weikert mit Blick auf das anstehende musikalische Programm. »Kirche soll zum Verweilen einladen, nicht langweilen. Wir sehen unsere Veranstaltung als Gegenpol zum seichten ›Klingglöckchen Klingelingeling‹, von dem wir auf den Straßen und in den Kaufhäusern zur Adventszeit ständig ›eingelullt‹ werden.« Ein Konzept, das aufgeht: Im letzten Jahr war das Gotteshaus an manchen Abenden bis zur letzten Bank gefüllt. Dementsprechend hoffen die Organisatorinnen auch in diesem Jahr auf rege Resonanz: »Schauen Sie doch einfach mal vorbei!«
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